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Zukunftspreis Siegen-Wittgenstein 2015
Jugend engagiert sich - jung und aktiv in Siegen-Wittgenstein
Wettbewerbsbeitrag:

Junges Theater Siegen e.V. - Unheimliche Heimat - Stolpersteine der Erinnerung (Jugendliche erarbeiten ein Theaterstück zu Biografien junger Siegerländer während des Nationalsozialismus)

Überall in Siegen liegen im Bürgersteig messingfarbene Pflastersteine mit den Lebensdaten und dem Sterbeort von aus Siegen während der Zeit des Nationalsozialismus deportierten, meistens jüdischen Mitbürgern. Allein auf den Bürgersteigen Siegens erinnern mehr als 40 Stolpersteine an Verfolgung und Unterdrückung.
Die jugendlichen Darsteller von "Junges Theater Siegen" geben Menschen hinter diesen Steinen ein Gesicht. Sie bringen die Biografien von zwei jungen jüdischen Siegener Frauen in einer in ihrer Freizeit über mehr als ein Jahr entwickelten Szenenfolge auf die Bühne: Inge Frank aus Weidenau, die mit ihren Eltern deportiert und ermordet wurde, und Betty Hochmann aus Siegen, die alleine mit 15 Jahren nach Palästina ging und so überlebte.

In ihrem Projekt "Stolpersteine" erarbeiten Jugendliche aber nicht nur ein Theaterstück über die Geschichte der Verfolgung und Deportation während der NS-Diktatur in Siegen-Wittgenstein. Zugleich lassen sie - ausgehend von Interviews mit Historikern und Zeitzeugen - ein mehrdimensionales Bild vom Leben Jugendlicher in unserer Region vor 70 Jahren auf der Bühne lebendig werden.
Anders als im üblichen Geschichtsunterricht machten sich die Jugendlichen selbst auf die Suche - sie erkundeten Schicksale ihrer Altersgenossen in ihrer Siegerländer Heimat während der Zeit des Nationalsozialismus. Dabei fragten sie nach Schuld und Verfolgung, klammerten aber auch die Suche junger Menschen nach Glück und Freundschaft nicht aus.

Die Jugendlichen wollen die Erinnerung an den Holocaust, wie er auch von unserer Region ausging, wach halten. Das Stück soll daher möglichst an Schulen aufgeführt werden und so Jugendlichen einen neuen Zugang zum Thema geben. Dafür arbeiten sie seit mehr als einem Jahr hart, bringen ihre Freizeit und ihr Engagement an Probenwochenenden und wöchentlichen Probenabenden ein.
In einer ersten, zwanzig minütigen Aufführung am 16.12.2014 im Rahmen von GEHDENKEN erhielten sie von den Zuschauern Bestärkung, in ihrem Engagement fortzufahren: "Vielen Dank, euer intensives Spiel hat mich sehr berührt!“, so eine Seniorin, die manche der dargestellten Situationen aus eigener Erfahrung als junger Mensch kannte.