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Datum: 10.01.2022

"BAO Tera"
Landrat verstärkt Kampf gegen Kinder- und Jugendpornografie

Landrat Andreas Müller hat bei der Kreispolizeibehörde eine besondere Organisationseinheit geschaffen, die "BAO Tera", die sich ausschließlich mit der Bekämpfung von Kinder- und Jugendpornografie beschäftigt.

"Wenn Erwachsene Kinder und Jugendliche missbrauchen, um eigene sexuelle Phantasien zu befriedigen, sind das Verbrechen, die mit aller Härte verfolgt und bestraft werden müssen", betont Landrat Andreas Müller: "Hier werden die Seelen von Kindern zerstört. Es entstehen Traumata, die ein ganzes Leben belasten. Umso wichtiger ist es mir, den Tätern ihr grausames Handwerk zu legen und sie zur Rechenschaft zu ziehen."

Vor diesem Hintergrund hat der Landrat als Leiter der Kreispolizeibehörde bereits vor ca. zweieinhalb Monaten die "BAO Tera" gegründet. BAO steht für "Besondere Aufbauorganisation", "Tera" sinnbildlich für eine große Datenmenge.

Die BAO besteht nicht nur aus Kolleginnen und Kollegen der Direktion Kriminalitätsbekämpfung, sondern aus Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern aller Bereiche bzw. Direktionen der Kreispolizeibehörde. Deren Aufgabe: Die Sichtung und Kategorisierung aller aufbereiteten Bild- und Videodateien sowie aller Chats und Sprachnachrichten in den bis dahin aktuellen Kinder- und Jugendpornografieverfahren. Hier waren knapp 140 Terabyte (!) Datenmaterial sichergestellt worden, die nun ausgewertet werden. Bereits kurz nach den schockierenden Fällen von Lügde und Bergisch-Gladbach hatte der Landrat die Zahl der Ermittler in diesem Bereich verdoppelt. Zwischenzeitlich wurde das Personal sogar fast vervierfacht. Mittlerweile sind mehr als 20 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit der Auswertung und Aufbereitung des Materials beschäftigt.

Schon 730 Verdachtsfällen: Erwerb, Besitz und Verschaffen von Kinder- und Jugendpornografie

Nachdem die BAO Tera nun zehn Wochen im Einsatz ist, hat die Kreispolizeibehörde eine erste Bilanz gezogen: Knapp 20 Prozent des Materials wurden bisher ausgewertet, 324 Datenträger aus 71 Verfahren von den Ermittlern gesichtet. "Für das, was sich die Kolleginnen und Kollegen da zum Teil ansehen müssen, braucht man sehr starke Nerven", betont Andreas Müller: "Deshalb bedanke ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen ganz herzlich, die sich freiwillig eingebracht haben, um diese wichtige Aufklärungsarbeit zu leisten." Und die vergangenen zehn Wochen waren durchaus erfolgreich: Durch die neuen Erkenntnisse haben sich Hinweise auf weitere Tatverdächtige ergeben: In mindestens 730 Fällen (!) geht es um den Verdacht des Erwerbs, Besitzes und Verschaffens von Kinder- und Jugendpornografie. Und die Ermittler gehen davon aus, dass zum Schluss die Anzahl von Tatverdächtigen im vierstelligen Bereich liegen wird. Bislang ergaben sich in neun Fällen Anhaltspunkte für sexuellen Missbrauch. In sechzehn Fällen wurden Sachverhalte festgestellt, die den Staatsschutz betreffen.

