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Datum: 21.05.2021

Dem Riesen-Bärenklau auf der Spur
Zehn Jahre Aktionsprogramm von Kreis und Kommunen

Wer an Bach- und Flussufern von Sieg, Eder, Ferndorf, Odeborn oder Lahn unterwegs war, konnte dort bis zum Ende des letzten Jahrzehnts häufig den Riesen-Bärenklau entdecken. In den letzten zehn Jahren ist die Pflanze in Siegen-Wittgenstein aber deutlich zurückgegangen. Grund dafür ist ein Aktionsprogramm zur Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus, das die Kreisverwaltung gemeinsam mit den Städten und Gemeinden 2011 gestartet hat

Wer an Bach- und Flussufern von Sieg, Eder, Ferndorf, Odeborn oder Lahn unterwegs war, konnte dort bis zum Ende des letzten Jahrzehnts häufig den Riesen-Bärenklau entdecken. In den letzten zehn Jahren ist die Pflanze in Siegen-Wittgenstein aber deutlich zurückgegangen. Grund dafür ist ein Aktionsprogramm zur Bekämpfung des Riesen-Bärenklaus, das die Kreisverwaltung gemeinsam mit den Städten und Gemeinden 2011 gestartet hat.

Im Bereich des Kreisgebietes werden auf einer Gesamtstrecke von 224 Kilometern die Gewässer Lahn, Eder, Odeborn, Weiß, Asdorf, Littfe, Alche, Sieg im Bereich der Stadt Netphen Heller, Puderbach und die Ferndorf im Bereich Kreuztal beidseitig jährlich zweimalig kontrolliert und, falls Riesen-Bärenklau gefunden wird, dieser beseitigt. An vielen Beispielen lässt sich inzwischen eindrucksvoll zeigen, dass selbst anfänglich stark befallene Flächen nach drei bis vier Jahren intensiver Bekämpfung inzwischen mit viel geringerem Aufwand von der sogenannten „Herkulesstaude“ befreit werden können. Von anfänglich rund 22.000 dokumentierten Exemplaren konnte in einem Zeitraum von zehn Jahren die Anzahl auf rund 1.800 Exemplare reduziert und somit auch die mit der Pflanze verbundenen ökologischen und gesundheitlichen Probleme und Risiken minimiert werden.

Der Riesen-Bärenklau bringt nämlich große Probleme mit sich: „Der Pflanzensaft ist phototoxisch, d. h. wenn Pflanzensaft auf die Haut gelangt führt dies in Verbindung mit Licht – vor allem bei Sonnenschein – zu Verbrennungen bis zu dritten Grades. Gelangt der Pflanzensaft in ein Auge, kann das zu schweren Verätzungen führen“, erläutert Dr. Heinz Meyer, Leiter der Unteren Naturschutzbehörde des Kreises. Die Herkulesstaude breitet sich stark aus und ist so „konkurrenzstark“, dass sie heimische Pflanzenbestände an ihren Wuchsorten beeinträchtigt und schließlich verdrängt. An Gewässerufern trägt sie nicht – wie beispielsweise heimische Ufergehölze – zur natürlichen Uferbefestigung bei. Mit ihrer rasanten Ausbreitung verursacht die Pflanze zunehmend ökologische, gesundheitsmedizinische und auch wirtschaftliche Schäden.

Bekämpfungsmaßnahmen sind langwierig

„Dies sind Gründe genug, um Maßnahmen zu ergreifen, die Herkulesstauden-Bestände zurückzudrängen oder deren weitere Ausbreitung einzudämmen. Solche Bekämpfungsmaßnahmen sind allerdings langwierig, zeitaufwändig und damit ebenfalls teuer“, erläutert Dr. Meyer. Die Beseitigung des Riesen-Bärenklaus ist zum einen an den Orten notwendig, an denen Menschen mit der Pflanze in Berührung kommen können, beispielsweise an Bushaltestellen, Schulen oder Kinderspielplätzen. Zum anderen ist die Bekämpfung in naturschutzfachlich besonders wertvollen Bereichen, z.B. Naturschutzgebieten, wichtig. Hierbei werden die Blütendolden, bevor Samen gebildet worden sind und ausfallen, von der Pflanze abgetrennt. Diese werden zunächst in Säcke verpackt und später verbrannt.

Zur Vorbereitung des Aktionsprogrammes hatte die Untere Naturschutzbehörde in den Jahren 2009 und 2010 mit Unterstützung der Städte und Gemeinden, der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein und der Bevölkerung eine Bestandsaufnahme der Herkulesstaudenvorkommen an Fließgewässern im Kreisgebiet durchgeführt.  Seit Anfang des Jahres 2011 besteht ein enger Kontakt mit der Bezirksregierung Arnsberg, der Landwirtschaftskammer NRW und mit den Städten und Gemeinden des Kreises Siegen-Wittgenstein, um die Maßnahmen zur Bekämpfung der Herkulesstaude abzustimmen und zu koordinieren.

