„Deine Zeit. Dein Ziel. Dein Tempo.“
Flexbus startet am 2. November in Bad Berleburg in die Pilotphase
Mobilität genau dann, wenn man sie braucht: Unter dem Namen „Flexbus“ geht am Montag, 2. November 2026, in Bad Berleburg ein neues Nahverkehrsangebot an den Start. Das ÖPNV-On-Demand-Angebot des Kreises Siegen-Wittgenstein ermöglicht es Bürgerinnen und Bürgern, Fahrten flexibel und ohne starre Fahrpläne oder feste Linienwege zu buchen. Das geht auf Abruf und auch dort, wo es bisher kein oder kaum ein ÖPNV-Angebot gibt. Damit schließt das neue Konzept eine wichtige Lücke im öffentlichen Nahverkehr in der Kernstadt und den Ortschaften von Bad Berleburg.
„Mein Ziel ist ein Nahverkehrsangebot in jedem Ort in Siegen-Wittgenstein, auch da, wo es heute keines gibt – und zwar immer dann, wenn es gebraucht wird“, sagt Landrat Andreas Müller. „Es macht keinen Sinn, alle zwei oder drei Stunden große Busse durch kleine Ortschaften fahren zu lassen, wenn nur ein- oder zweimal am Tag tatsächlich jemand mitfahren will. Das wäre weder wirtschaftlich noch ökologisch zu verantworten. Die Lösung liegt in On-Demand-Angeboten als Ergänzung zum Linienbus. Mit dem Flexbus gehen wir hier in Bad Berleburg den ersten Schritt.“
Nachhaltiges Mobilitätskonzept schließt Lücken im ländlichen Raum
Das System folgt dabei konsequent dem Leitmotiv: „Deine Zeit. Dein Ziel. Dein Tempo.“ Im Gegensatz zum klassischen Linienbus fährt der Flexbus immer dann, wenn er digital per App oder telefonisch angefordert wird. Ein intelligenter Algorithmus im Hintergrund kombiniert in Echtzeit die Fahrtwünsche verschiedener Fahrgäste mit ähnlichen Routen (sogenanntes Ridepooling). Dadurch werden Leerfahrten reduziert und Ressourcen geschont. Durch die Bündelung kann es vorkommen, dass der Flexbus nicht immer den direkten Weg fährt.
Zugleich ist sichergestellt, dass das neue Angebot nicht in Konkurrenz zu bestehenden Bus- und Bahnverbindungen tritt. Für weitere Strecken bringt der Flexbus die Fahrgäste nach Bad Berleburg zum Zentralen Omnibusbahnhof (ZOB) oder zu einem Bahnhaltepunkt, wo sie zum Beispiel in den Bus oder in den Zug nach Siegen umsteigen können.
Das Netz umfasst neben den 112 bestehenden Bushaltestellen in der Kernstadt und den Ortschaften zusätzlich 151 neue, sogenannte virtuelle Sammelpunkte. Insgesamt können Fahrgäste zwischen 263 Haltepunkten auswählen. Die virtuellen Sammelpunkte sind am Logo des Kreises Siegen-Wittgenstein zu erkennen. Sie liegen meist an Kreuzungen, öffentlichen Plätzen oder markanten Punkten, sodass der nächste Haltepunkt in der Regel nur wenige Gehminuten entfernt ist. Ein Einstieg direkt an der Haustür ist nicht möglich: Der Flexbus ist kein Taxi, sondern ein Angebot des öffentlichen Nahverkehrs.
Damit erhalten auch Ortschaften wie Christianseck, das von einem großen Linienbus nicht erreicht werden kann, ein ÖPNV-Angebot. Das gilt ebenso für Teilorte wie beispielsweise Meckhausen, Schwarzenau-Hüttental oder Wingeshausen-Homberg, sowie für Bereiche, in denen bisher nur Schülerverkehre stattfinden.
„Mit dem Flexbus machen wir den ländlichen Raum für alle Generationen attraktiver und unabhängiger vom eigenen Auto“, erklärt Landrat Andreas Müller bei der Vorstellung des Projekts. „Egal, ob für den Weg zum Arzt, zum Einkaufen oder für Jugendliche auf dem Heimweg am Wochenende: Der Flexbus kommt genau dann, wenn er gebraucht wird, und bindet unsere Dörfer in Bad Berleburg optimal an. Besonders wichtig sind mir dabei die Querverbindungen zwischen den einzelnen Ortschaften, denn dort gibt es in der Regel keine direkten Linienbusverbindungen.“
Fahrten auf Bestellung per App oder Telefon ohne festen Fahrplan und Linienweg
Die Buchung ist denkbar einfach: „Fahrgäste geben in der kostenlosen App „rufmobil.nrw“ Start, Ziel und gewünschte Abfahrtszeit ein. Die App ist im Apple App Store und im Google Play Store erhältlich. Das System sucht eine passende Verbindung ab und bis zum gewünschten Standort, weist einen Ein- und einen Ausstiegspunkt zu und berechnet den Fußweg dorthin. Feste Linienwege gibt es nicht“, erläutert Stephan Degen, Leiter Verkehrswirtschaft VWS, die das ÖPNV-Produkt Flexbus im Auftrag des Kreises betreiben.