"Die hohe Zahl der Verdächtigen ergibt sich aus der Art der Delikte, um die es geht", erläutert der Leitende Polizeidirektor Bernd Scholz: "Wenn zum Beispiel in WhatsApp-Gruppen mit bis zu 200 Teilnehmern entsprechende Bilder oder Videos geteilt werden, entsteht zunächst ein Tatverdacht gegen alle Mitglieder der Chatgruppe. Wer entsprechende Darstellungen weiterleitet, macht sich strafbar. Ebenso, und das ist vielen offensichtlich noch immer nicht überall bekannt, steht auch der bloße Besitz von Kinder- und Jugendpornografie unter Strafe. Jedes geteilte Bild oder Video, egal ob versendet oder eben auch nur erhalten, dokumentiert einen realen sexuellen Kindesmissbrauch", so der Abteilungsleiter der Kreispolizeibehörde. In den Ermittlungen geht es dann darum, dem Verdacht des Besitzes oder des Verbreitens nachzugehen.

Darüber hinaus betont Scholz: "Zum jetzigen Zeitpunkt ergeben sich zum Glück keine Hinweise auf akute Gefahren für Kinder und Jugendliche. Das heißt, die bisher gefundenen Bilder, Videos und andere Dateien weisen nicht auf aktuelle Missbrauchshandlungen hin, bei denen sofort eingeschritten werden müsste. Vielmehr geht es aktuell vorrangig um den Besitz und die Verbreitung kinder- und jugendpornografischer Inhalte."

Auch Jugendliche verbreiten kinderpornografische Bilder

Leider wurde bei der Auswertung auch deutlich, dass Kinder und Jugendliche selbst sich zuweilen auch an der Verbreitung solcher Inhalte beteiligen. "Oft ist ihnen nicht bewusst, dass beispielsweise hinter einem im Chat verbreiteten Video ein realer sexueller Kindesmissbrauch stehen kann", bedauert Andreas Müller.

Deshalb betont der Landrat noch einmal, dass Videos und Bilder mit kinder- oder jugendpornografischen Inhalten keinesfalls weitergeleitet werden dürfen. Wer auf solche Bilder stößt oder sie erhält, sollte den Sachverhalt unbedingt unverzüglich vor Löschung der Polizei melden. Wer Mitglied einer Chatgruppe ist, in der solche Inhalte verbreitet werden, sollte die Gruppe außerdem sofort verlassen. Denn dass es sich hier um gravierende Gesetzesverstöße handelt, machen auch die seit 1. Juli verschärften Gesetze deutlich: "Für die Verbreitung, den Erwerb oder den Besitz kinderpornografischer Inhalte sind die Strafen deutlich angehoben worden, sodass die Mehrheit dieser Straftaten nun als Verbrechen eingestuft wird", so Müller.

Jugendamt verstärkt Präventionsarbeit

Für den Landrat ist der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sexualisierter Gewalt eine ganz zentrale Aufgabe. Deshalb möchte er die intensivierte Bearbeitung solcher Delikte auch dauerhaft in die Alltagsarbeit der Polizei integrieren. Zudem wird auch das Jugendamt des Kreises seine Präventionsarbeit im Kampf gegen sexualisierte Gewalt gegen Kinder und Jugendliche verstärken. So wurde eine entsprechende Stelle für diesen Aufgabenbereich im Kreisjugendamt geschaffen. Zudem unterstützt der Kreis die Ärztliche Beratungsstelle an der DRK-Kinderklinik. Die ist eine spezialisierte Beratungsstelle gegen alle Formen von Gewalt an Kindern und Jugendlichen, insbesondere bei Kindesmisshandlung, bei sexuellem Missbrauch und bei Vernachlässigung.

"Um junge Menschen vor sexualisiertem Missbrauch zu schützen, will ich alle Möglichkeiten nutzen, die wir haben: Kreispolizeibehörde, Jugendamt, DRK-Kinderklinik, aber auch Einrichtungen wie 'Mädchen in Not'. Sie alle sind wichtige Bausteine, um dieses Ziel zu erreichen", so Müller: "Und an die Täter möchte ich das unmissverständliche Signal senden: Wer glaubt, unentdeckt zu bleiben, irrt sich! Niemand darf sich sicher fühlen! Wir werden allen Hinweisen nachgehen und die vor Gericht bringen, die sich an Kindern und Jugendlichen vergehen - egal ob in Realität oder im Netz!"