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Projekt "Nationalpark Rothaarkamm"

Kann auf dem Rothaarkamm zwischen Hilchenbach-Lützel und Netphen-Hainchen der zweite Nationalpark in NRW entstehen? Jetzt hat die Bürgerbeteiligung zu dieser Frage begonnen. Experten beantworten Ihre Fragen.

Kann auf dem Rothaarkamm zwischen Hilchenbach-Lützel und Netphen-Hainchen der zweite Nationalpark in NRW entstehen? Welche Chancen würde ein Nationalpark der Region bieten, welche Herausforderungen müssen bedacht werden? Das soll jetzt noch einmal ausgelotet werden. Dafür hat sich der Kreistag Siegen-Wittgenstein im März 2026 mehrheitlich ausgesprochen. Voraussichtlich nach der Sommerpause wird sich der Kreistag erneut mit dem Für und Wider eines Nationalparks beschäftigen und eine abschließende Entscheidung Pro oder Contra treffen. Verfolgen Sie hier den laufenden Prozess.

Beteiligungsprozess hat begonnen

Stellen Sie per Mail Ihre Fragen zu einem möglichen Nationalpark Rothaarkamm - Experten werden verbindliche Antworten erarbeiten.

Worum es geht?

Landrat Andreas Müller: „Für uns stellt sich die Frage: Wollen wir eine mögliche Unterschutzstellung im Bereich des Rothaarkamms zwischen Lützel und Hainchen als Chance begreifen und mit der Ausweisung eines Nationalparks einen großen Mehrwert für die Regionen schaffen? Ein Nationalpark schafft hochwertige Naherholungsangebote, stärkt Umweltbildung und Naturerleben für Schulen, Familien und Vereine und kann zu einem Leuchtturmprojekt für nachhaltige Regionalentwicklung werden. Für Gäste wie Einheimische ist ein Nationalpark hoch attraktiv. Er zahlt damit auf die Ziele des Lebensraummanagements ein, das wir derzeit entwickeln“, unterstreich der Landrat: „Ein Nationalpark ist eben weit mehr als ein Schutzgebiet. Er ist ein starker Entwicklungsimpuls für unseren ländlichen Raum. Erfahrungen aus anderen Regionen zeigen, dass Nationalparks nachhaltig Wertschöpfung generieren: durch zusätzlichen, qualitativ hochwertigen Tourismus, durch neue Arbeitsplätze in einem Besucherzentrum, Hotels und Pensionen, Gastronomie, Umweltbildung, Forschung und Rangerwesen. Zudem steigt die Nachfrage nach regionalen Produkten und Dienstleistungen. Direktvermarkter werden unmittelbar profitieren. Ein Nationalpark steigert die bundesweite und internationale Sichtbarkeit unserer Region deutlich – als Marke, als Ausflugsziel und als moderner Lebens- und Wirtschaftsraum, der Natur, Erholung und Innovation verbindet.“

Gerade für eine Industrieregion wie Siegen-Wittgenstein biete ein Nationalpark die Möglichkeit, das eigene Profil zu erweitern, erläutert der Landrat: „Als Region, die nicht nur für wirtschaftliche Leistungsfähigkeit, sondern auch für besondere Landschaften, Klimaanpassung, Biodiversität und zukunftsorientierte Standortqualität steht – ein wichtiger Faktor auch im Wettbewerb um Fachkräfte, junge Familien und neue Investitionen.“

Ein Nationalpark könne zudem einen wichtigen Beitrag zur Klima- und Umweltresilienz der Region leisten, führt der Landrat weiter aus: „Naturnahe, großflächig geschützte Wälder sind wirksame Verbündete im Kampf gegen die Folgen des Klimawandels: Sie speichern langfristig CO₂, wirken temperaturausgleichend, verbessern die Luftqualität und stabilisieren den regionalen Wasserhaushalt. Intakte Wälder halten Niederschläge zurück, fördern die Grundwasserneubildung und mindern Hochwasser- wie auch Dürrerisiken. Gleichzeitig erhöhen strukturreiche, widerstandsfähige Wälder die ökologische Stabilität gegenüber Stürmen, Hitze und Schädlingsbefall. Ein Nationalpark am Rothaarkamm könnte so zu einem natürlichen Schutzschild werden – für Klima, Wasserressourcen, Biodiversität und damit auch für die langfristige Sicherheit und Lebensqualität in Siegen-Wittgenstein.“

Der mögliche Nationalpark auf dem Rothaarkamm würde grob zwischen Hilchenbach-Lützel und Netphen-Hainchen liegen. Die Kernkulisse sollte nach den damaligen Vorstellungen der Landesregierung eine Fläche von 4.300 ha umfassen, die ausschließlich im Staatswald liegt. Zusätzlich hatte damals die Dieter-Mennekes-Umweltstiftung ihr Interesse und die Bereitschaft erklärt, ein rund 330 ha großes Gebiet in ihrem Besitz ebenfalls in den Nationalpark einzubringen.

Für den Landrat ist klar, dass ein Nationalpark die Entwicklung des Wirtschaftsraumes „Siegen-Wittgenstein“ auf keinen Fall beeinträchtigen darf und auch nicht wird: „Wir sind Industrieregion und werden das auch bleiben!“, betont Müller: „Seit über 2.500 Jahren haben wir hier in der ältesten Montanregion Europas vorgelebt, wie die Erfordernisse der Wirtschaft mit den Bedürfnissen der Natur in Einklang gebracht werden können. Das wird auch durch einen Nationalpark nicht in Frage gestellt“, unterstreicht der Landrat.

So müsste im Zusammenhang mit der Ausgestaltung der Gebietskulisse z.B. sichergestellt werden, dass der Bau der Route 57 möglich bleibt, genauso wie die Ertüchtigung der L 719 zwischen Walpersdorf und Volkholz.

In insgesamt acht Arbeitsfeldern werden Experten der jeweils relevanten Behörden, Institutionen und Verbände die Grundlagen, Rahmenbedingungen und Voraussetzungen für einen möglichen Nationalpark bearbeiten. Dabei geht es um die Abgrenzung der Gebietskulisse, einen Nationalparkplan, die Land- und Forstwirtschaft, ein Jagd- und Wildtiermanagement, einen Touristischen Masterplan, die regionale Entwicklung und Verkehrsinfrastruktur, Bildung und Forschung sowie den rechtlichen Rahmen und die Organisation eines Nationalparks.

Darüber hinaus möchte der Landrat ein weiteres Nationalpark-Forum organisieren, um allen interessierten Bürgern die Möglichkeit zu geben, sich in den Prozess zur Entscheidungsfindung über einen Nationalpark am Rothaarkamm einzubringen.

„Ich finde es auch richtig, einmal in der Eifel nachzufragen, welche Erfahrungen man dort mit der Ausweisung des Nationalparks gemacht hat. Davon werden wir sicherlich Erkenntnisse für unseren eigenen Prozess gewinnen können“, so Müller.