322 von 17.500 heimischen Unternehmen haben sich beteiligt
Landrat: Überraschend positives Ergebnis der IHK-Umfrage zum Nationalpark
Landrat Andreas Müller freut sich über die Ergebnisse einer IHK-Umfrage zum Nationalpark: „In vielen Punkten haben mich die Umfrageergebnisse positiv überrascht, in anderen meine Annahmen bestätigt“, so Müller.
Landrat Andreas Müller freut sich über die Ergebnisse einer IHK-Umfrage zum Nationalpark: „In vielen Punkten haben mich die Umfrageergebnisse positiv überrascht, in anderen meine Annahmen bestätigt“, so Müller. „Dass 46 Prozent der Unternehmen, die sich an der Befragung beteiligt haben, die Idee eines Nationalparks in Siegen-Wittgenstein positiv bewerten, war so nicht zu erwarten und freut mich sehr“, sagt der Landrat. „Vor allem wird daran deutlich, dass es keine breite Front heimischer Unternehmen gegen einen Nationalpark Rothaarkamm gibt“, betont Müller.
Das ergibt sich für den Landrat auch noch aus einer anderen Betrachtung: Laut Angaben der IHK gibt es im Kreisgebiet rund 17.500 Unternehmen, davon sind rund 5.500 im Handels- oder Genossenschaftsregister eingetragen. „Wenn sich von diesen aber nur 322 an der Befragung beteiligen, zeigt dies, dass ein Nationalpark für 98 Prozent der heimischen Unternehmen kein Thema zu sein scheint, das sie außerordentlich bewegt, belastet oder gar bedroht. Das deckt sich auch mit einer Annahme, die ich schon mehrfach öffentlich deutlich gemacht habe: Die allermeisten Unternehmen in Siegen-Wittgenstein werden in ihrer Geschäftstätigkeit niemals mit einem Nationalpark in Berührung kommen. Er ist für sie schlicht und einfach kein Thema. Das hat auch die IHK-Umfrage bestätigt. Und selbst von den 322, die mitgemacht haben, bestätigen fast 50 Prozent, dass sie nicht davon ausgehen, dass ein Nationalpark überhaupt Auswirkungen auf ihr Unternehmen haben würde. Das ist eine positive Überraschung und war keinesfalls zu erwarten. Deshalb bedanke ich mich auch sehr für dieses differenzierte Bild“, so Müller – auch wenn die Umfrage ja nicht den Anspruch erhebe, repräsentativ zu sein: „Gerade von solchen Zufallsumfragen weiß man, dass sich üblicherweise vorrangig diejenigen beteiligen, die sich gegen etwas aussprechen möchten oder die Chance sehen, ihrem Unmut Luft zu machen. Dass das in diesem Fall nur rund 160 von kreisweit 17.500 Unternehmen gemacht haben, zeigt deutlich, dass der Nationalpark in keiner Weise die Bedeutung für den Industriestandort Siegen-Wittgenstein hat, wie manche behaupten. Und er ist auch in keinem Fall die Bedrohung, die einige an die Wand malen.“
Eine wesentliche Schlussfolgerung des Landrates aus der IHK-Befragung: „Spätestens mit dieser Umfrage gibt es keine faktische Grundlage mehr für die Behauptung, die heimischen Unternehmen würden einen Nationalpark mit einer breiten Mehrheit ablehnen. Im Gegenteil: Auch aus Sicht der Unternehmerschaft ergeben sich nach den Umfrageergebnissen etliche Chancen für die Region - im Tourismus und in der Gastronomie (63 %), bei der Bekanntheit der Region und beim regionalen Image (56 %), Umweltbildung und Nachhaltigkeitsprofil der Region (34 %) und der Verbesserung der Lebensqualität (28 %).