Im Laufe der Zeit haben sich die Bekämpfungsmaßnahmen verändert: Erfolgte die Beseitigung zu Beginn durch beauftragte Unternehmen noch mit zugelassenen Herbiziden im „Dochtstreichverfahren“ oder bei Massenbeständen mit einer „Rückenspritze“, so werden heute die wenigen verbliebenen Pflanzen-Exemplare hauptsächlich ausgegraben und anschließend entsorgt.

Land unterstützt Eindämmung der Pflanze

Inzwischen wurde der Pflanze und weiteren sogenannten „invasiven Neophyten“ (Neubürgern) übrigens eine ganze europäische Richtlinie gewidmet und zusätzlich eine Verpflichtung zur Überwachung der Bestände auf Grundlage des Bundesnaturschutzgesetzes vorgesehen. Die Eindämmung des Riesen-Bärenklaus wird daher auch mit Fördermitteln des Landes NRW zu 70 Prozent unterstützt. Insgesamt wurden in den letzten Jahren hier rund 329.000 Euro investiert. Der von der Kreisverwaltung zu tragende Eigenanteil wird aus Ersatzgeldern der Unteren Naturschutzbehörde finanziert.

Jeder kann sich aktiv beteiligen

„Es sollte daher für jeden Einzelnen selbstverständlich sein, Riesen-Bärenklau keinesfalls in den Garten oder in die freie Landschaft zu pflanzen. An der aktiven Bekämpfung der Staude kann sich jeder beteiligen“, betont Dr. Meyer. Jeder einzelne, Grundstückseigentümer, aber auch engagierte Vereine (z.B. Angel- und Heimatvereine), sollten nach den gegebenen Möglichkeiten dazu beitragen, die weitere Ausbreitung zu verhindern bzw. die Pflanze zurückzudrängen.

 

Bei der Bekämpfung sind folgende Aspekte zu beachten:

  • Die beste Zeit zur Bekämpfung der Herkulesstaude ist im Frühjahr nach dem Austrieb der Pflanzen bis ca. Mitte-Ende Mai. Dann sind die austreibenden Pflanzen bzw. Sämlinge noch niedrig und es besteht ein geringeres Risiko, beim Ausgraben der Wurzel mit dem Saft in Berührung zu kommen.
  • Zu Beginn der Blüte muss die gesamte Pflanze abgemäht, zumindest aber die Blütendolde abgetrennt werden. Bei erneutem Blütenansatz ist eine Wiederholung erforderlich, um eine Nachblüte zu verhindern. Die Blüten- und Fruchtstände sind vor der Samenreife zu verbrennen.
  • Unabhängig von der Methode muss nach drei bis vier Wochen unbedingt eine Nachkontrolle und Nachbearbeitung erfolgen, um neue Keimlinge oder Austriebe frühzeitig bekämpfen zu können.
  • Der Wuchsort muss auch in den folgenden Jahren kontrolliert werden, da die Samen bis zu zehn Jahren keimfähig bleiben. Kommt auch nur eine Pflanze wieder zur Samenreife, verlängert sich die Bekämpfungszeit um weitere Jahre.

Folgende (Eigen-)schutzmaßnahmen sollten bei der Bekämpfung unbedingt beachtet werden:

  • Vollständige Bekleidung, Handschuhe und eine Schutzbrille mit seitlichem Schutz um Haut und Augen vor dem Pflanzensaft zu schützen
  • Durchführung der Arbeiten bei bedecktem Himmel oder in den Abendstunden (geringere UV-Strahlung)
  • Möglichst kein Einsatz von Freischneidern (hohe Spritzgefahr)

Weitere Hinweise zu den „Bekämpfungsmaßnahmen“ erhalten Interessierte bei der Unteren Naturschutzbehörde der Kreisverwaltung in Siegen (0271 / 333-1821) oder bei der Biologischen Station Siegen-Wittgenstein in Kreuztal (02723 / 767734-0).

Maßnahmen werden weiter fortgeführt

Die Kartierung der Herkulesstauden-Vorkommen ist eine wichtige Grundlage für die erfolgreiche Planung, Maßnahmendurchführung und Nachkontrolle über die nächsten Jahre. Denn wo einmal Stauden standen, sind Samen im Boden und können über viele Jahre keimen. Die Untere Naturschutzbehörde erfasst daher in einem geographischen Informationssystem regelmäßig die von Bürgerinnen und Bürgern mitgeteilten Vorkommen für eine nachhaltige Bekämpfung dieses Exots an den Fließgewässern.

Dr. Heinz Meyer dazu abschließend: „Die Maßnahmen werden auch in diesem Jahr weiter fortgeführt. Da die Verbreitung der Pflanze hauptsächlich über das Medium Wasser erfolgt, unterstützen wir mit unseren Maßnahmen auch die Bemühungen der angrenzenden Kreise und Unterlieger von Sieg, Eder und Lahn, da die Bekämpfung systematisch nur erfolgreich sein kann, wenn diese Maßnahmen in den Quellregionen und den Oberläufen begonnen und langfristig durchgeführt werden“.