Wer kein Smartphone hat, kann den Flexbus auch telefonisch unter der kostenlosen Nummer 08003 504045buchen. Die Hotline ist montags bis samstags von 6:00 bis 20:00 Uhr sowie sonntags von 8:00 bis 20:00 Uhr besetzt.
Der Flexbus ist zu folgenden Zeiten unterwegs:
- montags bis freitags von 5:30 bis 21:30 Uhr,
- samstags von 6:30 bis 21:30 Uhr,
- sonntags und an Feiertagen in NRW von 8:30 bis 21:30 Uhr.
Eine Buchung ist grundsätzlich bis spätestens 60 Minuten vor der gewünschten Abfahrt möglich. Zusätzlich können Fahrten „für sofort“, also innerhalb der nächsten 30 Minuten, angefragt werden. Ob eine solche Fahrt zustande kommt, hängt von der Verfügbarkeit der Fahrzeuge ab. Wer auf Nummer sicher gehen möchte, kann bis zu sieben Tage im Voraus buchen. Fahrten, die vor 6:00 Uhr morgens stattfinden sollen, müssen bis 20:00 Uhr am Vortag gebucht werden.
Die Nutzung des Flexbusses ist kostengünstig: Wer ein im Kreis Siegen-Wittgenstein gültiges Ticket besitzt, fährt ohne zusätzliche Kosten. Das gilt für Einzelticket, Deutschlandticket und Schülerticket gleichermaßen. Ohne gültiges Ticket kostet eine Fahrt 1,88 Euro zuzüglich 0,30 Euro je Luftlinienkilometer. Beispielrechnungen finden Interessierte in den AGB unter www.siegen-wittgenstein.de/flexbus.
Pilotphase als Grundlage für den kreisweiten Ausbau ab 2029
Das vom Kreistag beschlossene Pilotprojekt läuft über 26 Monate bis Ende 2028. In dieser Zeit werden Erfahrungen gesammelt. Hierfür arbeitet der Kreis mit dem Lehrstuhl Verkehrsplanung und Mobilität der Universität Siegen unter der Leitung von Prof.‘in Dr.-Ing. Kerstin Lemke zusammen, welche das Projekt in Form eines Monitorings begleitet. Mit der Umsetzung des neuen Nahverkehrsplans werden On-Demand-Verkehre ab 2029 regulärer Bestandteil des ÖPNV, dann in 13 Bediengebieten in allen elf Städten und Gemeinden des Kreises.
Die Gesamtkosten bis Ende 2028 belaufen sich auf rund 1,0 Millionen Euro. Etwa ein Drittel davon, 350.000 Euro, trägt das Land Nordrhein-Westfalen. Das Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Verkehr fördert den Flexbus aus dem Programm „On-Demand-Ridepooling in Nordrhein-Westfalen“.
Zum Einsatz kommen zwei elektrische Fahrzeuge (Mercedes eVito) mit sechs Fahrgastplätzen. Wird ein Rollstuhl, Kinderwagen oder Rollator mitgenommen, kann die Zahl der weiteren Fahrgastplätze abweichen. Der Flexbus ist Teil des ÖPNV und damit ein Angebot des Kreises Siegen-Wittgenstein. Durchgeführt werden die Fahrten von der VWS Verkehrsbetriebe Westfalen-Süd GmbH. Weitere Projektpartner sind der Zweckverband Personennahverkehr Westfalen-Süd (ZWS), der die Busverkehre in den Kreisen Siegen-Wittgenstein und Olpe nach den Vorgaben im Nahverkehrsplan 2025+ für den Kreis Siegen-Wittgenstein plant, sowie die Stadt Bad Berleburg.
„Ich bin sehr gespannt, wie die Bürgerinnen und Bürger den Flexbus annehmen, und freue mich auf die Erfahrungen der kommenden 26 Monate“, so Landrat Müller. „Perspektivisch ist für solche On-Demand-Verkehre auch der Einsatz selbstfahrender Fahrzeuge vorstellbar.“
Info: Alle Informationen zum Flexbus, FAQ, Links zur App sowie Beispielrechnungen für Fahrpreise finden Sie unter www.siegen-wittgenstein.de/flexbus.