Lediglich 135 der 322 teilgenommenen Unternehmen befürchten Nachteile für den Wirtschaftsstandort Siegen-Wittgenstein. Für diese steht hauptsächlich eine Frage ganz zentral im Mittelpunkt – die Sorge um Hemmnisse für Infrastrukturprojekte und die Verkehrsanbindung, z. B. die Route 57. „Diese Sorge verstehe ich und kann sie absolut nachvollziehen“, betont der Landrat: „Deshalb war es mir von Anfang an wichtig, in dieser zentralen Frage tragfähige Lösungen zu finden – und das ist uns gelungen: Das Land ist einverstanden, den gesamten Korridor für eine spätere Trasse der Route 57 aus der Nationalparkkulisse auszuklammern und den Bau damit abzusichern. Mir ist bewusst, dass manchen diese Zusage nicht ausreicht. Deshalb werden wir im weiteren Prozess darauf hinwirken, diese Zusage so verbindlich wie möglich zu verankern. Denn eines ist unumstößlich klar: Wenn der Kreistag sich für die Ausweisung eines Nationalparks aussprechen sollte, dann nur genau unter dieser Voraussetzung“, unterstreicht der Landrat. Im Übrigen gelte für den Ausbau bzw. die Sanierung von anderen Verkehrswegen wie der L719, der Eisenstraße oder der Rothaarbahn gleiches.
Die anderen in der IHK-Befragung geäußerten Befürchtungen bleiben im Vergleich zur Route 57 eher unkonkret und wenig belastbar, analysiert der Landrat: „Wie und an welcher Stelle sollte ein Nationalpark auf dem Rothaarkamm die wirtschaftliche Entwicklung einschränken? Oder die Flächenverfügbarkeit? Oder zusätzliche Planungs- und Genehmigungshemmnisse mit sich bringen? Der Rothaarkamm steht ohnehin in weiten Teilen unter höchstem Naturschutz. Er wird auch ohne Nationalpark nie als Wirtschaftsfläche zur Verfügung stehen“, betont Müller.
Auch der Hinweis in der Befragung, dass andere wirtschaftspolitische Themen wichtiger sind, nimmt der Landrat ernst: „Wenn hier der Eindruck entsteht, dass sich der Kreis ausschließlich um den Nationalpark kümmert, ist dieser nachweislich falsch. Viele Aktivitäten des Kreises zielen auf die Unterstützung der heimischen Wirtschaft ab: Von der MINT-Förderung entlang der gesamten Bildungskette, den Investitionen in die vier Berufskollegs des Kreises zur Sicherung des Fachkräftebedarfs, den Bau und die Unterhaltung des Containerterminals in Kreuztal, der erfolgreichen Neuaufstellung der Kreisbahn und des Siegerland Flughafens bis hin zur gerade im Präsentationsjahr befindlichen REGIONALE 2025, mit der wir über 52 Mio. Euro Förder- und Drittmittel für Siegen-Wittgenstein eingeworben haben und Investitionen in Höhe von über 74 Mio. Euro ausgelöst wurden, u.a. eben auch für Transformationsvorhaben heimischer Industrieunternehmen – das alles sind Beispiele, die zeigen, wie aktiv der Kreis bei der Förderung der heimischen Wirtschaft war und ist. Daneben darf und muss aber auch noch Raum und Zeit bleiben, sich mit einem Zukunftsprojekt für die Region wie einem Nationalpark zu beschäftigen“, so Müller.
Für den Landrat ist die Umfrage der IHK eine hervorragende Grundlage, auch weiterhin im Gespräch zu bleiben: „Jedes Unternehmen, das konkrete Auswirkungen auf seine unternehmerische Tätigkeit durch einen Nationalpark Rothaarkamm befürchtet, ist auch weiterhin herzlich eingeladen sich über nationalpark@siegen-wittgenstein.de direkt an uns zu wenden. Wir nehmen alle Anliegen ernst, arbeiten diese auf und versuchen, bestmögliche Antworten zu geben oder auch Lösungen zu finden.“