Kreisverwaltung empfiehlt Prozess zur Ausweisung eines Nationalparks fortzusetzen
Landrat will mit Rechtsgutachten zentrale Ergebnisse der Bürgerbeteiligung überprüfen
Die Kreisverwaltung empfiehlt dem Kreistag, die Arbeiten zur Vorbereitung eines Nationalparks Rothaarkamm fortzuführen und die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Damit schließt sich die Verwaltung der Bewertung der Arbeitsgruppe Nationalpark an.
Die Kreisverwaltung empfiehlt dem Kreistag, die Arbeiten zur Vorbereitung eines Nationalparks Rothaarkamm fortzuführen und die erforderlichen Rahmenbedingungen zu schaffen. Damit schließt sich die Verwaltung der Bewertung der Arbeitsgruppe Nationalpark an. Nach einer Gesamtbetrachtung und ‑bewertung der erarbeiteten Ergebnisse im Rahmen der Bürgerbeteiligung und der damit gewonnenen Erkenntnisse befürwortet die Arbeitsgruppe die Ausweisung eines Nationalparks in der derzeit diskutierten Gebietskulisse.
Die Bürgerbeteiligung habe keine unlösbaren Konflikte aufgezeigt, sondern präzisiere die Anforderungen an die konkrete Ausgestaltung eines Nationalparks. Chancen für Natur- und Prozessschutz, Tourismus, Bildung und die regionale Entwicklung überwiegen die fachlich begründbaren Risiken – so das Fazit der Experten, dem sich die Kreisverwaltung anschließt. Eine entsprechende Vorlage für den Kreistag und seine Ausschüsse hat die Kreisverwaltung jetzt veröffentlicht.
„Wir haben seit Mai sehr intensiv zugehört und alle Fragen aufgenommen, die an uns herangetragen worden sind. Die fachlich zuständigen Experten von Landesregierung, Bezirksregierung, Kreis aber auch von Behörden wie den Landesbetrieben Straßen.NRW und Wald und Holz haben diese sachlich fundiert aufgearbeitet und verbindliche Antworten formuliert“, fasst Landrat Andreas Müller den Prozess der letzten Monate zusammen. „Unser Ziel war es, Sorgen ernst zu nehmen und anhand überprüfbarer Fakten abzugleichen“, so der Landrat: „So ist eines der maßgeblichen Ergebnisse, dass ein möglicher Nationalpark den Bau der Route 57 nicht beeinträchtigt. Die Landesregierung hat vorgeschlagen, die für den Bau der Route 57 benötigte Trasse aus der Nationalparkkulisse auszusparen. Übrigens sind auch vergleichbare Regelungen für die L719 oder die Eisenstraße vorgesehen, um den Erhalt und die Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur in einem möglichen Nationalpark auf Dauer sicherzustellen“, so Müller.
Der Landrat wünscht sich in den kommenden Monaten eine intensive und vor allem sachliche Diskussion über einen möglichen Nationalpark. „Mit dem Abschluss der Arbeit der Expertengruppen und der Vorlage der Ergebnisse haben wir jetzt eine Faktenbasis, auf der man fundiert diskutieren kann. Auf dieser Basis kann geklärt werden, ob Sorgen berechtigt sind, oder nicht“, erläutert der Landrat.
„Allerdings ist mir auch bewusst, dass manche die Ergebnisse der Expertengruppen infrage stellen oder schlicht und einfach negieren“, sagt der Landrat: „Dass Fachwissen bezweifelt wird, ist leider ein bedauerlicher Trend unserer Zeit – aber man muss das ernst nehmen, weil auch falsche Informationen, die ständig wiederholt werden, Diskussionen beeinflussen. Deshalb habe ich den Kreistagsfraktionen vorgeschlagen, die zentralen Ergebnisse der Expertengruppen in einem Rechtsgutachten bewerten zu lassen. Dieses Gutachten ist dann eine weitere belastbare Grundlage, auf der der Kreistag seine Entscheidung fällen kann.“
Mit seinem Votum entscheidet der Kreistag zunächst, ob der Kreis Siegen-Wittgenstein gemeinsam mit dem Land Nordrhein-Westfalen in die nächsten Schritte zur Ausweisung eines Nationalparks auf dem Rothaarkamm einsteigt. Als nächstes würden dann konkrete Grundlagen und Rahmenbedingungen erarbeitet. So würden z.B. die naturschutzfachlichen und regionalen Voraussetzungen geprüft und die konkreten Inhalte gemeinsam mit der Region entwickelt. Dabei werden die unterschiedlichen Interessen und Perspektiven von Kommunen, Bevölkerung, Land- und Forstwirtschaft, Jagd, Sport, Naturschutz, Tourismus sowie weiteren Akteuren umfassend einbezogen.
„Es gibt Chancen, die bekommen Regionen vielleicht ein einziges Mal in ihrer Geschichte. Die Möglichkeit, einen Nationalpark auf dem Rothaarkamm auszuweisen, scheint mir solch eine einmalige Chance zu sein“, betont Landrat Andreas Müller. „Ein Nationalpark würde unser Profil als waldreichster Kreis Deutschlands weiter schärfen, neue Perspektiven für Naherholung und Tourismus ermöglichen, ohne unser südwestfälisches Profil als Industrieregion Nr. 1 infrage zu stellen“, ist Andreas Müller überzeugt: „Wir werden in den kommenden Monaten intensiv und ohne Zweifel auch streitig diskutieren. Wir werden als Kreis entsprechende Formate anbieten. Am Ende setze ich darauf, dass Fakten und die besseren Argumente überzeugen und der Kreistag eine Entscheidung fällt, die unserem Kreis noch bessere Chancen eröffnet, die großen Herausforderungen der Zukunft zu meistern.“