Nationalpark Rothaarkamm: Vortrag und Exkursion der BioStation
Weitere Veranstaltungen im Nationalparkprozess terminiert
„Unglaublich, welche große Vielfalt an Pflanzen und Tieren es hier auf dem Rothaarkamm gibt!“ Dieses „Aha“-Erlebnis hatten viele der Teilnehmer einer Exkursion, die jetzt auf dem Gebiet eines möglichen Nationalparks zwischen Netphen-Hainchen und Hilchenbach-Lützel stattfand.
„Unglaublich, welche große Vielfalt an Pflanzen und Tieren es hier auf dem Rothaarkamm gibt!“ Dieses „Aha“-Erlebnis hatten viele der Teilnehmer einer Exkursion, die jetzt auf dem Gebiet eines möglichen Nationalparks zwischen Netphen-Hainchen und Hilchenbach-Lützel stattfand. Die Biologische Station Siegen-Wittgenstein hatte dazu eingeladen. Los ging es am Forsthaus Hohenroth, später wurde der Giller erkundet.
Der Rothaarkamm zählt zu den ökologisch wertvollsten Naturräumen in NRW. Die großflächige, weitgehend unzerschnittene Waldlandschaft bietet ideale Voraussetzungen für eine natürliche Waldentwicklung. Hier entspringen Eder, Lahn und Sieg. Alte Hainsimsen-Buchenwälder, seltene Schlucht- und Hangmischwälder, Bruch- und Moorwälder sowie Bergwiesen und Borstgrasrasen schaffen eine außergewöhnliche Vielfalt an Lebensräumen. Wildkatze, Schwarzstorch, Raufußkauz, Schwarzspecht und zahlreiche Fledermausarten finden hier ebenso Rückzugsräume wie Groppe, Bachneunauge oder die Geburtshelferkröte. Torfmoose, Wollgräser, Siebenstern und viele seltene Pilze prägen die Flora. Wer hier unterwegs ist, erlebt eine stille Mittelgebirgslandschaft mit urwüchsigen Wäldern, Quellgebieten, Mooren und naturnahen Bächen – ein nahezu einzigartiges Naturerbe in NRW.
Fast fünf (!) Stunden war die Gruppe unter sachkundiger Führung von Prof. Dr. Jasmin Mantilla-Contreras, Leiterin der Biologischen Station, und ihrer Mitarbeiter Sabine Portig und Michael Frede unterwegs. Die drei öffneten den Blick für faszinierende Naturreichtümer, „an denen man im Alltag normalerweise einfach so vorbeigeht, ohne sie zu bemerken“, wie es ein Teilnehmer am Ende formulierte.
Wie ein Nationalpark Natur „anders“ schützt
Bereits ein paar Tage zuvor hatte Professorin Mantilla-Contreras einen Vortrag zum Naturreichtum des Rothaarkamms im Audimax des Berufskollegs Technik in Siegen gehalten. Dabei hat sie auch noch einmal deutlich gemacht, was das Ziel eines Nationalparks ist: der Schutz von Arten und Populationen, von Biotopen, (Kultur-) Landschaften und von Wasser, Boden und Luft. Diese Ziele werden auch in klassischen Naturschutzgebieten verfolgt. Das besondere an einem Nationalpark ist aber der „Prozessschutz“, also „das Zulassen von natürlichen ökologischen Veränderungen über einen längeren Zeitraum, ohne dass der Mensch eingreift“, so die Leiterin der BioStation.
Veranstaltungsreihe zum Nationalparkprozess
Nach mehrmonatiger intensiver Vorarbeit durch die Kreisverwaltung hatte der Kreistag im März beschlossen, sich noch einmal mit der Frage zu beschäftigen, ob auf dem Rothaarkamm der zweite Nationalpark in Nordrhein-Westfalen entstehen kann. Die Exkursion und der Vortrag der Biologischen Station waren zwei Veranstaltung im Rahmen dieses Prozesses.
Landrat Andreas Müller möchte mit diesen Veranstaltungen und der laufenden Bürgerbeteiligung zur Versachlichung der Diskussion beitragen: „In diesem Prozess habe ich zuweilen das Gefühl, dass manche reflexartig reagieren – nach dem Motto ‚Haben wir nichts Wichtigeres zu tun?‘ oder ‚Naturschutz muss in Krisenzeiten wie heute mal zurückstehen‘. Mit der Bürgerbeteiligung und verschiedenen Veranstaltungen möchten wir ‚gefühlten Wahrheiten‘ echte, überprüfbare Fakten gegenüberstellen. Alles andere ist aus meiner Sicht auch völlig unangemessen und wird dieser wichtigen Fragen nicht gerecht“, so Müller. „Einen möglichen Nationalpark zum Blitzableiter für alle Probleme zu machen, die es ohne Zweifel gibt, verspielt vielleicht Chancen, was wir oder auch kommende Generationen einmal zutiefst bedauern könnten!“
Weitere Veranstaltungen
Deshalb gibt es bereits am kommenden Montag, 20. Juli, ab 17 Uhr im Kulturhaus Lÿz in Siegen die nächste Veranstaltung, Thema: „Welche Chancen bietet ein Nationalpark für die touristische Entwicklung in Siegen-Wittgenstein?“ Michaela Kuhnhenn und Klaus Dieter Brandstetter vom Touristik Service Waldeck-Ederbergland berichten über die dortigen touristischen Erfahrungen aus mehr als zwei Jahrzehnten Nationalpark Kellerwald. Dr. Heike Döll-König, Vorsitzende des Vorstands von Tourismus NRW, ist ebenfalls dabei und spricht über die Bedeutung von Naturerlebnissen und einem nachhaltigen Tourismus in NRW.
Am Mittwoch, 5. August, findet eine Exkursion in den Nationalpark Eifel statt. Michael Lammertz, Leiter der Nationalparkverwaltung Eifel, wird vor Ort über die Arbeit des Nationalparks informieren. Eingeladen zu dieser Exkursion sind die Kreistagsmitglieder sowie die Bürgermeister und Ratsmitglieder der vier Kommunen, in denen der mögliche Nationalpark liegen würde.
Zudem findet am Donnerstag, 27. August, ein Nationalparkforum statt, an dem auch Oliver Krischer, Minister für Umwelt, Naturschutz und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, teilnehmen wird.
Weitere Veranstaltungen werden derzeit vorbereitet.
Alle Informationen zum laufenden Nationalparkprozess, zu den Veranstaltungen und die bisher erarbeiteten Antworten der Expertenteams im Rahmen der Bürgerbeteiligung (FAQ) gibt es unter www.siegen-wittgenstein.de/nationalpark.