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Rund 1.000 Rückmeldungen bei kreisweiter Busbefragung
Landrat setzt auf breite Unterstützung für Maßnahmen zur Verbesserung des Busangebotes

13.08.2019

Annähernd 1.000 Rückmeldungen mit mehreren tausend Hinweisen hat Landrat Andreas Müller im Rahmen seiner kreisweiten Umfrage zum Busverkehr in Siegen-Wittgenstein erhalten: „Die allermeisten waren äußerst konstruktiv und werden uns auf jeden Fall dabei helfen, das ÖPNV-Angebote im Sinne der Nutzerinnen und Nutzer besser zu machen“, ist Müller überzeugt: „Ich möchte mich bei allen bedanken, die sich die Zeit genommen haben, mir ihre Erfahrungen zu schildern und konkrete Verbesserungsvorschläge zu machen!“ betont der Landrat.

Parallelfahrten mehrerer Linien hinterfragen

Aktuell werden die Mails und Postkarten ausgewertet. In manchen Fällen handelt es sich dabei auch um mehrseitige Briefe. Schon jetzt zeichnen sich aber verschiedene Schwerpunkte ab. So wird z.B. bemängelt, dass in verschiedene Richtungen zwar zwei oder mehr Buslinien verkehren, diese aber immer innerhalb eines kurzen Zeitfensters abfahren und dann lange Zeit kein Bus mehr kommt, etwa in Richtung Eiserfeld. Dort plädieren Fahrgäste eher für einen 20-Minuten-Takt der unterschiedlichen Linien.

15-Minuten-Takt auf der R10

Ein Hauptwunsch sind mehr und besser getaktete Verbindungen zwischen Siegen, Weidenau und Geisweid. Für die R10 wird ein 15-Minuten-Takt angeregt – und Gelenkbusse als Standard. Auf dieser wie auch auf anderen Hauptlinien werden wiederholt grundsätzlich Gelenkbusse eingefordert, um zu vermeiden, dass Fahrgäste wegen Überfüllung an Haltestellen stehen gelassen werden oder Behinderte mit Rollstuhl oder Eltern mit Kinderwagen nicht mehr hinein kommen.

R12 über Flammersbach?

Deutliche Kritik gibt es an der neuen Linienführung der R12 über Flammersbach, die erheblich längere Fahrzeiten mit sich bringt. Hier fordern zahlreiche Schreiber die Wiedereinführung der alten Linienführung und schlagen vor, dass die R13, die ohnehin an Flammersbach vorbeikommt, den Ort mit bedient.

Umsteigezeiten zuweilen zu knapp

Auch Umsteigezeiten sind vielfach Thema: Etwa an der Haltestelle Netphen-Brücke, wo nur 2 Minuten zwischen Ankunft der R16 und der Abfahrt der L163 liegen – in der Praxis nicht zu schaffen, insbesondere weil die R16 oft zu spät kommt, bemängeln Einsender.

Taktverdichtungen

Auf etlichen Linien werden Taktverdichtungen angeregt – etwa ein Stundentakt auf den Schnellbuslinien SB4 Siegen - Burbach und SB5 Siegen - Bad Laasphe. Diese sollen auch am Wochenende verkehren, zumindest im Zwei-Stundentakt.

Zusätzliche Busse statt Taxibusse morgens und abends

Auf einigen Verbindungen wird angeregt, morgens früher wieder einen regulären Bus statt eines Taxibuses einzusetzen, auf anderen besteht der Wunschnach nach weiteren Verbindungen nach 20:00 oder 22:00 Uhr. Dies gilt vor allem freitags und samstags: „um nach Kino und Theater mit dem Bus noch nachhause zu kommen“.

Anschlüsse zwischen Bahn und Bus

Auch die Anschlüsse an den Bahnverkehr werden thematisiert: Etwa wenn Busse in Kreuztal ankommen und der Zug nach Siegen gerade weg ist, mit dem man schneller in der Krönchenstadt sein könnte. Oder abends, wenn die Züge aus Frankfurt und Gießen in Siegen ankommen und alle Busse auf den Hauptlinien gerade den ZOB verlassen haben. „Wobei die Anschlüsse zu den ankommenden Zügen aus Köln wiederum sehr gut passen – was ein Beispiel dafür ist, dass nicht alle Vorschläge eins zu eins umgesetzt werden können, weil wir die Auswirkungen an anderer Stelle immer mit bedenken müssen“, erläutert Müller.

