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Datum: 18.02.2021

Nachhaltigkeitsstrategie für Siegen-Wittgenstein liegt vor
Mitgliedschaft im Netzwerk Nachhaltigkeit NRW LAG 21 angestrebt

Seit Sommer 2019 haben Vertreter aus Politik, Verwaltungen, Zivilgesellschaft, Wirtschaft, Wissenschaft und Forschung an ihr gearbeitet – jetzt liegt sie vor: die Nachhaltigkeitsstrategie für den Kreis Siegen-Wittgenstein. „Wir sind damit Teil der globalen Entwicklungsstrategie, die von den Vereinten Nationen im Jahr 2015 verabschiedet wurde: die sogenannte Agenda 2030“, erläutert Landrat Andreas Müller: „Diese beinhaltet zum ersten Mal weltweit gültige Nachhaltigkeitsziele. Die haben wir jetzt für uns heruntergebrochen und ganz konkrete Maßnahmen und Ziele erarbeitet, die uns vor dem Hintergrund globaler Herausforderungen die Chance geben, uns zukunftsfähig aufzustellen.“

Erarbeitet wurde das Nachhaltigkeitskonzept im Rahmen des Projektes „Global Nachhaltige Kommune in NRW“. Hier war Siegen-Wittgenstein eine von 15 Modellkommunen. Koordiniert wurde der Prozess von der Stabsstelle „Wirtschaftsförderung, Klimaschutz und Mobilität“, die direkt dem Landrat zugeordnet ist. Unterstützt wurde der Kreis dabei von der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW (LAG 21 NRW e.V.).

„Zentrale Arbeitsschritte waren eine Bestandsaufnahme mit einer Analyse von Stärken und Schwächen, die Auswahl der Themenfelder, mit denen wir uns beschäftigen wollten, die Entwicklung von Leitlinien und strategischen sowie operativen Ziele. Und im letzten Schritt dann die Erarbeitung von konkreten Maßnahmen“, erläutert der Klimaschutzmanager des Kreises, Dr. Andreas Kaiser.

Die wurden jetzt in einem rund 80-seitigen Bericht zusammengefasst – sortiert nach den fünf Themenfeldern „Lebenslanges Lernen & Kultur“, „Gute Arbeit & Nachhaltiges Wirtschaften“, „Soziale Gerechtigkeit & zukunftsfähige Gesellschaft“, „Globale Verantwortung & Eine Welt“ sowie „Nachhaltige Mobilität“.
Zu jedem Themenfeld gibt es mehrere operative Ziele, die mit konkreten Maßnahmen unterlegt sind. Dabei wurden solche Maßnahmen ausgewählt, auf deren Umsetzung der Kreis einen direkten Einfluss hat und so auch selbst aktiv werden kann. Über die Umsetzung der einzelnen Maßnahmen soll dann der Kreistag nach Beratung in den jeweils zuständigen Ausschüssen entscheiden.

Konkrete Maßnahmen in fünf Themenfeldern

So finden sich im Themenfeld „Lebenslanges Lernen & Kultur“ Maßnahmen wie die digitale Ausstattung der Berufs- und Förderschulen, die Stärkung des „Beratungsservice Weiterbildung“, die Ausbildung von KlimaScouts, ein papierloser Ticketservice des Kultur!Büros., den Einsatz von energieeffizienter Veranstaltungstechnik oder die Einrichtung eines Arbeitskreises der Schulträger zum Thema „Nachhaltige Schule“.

Im Rahmen von „Gute Arbeit & Nachhaltiges Wirtschaften“ sollen z.B. Frauen verstärkt für gewerblich-technische Berufe gewonnen werden. Digital- und Gesundheits-Scouts sollen die Kompetenzen von Unternehmen in beiden Themenfeldern stärken. Mit einem „Haus der Innovationen“ werden „Start-ups“ gefördert. Im Rahmen von „Ökoprofit“ steigen Unternehmen auf energieeffiziente Technologien um und sparen so gleichzeitig Kosten. Im Bereich Tourismus soll ein komfortables Buchungssystem etabliert und z.B. Natur-Trekking-Inseln im Naturpark Sauerland Rothaargebirge etabliert werden.

Das Themenfeld „Soziale Gerechtigkeit & zukunftsfähige Gesellschaft“ nimmt z.B. das Thema „Einsamkeit“ in den Blick. Die dazu gehörige Maßnahme ist, einen Arbeitskreis „Gemeinsam statt einsam“ einzurichten. Die Integration von Geflüchteten und Zugewanderten soll mit einem kommunalen Integrationsmanagement verbessert werden. Das Ehrenamt wird verstärkt unterstützt und für dieses Engagement intensiv geworben. Die Einführung eines „Social Coin“ als alternatives Zahlungsmittel, wie es ihn bereits in Siegen gibt, soll auf Kreisebene unterstützt werden.

Im Bereich von „Globale Verantwortung & Eine Welt“ ist die Unterstützung von „Food Sharing“ ein konkretes Projekt, ein anderes die Einführung einer Wertstofftonne für alle verwertbaren Abfälle. Die Erarbeitung eines Leitfadens für die nachhaltige Beschaffung aller Kommunen steht genauso auf der „To Do“-Liste wie ein Gesamtprogramm Klimabildung in enger interkommunaler Abstimmung.

Im Themenfeld „Nachhaltige Mobilität“ ist z.B. die Errichtung einer Mobilitätszentrale angepeilt. Für verschiedene Zielgruppen sollen spezifische ÖPNV-Tarife angeboten werden. Es ist vorgesehen, E-Car-Sharing und E-Bike-Verleihsysteme in Siegen-Wittgenstein zu etablieren. Die E-Lade-Struktur soll ausgeweitet, E-Dienstwagen zur Mitbenutzung freigegeben, das kreisweite Radverkehrsnetz ausgebaut und insbesondere eine Radpendlerroute zwischen Kreuztal-Littfeld, Siegen und Betzdorf geschaffen werden.

Landrat: „Den einen großen Wurf gibt es nicht“

„Jede einzelne dieser Maßnahmen wird die Welt nicht grundlegend verändern und auch den Klimawandel nicht stoppen“, ist sich Landrat Andreas Müller sicher: „Aber es ist wie immer im Leben: Wenn viele Menschen viele kleine Dinge tun, wird daraus am Ende etwas Großes entstehen können. Anders werden wir die Welt auch nicht gerechter machen oder den Klimawandel verlangsamen können. Den einen großen Wurf gibt es nicht“, betont Müller: „Mit unserer Nachhaltigkeitsstrategie wollen wir unseren Beitrag leisten, damit sich etwas verändern kann.“

Die Nachhaltigkeitsstrategie kann unter www.siegen-wittgenstein.de/nachhaltig eingesehen werden. Sie wird am 4. März erstmals im Ausschuss für Umwelt- und Klimaschutz, Land- und Forstwirtschaft des Kreises Siegen-Wittgenstein beraten werden.

Um auch künftig von der Expertise der Landesarbeitsgemeinschaft Agenda 21 NRW e.V. in den Bereichen „Fortbildung im kommunalen Nachhaltigkeitsmanagement“, „Bildung für nachhaltige Entwicklung“, „internationale Städtepartnerschaften“ und „Flächen- und Klimaschutz“ profitieren zu können, schlägt der Landrat zudem vor, dass der Kreis Siegen-Wittgenstein Mitglied der LAG 21 wird.