Sprungziele
Inhalt

Theaterlust in Koproduktion mit dem Altonaer Theater Hamburg: - Die Reise der Verlorenen

Datum:

07.11.2021

Uhrzeit:

20:00 Uhr

Ort:
Stadt / Gemeinde:

Siegen

Kontakt:

0271/77027720

Termin exportieren

Schauspiel von Daniel Kehlmannnach dem Buch 'Voyage of the Damned' von Gordon Thomas und Max Morgan-Witts. Im Jahr 1939 gehen 937 Juden in Hamburg an Bord der St. Louis. Sie wollen nach Kuba und von dort weiter in die USA oder andere Länder. Doch der kubanische Präsident verbietet die Einreise. Die HAPAG in Hamburg protestiert. Immerhin wurden an den Minister für Einwanderung, Benitez, horrende Summen für Landegenehmigungen gezahlt. Die erweisen sich nun als illegal und wertlos. Benitez fühlt sich als Protegé von General Batista sicher und rechnet mit der Bestechlichkeit des Präsidenten. Der mächtige Batista verhält sich still. Und der Präsident ist vorsichtig und bleibt hart. Die St. Louis muss den Hafen verlassen. Kapitän Gustav Schröder kämpft um seine Passagiere: Der Hebräischlehrer Aaron Pozner. Nur sein Tagebuch wird ihn überdauern. Der Anwalt Max Loewe mit seiner Frau Elise. Er wird überleben, weil er sterben will. Nach einem Selbstmordversuch landet er sicher im Spital von Havanna. Babette und Fritz Spanier. In festlicher Kleidung betreten sie das Schiff und trotzen den Demütigungen der Flucht. Der Kellner Leo Jockl, der als Jude unerkannt zu bleiben hofft. Otto Bergmann mit seiner eigenwilligen Tante Charlotte. Die Töchter von Fritz Aber, die von ihrem Vater in Havanna erwartet werden. Sie haben gültige Visa im Gepäck. Und der Steward Otto Schiendick, NSDAP-Ortsgruppenleiter auf dem Schiff und deutscher Agent, der die jüdischen Passagiere schikaniert. Er soll in Havanna drei Mikrofilme entgegennehmen. Der Vizedirektor der dortigen HAPAG-Niederlassung Hoffman hat als Leiter der deutschen Abwehr vor Ort starkes Interesse, dass die St. Louis mit dem geheimen Material nach Hamburg zurückkehrt. Die Zeit drängt. Verhandlungen im Hintergrund scheitern an den Forderungen korrupter Mittelsmänner und politischen Zielen. Auch Amerika und Kanada verwehren die Einreise. Niemand auf der Welt will die jüdischen Flüchtlinge haben. Die St. Lous wird nach Hamburg zurückbeordert. Erst als Schröder wider seine Kapitänsehre erwägt, das Schiff vor Sussex auf Grund laufen zu lassen, kommt Hilfe: Einige Länder nehmen eine bestimmte Quote von Juden auf. Über diese Länder bricht der Krieg herein. Die Reise der Verlorenen geht weiter. Die Irrfahrt der St. Louis ist historisch verbürgt. Daniel Kehlmann bringt die Handlung in zeitübergreifender Fiktion auf die Bühne, erwähnt die aktuellen Fluchtdramen mit keiner Silbe. Und dennoch hat man als Zuschauer auch diese Bilder permanent vor Augen. Im Bewusstsein des Ausgangs wird die ganze Geschichte erzählt. Die Figuren treten aus dem Dialog, reflektieren ihren Charakter und verraten ihre Gedanken. Sie spielen mit dem Wissen um ihr Ende. Für die meisten ist es ein schreckliches.