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„Pufferunterkunft“ ist startklar
Bis zu 270 Geflüchtete können im ehemaligen Kredenbacher Krankenhaus untergebracht werden

Die „Pufferunterkunft“ ist betriebsbereit. In Abstimmung mit den Städten und Gemeinden hat der Kreis das ehemalige Krankenhaus in Kredenbach als vorrübergehende Unterkunft für Geflüchtete aus der Ukraine hergerichtet. „Hier können Familien, Frauen, Männer und Kinder so lange menschenwürdig wohnen, bis eine reguläre Unterkunft für sie gefunden worden ist. Mit diesem Gebäude können wir zum aktuellen Zeitpunkt Unterbringungen in Turnhallen oder Zelten vermeiden“, erläutert Landrat Andreas Müller die Idee der „Pufferunterkunft".

Die Diakonie hat dem Kreis drei Etagen in dem ehemaligen Krankenhausgebäude ganz unbürokratisch vermietet – „ein bescheidener Beitrag, den wir in dieser Situation leisten können“, sagt Peter-Thomas Stuberg, Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Siegen. Er wünscht sich, dass das ehemalige Krankenhaus ein Ort der Ruhe, Sicherheit und Geborgenheit für die vielfach traumatisierten und erschöpften Menschen sein wird. Und er betont, wie wichtig es ist, dass in dieser schwierigen Zeit alle ganz eng zusammenarbeiten.

Rund 2.780 Quadratmetern hat der Kreis in dem Krankenhausgebäude angemietet. Alle Zimmer haben eigene Nasszellen. Bis zu 270 Personen können im Regelbetrieb in der Pufferunterkunft untergebracht werden. „Gegebenenfalls können wir aber noch 50 weitere Betten dazustellen – zum Beispiel wenn Familien mehrere Kinder haben“, sagt Kreisbrandmeister Bernd Schneider.

Noch sind keine Bewohner eingezogen. Aber wenn der erste kommt, stehen die Abläufe bereits fest: Vor dem Betreten werden die Geflüchteten auf Corona getestet und anschließend mit Getränken und Essen versorgt. Am Empfang im Gebäude werden dann die Zimmer zugewiesen. Dorthin können sich die Neuankömmlinge zurückziehen, haben Privatsphäre. Die Zimmer haben eigene WCs, Duschen und TV-Geräte – „ukrainisches Fernsehen gibt es aber leider nicht“, bedauert der stellvertretende Kreisbrandmeister Sebastian Reh. Für Verpflegung ist auch gesorgt: Es gibt drei Mahlzeiten am Tag. Am Anfang werden die Malteser die Versorgung übernehmen.

Zudem hat das Kreisgesundheitsamt medizinische Angebote in Kooperation mit den Family Docs und dem MVZ der Diakonie, die beide im gleichen Gebäude angesiedelt sind, organisiert: Körperliche Grunduntersuchungen, Impfungen (z.B. gegen Kinderkrankheiten, insbesondere Masern), aber auch Röntgenuntersuchungen für über 16-Jährige. Denn in der Ukraine ist Tuberkulose weit verbreitet. Diese Angebote gelten auch für Geflüchteten, die nicht in Kredenbach untergebracht sind. Die Städten und Gemeinden organisieren aktuell tägliche Fahrten zu diesen medizinischen Terminen.

Und auch für Haustiere ist gesorgt. Hier kümmert sich das Kreisveterinäramt um ggf. nötige Impfungen. Informationen für Haustierbesitzer in ukrainischer Sprache liegen bereits vor.

Feuerwehr, THW, DRK und Malteser haben das ehemalige Krankenhausgebäude in den letzten Tagen hergerichtet und werden in den ersten Tagen auch den Betrieb organisieren. Tagsüber stehen aktuell 15 Helfer zur Verfügung, nachts vier. Landrat Andreas Müller dankte allen engagierten Unterstützern ganz ausdrücklich: „Hier wird einmal mehr deutlich, dass auf das Ehrenamt Verlass ist, gerade in Krisensituationen!“

Aktuell befinden sich bereits 2.000 Geflüchtete aus der Ukraine in Siegen-Wittgenstein, ungefähr die Hälfte davon in Siegen. Nach Prognosen der Bezirksregierung könnten bis zu 500.000 Kriegsflüchtlinge nach NRW kommen. Siegen-Wittgenstein müsste dann bis zu 8.000 aufnehmen, davon alleine die Stadt Siegen bis zu 3.000. „Mir fehlt die Fantasie, wie das gelingen soll“, sagt Siegens Bürgermeister Steffen Mues. Und der Landrat ergänzt: „Wir wissen nicht, was kommen wird, aber wir versuchen uns darauf vorzubereiten...“

Nach der Pufferunterkunft in Kredenbach könnten weitere Sammelunterkünfte kommen, wenn ein entsprechender Bedarf besteht: „Verschiedene Gebäude in Bad Laasphe, Bad Berleburg oder Burbach sind immer wieder im Gespräch. Wir werden das prüfen und, sollte es tatsächlich nötig werden, in enger Abstimmung mit den Bürgermeistern aktiv werden“, erläutert der Landrat das weitere Vorgehen.

Bereits 2020 hatte der Kreis das ehemalige Krankenhaus in Kredenbach schon einmal reaktiviert – als Ausweichkrankenhaus in der Corona-Pandemie. Damals musste es aber nie in Betrieb genommen werden. Bei der Pufferunterkunft ist das anders, ist Andreas Müller sich sicher: Die wird gebraucht werden! Eigentlich wollte die Stadt Siegen bereits am Dienstag erste Geflüchtete nach Kredenbach bringen. Allerdings konnte für diese Personen kurzfristig regulärer Wohnraum gefunden werden. Doch der ist endlich, konstatieren die Bürgermeister Steffen Mues und Walter Kiß (Kreuztal), Vorsitzender der Bürgermeisterkonferenz, beim Vor-Ort-Termin in Kredenbach. Deshalb sind Pufferlösungen wie die in Kredenbach sinnvoll und eine gute Lösung, sind sich alle Beteiligten einig.