Auch neue Verbindungen gewünscht

Auch einige neue Verbindungen schlagen Einsender vor. Etwa einen Schnellbus von Hilchenbach über Herzhausen, Dreis-Tiefenbach und den Giersberg nach Siegen oder eine UX-Linie von Netphen über Dreis-Tiefenbach zum Adolf-Reichwein-Campus.

Vorschläge von Schaffung einer S-Bahn bis 365-Euro-Jahresticket

Neben konkreten Anregungen zum Busverkehr enthalten manche Zuschriften auch grundsätzliche Hinweise und Anregungen zum ÖPNV: von der Reaktivierung stillgelegter Bahnstrecken und der Schaffung eines S-Bahn-Verkehrs über die Beschleunigung des Busverkehrs in Siegen durch bessere Ampelschaltungen und Busspuren bis hin zur Anzeige der Busse in Echtzeit in ÖPNV-Apps. Auch die Möglichkeit der Kartenzahlung in Bussen, die Schaffung eines 365-Euro-Jahresticket oder sogar der völlig kostenfreie ÖPNV werden angeregt.

Rekommunalisierung des ÖPNV

Zahlreiche Einsender fordern zudem die Rekommunalisierung des Busverkehrs in Siegen-Wittgenstein. „Die Frage, ob der Busverkehr nicht besser wieder vom Kreis mit einem eigenen Unternehmen betrieben werden soll, steht ganz offensichtlich wieder auf der Tagesordnung und bewegt viele Menschen“, betont der Landrat: „Das begrüße ich außerordentlich! Denn in der Vergangenheit sollte der ÖPNV bei uns vor allem eines: kein Geld kosten! Das habe ich schon immer kritisiert. Denn mir geht es seit meinem Amtsantritt um ein gutes Angebot, das eine echte Alternative zum eigenen Auto oder zumindest zum Zweitwagen ist“, betont Andreas Müller: „Deshalb freue ich mich sehr, dass es jetzt erstmals öffentliche Signale aus den Reihen der Bürgermeister gibt, die ein Busunternehmen im Eigentum des Kreises unterstützen. Das ist nicht unwichtig, weil es hier am Ende um Geld gehen wird, das über die Kreisumlage finanziert werden muss.“

Landrat will noch in diesem Jahr Maßnahmenpaket vorlegen

Die Auswertung der ÖPNV-Umfrage soll bis nach der Sommerpause abgeschlossen werden. „Wir schauen uns alle Einsendungen sehr genau an und werden daraus ein Maßnahmenpaket schnüren“, erläutert der Landrat: „Manche Verbesserungen sind wahrscheinlich schon durch kleinere organisatorische Veränderungen sehr zeitnah zu erreichen – das ist zumindest mein erster Eindruck. Andere werde ich in einer Vorlage zusammenfassen, die ich dem Kreistag noch in diesem Jahr zur Beschlussfassung vorlegen möchte.“

Weitere Vorschläge in den nächsten Wochen

Unabhängig davon werde die Entwicklung des ÖPNV in den kommenden Monaten eine wichtige Aufgabe für die Region und ein ganz zentrales Politikfeld bleiben. So haben Bemühungen zur Gewinnung zusätzlicher Busfahrer bereits begonnen. „Wir müssen den ÖPNV attraktiver machen. Dazu gibt es für mich sowohl mit Blick auf den Klimaschutz als auch auf die Lebensqualität der Menschen in Siegen-Wittgenstein überhaupt keine Alternative. Um das zu erreichen ist eine ganze Reihe von Maßnahmen erforderlich. Ich werde in den kommenden Monaten entsprechende Vorschläge unterbreiten und setze darauf, dass diese auf breite Unterstützung treffen werden.“

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