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Datum: 15.09.2025

Für Sichtbarkeit und Solidarität:
Gedenkstein für Suizidopfer und Hinterbliebene eröffnet

Ein Gedenkstein für Suizidopfer und Menschen, die eine nahestehende Person durch Suizid verloren haben, hat das Bündnis gegen Depression Olpe-Siegen-Wittgenstein (OSW) am Welttag der Suizidprävention, dem 10. September 2025, auf dem Friedhofswald in Siegen eröffnet.

„Im Jahr 2023 nahmen sich in Deutschland knapp 10.300 Menschen das Leben. 73% der Suizidopfer waren Männer, 27% waren Frauen. 10-20-mal häufiger kommt es zu einem Suizidversuch: Pro Jahr sind das etwa 100.000 Betroffene“, erklärt Katharina Stocks-Katz, Psychiatriekoordinatorin und Sprecherin des Bündnisses gegen Depression OSW. „Ziel dieses Gedenksteines ist es, den Toten zu gedenken und insbesondere den Hinterbliebenen zu zeigen, dass sie gesehen werden – mit ihrem Verlust, ihrer Trauer, Wut und Ohnmacht.“

Suizid sei noch immer ein Tabu besetztes Thema. Bis heute würden Suizide häufig verschwiegen, weil Angehörige sich schämen, die Todesursache zu nennen und Ausgrenzung fürchten. Dabei sei es so wichtig, den Angehörigen zur Seite zu stehen.

„Solch ein Ort des Gedenkens hat bisher gefehlt. Der Gedenkstein macht ab sofort sichtbar, was sonst oft unsichtbar bleibt: Das Leid von Betroffenen und Hinterbliebenen“, sagt Landrat Andreas Müller. „Er ist nicht nur ein Denkmal für die Toten, sondern auch ein Zeichen der Solidarität mit den Lebenden. Ein Zeichen dafür, dass Trauer hier Platz haben darf. Und ein Zeichen, dass wir uns als Gesellschaft unserer Verantwortung stellen: hinzusehen, zuzuhören, zu helfen.“

„Haben wir etwas übersehen? Hätte ich etwas tun können? Warum lässt er/sie mich im Stich?“ – Antworten auf diese Fragen von Hinterbliebenen gibt es oft nicht. „Aber es braucht Orte, an denen diese Fragen Raum haben“, sagt Andree Schmidt, Sozialdezernent der Stadt Siegen. „Als Stadt war es uns ein besonderes Anliegen, diesen Ort der Würde und Stille möglichst schnell und unbürokratisch umzusetzen.“

Das Friedhofsamt der Stadt Siegen hat das Anliegen des Bündnisses gegen Depression OSW ab Tag eins unterstützt und vorangetrieben. Mit dem Platz im Eingangsbereich des unteren Abschnitts des Friedhofwaldes Siegen in der Hermelsbach ist ein geeigneter und wertschätzender Platz zur Verfügung gestellt worden. Eine fest installierte Bank lädt ein, den eigenen Gedanken Raum zu geben.

„Ohne tatkräftige Unterstützung wäre es nicht möglich gewesen, das Projekt auf die Beine zu stellen“, sagt Katharina Stocks-Katz. „Neben der beratenden Unterstützung durch Christian Steuber vom Beerdigungsinstitut Pohl & Steuber sowie dem mehr als finanziell entgegenkommenden Angebot des Steinmetzmeisterbetriebes Thomas Sting aus Netphen für den Gedenkstein, Bronzetafel und Errichtung des Steines, hätten wir es zu unserem Wunschtermin am Welttag der Suizidprävention nicht geschafft.“ Die Kosten des Steins werden durch den Kreis Siegen-Wittgenstein getragen.

Das Bündnis gegen Depression OSW hat sich zur Aufgabe gemacht, über die Erkrankung Depression, deren Symptome, mögliche Folgen und über bestehende Hilfsangebote aufzuklären.

Das Bündnis setzt sich aus verschiedenen Akteuren aus den Bereichen der psychiatrischen Hilfen, Beratungsdiensten und Selbsthilfe zusammen. Alle Mitglieder haben damit Berührungspunkte zum Thema Suizid, Depression und auch Kontakt zu Hinterbliebenen.

Neben den bereits seit vielen Jahren etablierten „Mut-Mach-Wochen“, die insbesondere den Fokus auf Mit-Mach-Aktionen, Aufklärung über Depression und den Abbau von Stigmatisierung legen, hat das Bündnis mit der Errichtung des Gedenksteins einen weiteren wichtigen Schritt getan, um das Thema Suizid aus der Tabuzone in die gesellschaftliche Wahrnehmung zu rücken.

Der Wunsch für die Zukunft: Berührungsängste abbauen und die Gesellschaft befähigen, auf psychische Krisen besser reagieren zu können. Hierzu gibt es bereits besondere Seminare, wie zum Beispiel MHFA-Kurse (Mental Health First Aid). Schulungen, die Menschen dazu befähigen sollen, psychischen Krisen, Suizidalität und mentaler Gesundheit besser zu begegnen.

Hilfe finden Betroffene bei der Telefonseelsorge, diese ist anonym und rund um die Uhr erreichbar unter 0800/111 0 111 und 0800/111 0 222. In akuten suizidalen Krisen wenden sich Betroffene bitte an die psychiatrischen Kliniken in Siegen oder Wittgenstein. Ebenso steht der Sozialpsychiatrische Dienst als Ansprechpartner zur Verfügung.