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Datum: 26.02.2025

ÖPNV der Zukunft testen
On-Demand-Pilotprojekt "Go-SiWi-Go"

In Freudenberg und Bad Berleburg wird der ÖPNV der Zukunft getestet werden. Dafür hat der Kreistag in seiner Juli-Sitzung den Weg frei gemacht. Zugleich wurde der neue Nahverkehrsplan verabschiedet, der ab 1.01.2029 gilt. Die On-Demand-Fahrten werden per App oder telefonisch gebucht. Spätestens nach einer Stunde soll das angeforderte Fahrzeug da sein.

In Freudenberg und Bad Berleburg möchte der Kreis den ÖPNV der Zukunft testen. Dafür hat der Kreistag jetzt den Weg frei gemacht: Kleine elektrisch betriebene Fahrzeuge sind dann unterwegs, wenn sie tatsächlich gebraucht werden. In Freudenberg soll dafür ein Fahrzeug eingesetzt werden, in Bad Berleburg zwei. Die Fahrten werden per App oder telefonisch gebucht. Spätestens nach einer Stunde soll das angeforderte Fahrzeug da sein.

Das Modellprojekt heißt „Go-SiWi-Go". „Es bietet einen echten Mehrwert gegenüber unserem heutigen ÖPNV, weil das Fahrzeug dann zur Verfügung steht, wenn es wirklich gebraucht wird und nicht nur dann, wenn im Fahrplan eine Fahrt vorgesehen ist“, erläutert Landrat Andreas Müller: „Zudem kommen die sogenannten ‚Flexbusse‘ wirklich in jeden Ort: auch in kleine Dörfer, in denen es heute überhaupt kein ÖPNV-Angebot gibt.“ In Bad Berleburg sind das z.B. Renfte, Trufte und Stünzel.

Zudem ist das ‚Go-SiWi-Go‘ auch ein wichtiger Baustein für den nächsten Schritt des ÖPNVs in Siegen-Wittgenstein: Angebote mit autonomem fahrerlosen Fahrzeugen. „Dafür steht symbolisch das zweite ‚Go‘ im Projekttitel“, sagt Markus Menn, Leiter der Stabstelle des Kreises, die u.a. für Mobilität und Klimaschutz zuständig ist.

Der Kreis möchte das On-Demand-Projekt im Rahmen der REGIONALE fördern lassen. Es hat bereits einen ersten Stern erhalten. Das Modellprojekt verfolgt das Ziel, den kreisweiten Aufbau von On-Demand-Verkehren vorzubereiten, der mit dem nächsten Nahverkehrsplan kommen wird. „Im Kern geht es um einen umfassenden Erkenntnisgewinn zu dieser Form bedarfsorientierer Verkehre im ÖPNV“, sagt Markus Menn. Im nächsten Schritt wird der Kreis jetzt die notwendigen Fördergelder für die beiden Modellprojekte bei Land beantragen.

Ein weiteres Ziel der beiden Projekte ist es, Akzeptanz für diese neue Art des ÖPNV zu schaffen und On-Demand-Angebote bei den Fahrgästen bekannt zu machen. Dies unterstreicht auch der Landrat: „Über Jahrzehnte haben wir uns daran gewöhnt, dass Bus- und Bahnverkehre ‚nach Fahrplan‘ organisiert werden. Mit dem neuen Nahverkehrsplan kommt ab 1. Januar 2029 vielerorts der Bus, genau dann wenn ich ihn brauche und per App oder Telefon angefordert habe. Dieser Paradigmenwechsel muss gelernt werden. Fahrgäste müssen die Scheu vor solchen Angeboten verlieren und bereit sein, sich auf diese neuen Angebote einzulassen. Dafür wollen wir mit dem Modellprojekt werben.“ 

Der neue Nahverkehrsplans, dem der Kreistag in seiner Juli-Sitzung ebenfalls zugestimmt hat, sieht für Siegen-Wittgenstein die Ausweisung von 16 Bedienungsgebieten vor, innerhalb derer On-Demand-Fahrten mit den „Flexbussen“ stattfinden sollen. "Übrigens wird es damit erstmals wieder ein ÖPNV-Angebot in jedem Dorf geben. Das ist eine echte ÖPNV-Revolution: Denn aktuell sind kleine Ortschaften nicht an das Busnetz angeschlossen!", betont der Landrat. Das Modellvorhaben orientiert sich an zwei dieser 16 Bedienungsgebiete. 

Pilotprojekt Bad Berleburg

Das Bedienungsgebiet in Bad Berleburg verbindet städtische und dörfliche Gemeindeteile. Es umfasst die Kernstadt und die Ortschaften Wingeshausen, Aue, Berghausen, Raumland, Wemlinghausen, Schüllar, Wunderthausen, Diedenshausen, Alertshausen, Elsoff, Schwarzenau, Arfeld, Dotzlar, Beddelhausen, Richstein, Sassenhausen, Hemschlar, Rinthe und Weidenhausen. Hier leben rund 18.000 Einwohner verteilt auf ein weitläufiges Gebiet von 130km². Verknüpfungspunkte zu Linienbussen und Bahnen sind die Bahnhöfe in Bad Berleburg, Aue-Wingeshausen, Berghausen und Raumland-Markhausen. 

Pilotprojekt Freudenberg

Das zweite Modellgebiet, Freudenberg, wurde ausgewählt, um Erfahrungen darüber zu sammeln, wie On-Demand-Verkehre in einem Gebiet ohne eigenen Bahnhof funktionieren können. Es umfasst den Südwesten der Kernstadt von Freudenberg sowie die Orte Plittershagen, Alte Heide, Mausbach, Hohenhain und Bottenberg mit einer Bevölkerung von ca. 4.800 Einwohnern auf 9km². 

Innerhalb des Bediengebietes kann sich jeder Fahrgast von jeder Haltestelle zu jeder anderen befördern lassen. Viele zusätzliche Haltestellen gibt es nur „virtuell“. Sie werden nur in der App angezeigt. Dadurch ist eine große Anzahl von Halten möglich und die Fußwege zur nächsten Haltestelle sind sehr kurz. Wenn es sinnvoll ist, kann das System aber auch einen Umstieg auf einen Linienbus mit einplanen.

Dem Fahrgast wird in der App die gesamte Wegestrecke angezeigt. Das muss nicht immer die kürzeste sein, wenn es sinnvoll ist, durch einen kleinen „Umweg“ einen weiteren Fahrgast mitnehmen zu können. Sehr kurze Fahrten sollen in der Pilotphase nicht buchbar sein. Die Bedienzeiten liegen zwischen 5:30 Uhr und 21:30 Uhr.

„Spannend sind auch die stark unterschiedlichen Ausdehnungen der beiden Modellgebiete und damit die verschiedenen Anforderungen an ein gut funktionierendes On-Demand-System“, sagt Markus Menn. 

In der Testphase läuft der normale Busverkehr – wie bisher – weiter. 

Als Projektpartner konnten neben den Kommunen Bad Berleburg und Freudenberg der ZWS und die VWS gewonnen werden. Um die Ergebnisse aufzubereiten und für die Weiterentwicklung des ÖPNV zu nutzen, ist die Universität Siegen als weiterer Projektpartner mit an Bord. Außerdem die Südwestfalen Agentur, die das Projekt im REGIONALE-Prozess begleitet.