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Datum: 16.11.2021

Kita-Infrastrukturplanung ab 2022:
Moderater Anstieg des Betreuungsbedarfs erwartet

In den kommenden Jahren geht die Kreisverwaltung von einer insgesamt weiter moderat steigenden Nachfrage nach Betreuungsplätzen für Kinder aus, wobei sich die Entwicklung in den einzelnen Kommunen sehr unterschiedlich darstellt.

In den vergangenen zehn Jahren ist die Zahl der Kinderbetreuungsplätze im Bereich des Kreisjugendamtes von 5.419 im Kindergartenjahr 2012/2013 auf 7.260 im laufenden Kindergartenjahr 2021/22 gestiegen. In den kommenden Jahren geht die Kreisverwaltung von einer insgesamt weiter moderat steigenden Nachfrage nach Betreuungsplätzen aus, wobei sich die Entwicklung in den einzelnen Kommunen sehr unterschiedlich darstellt. Das geht aus der aktuellen Infrastrukturplanung für das Kindergartenjahr 2022/2023 hervor, die am 30. November im Jugendhilfeausschuss beraten wird. Um frühzeitige Entwicklungen erkennen zu können, die unter Umständen die Schaffung weiterer Betreuungsplätze erforderlich machen, wurde die Infrastrukturplanung von 2017 jetzt neu fortgeschrieben.

„Wir sind sehr stolz darauf, dass wir als Kreis Siegen-Wittgenstein immer allen Eltern, die ein Betreuungsangebot für ihre Kinder haben wollten, ein entsprechendes Angebot machen konnten. Das wird auch in Zukunft so bleiben“, betont Landrat Andreas Müller: „Die Schaffung von rund 1.840 zusätzlichen Betreuungsplätzen in einem Jahrzehnt war eine Mammutaufgabe. Von diesen Plätzen sind rund 1.500 in Kindertageseinrichtungen geschaffen worden. Das entspricht etwa 100 neuer Gruppen. Eine Vielzahl dieser Gruppen wurde durch die Erweiterungen von vorhandenen Einrichtungen geschaffen, viele aber auch durch den Neubau von Kitas“, betont der Landrat: „Dafür mussten Grundstücke, Bauherren und Träger gefunden werden, was oft nicht leicht war. Am Ende haben wir es aber immer wieder geschafft – und dafür möchte ich mich bei allen bedanken, die dabei mitgezogen haben: vor allem bei den Kommunen, den Investoren und den Kita-Trägern“, sagt Andreas Müller: „Jetzt kommen wir in eine Phase der Konsolidierung, was sich in der aktuellen Infrastrukturplanung widerspiegelt. Deshalb sind über die bereits geplanten Ausbaumaßnahmen hinaus momentan nur noch ganz wenige Baumaßnahmen erforderlich.“

Ganz grundsätzlich handelt es sich bei den Zahlen der Infrastrukturplanung um Prognoserechnungen, denen verschiedene Parameter zugrunde liegen. Ob der Bedarf tatsächlich so hoch sein wird, wie errechnet, wird sich erst mit der nächsten Bedarfsplanung konkretisieren, zumal das tatsächliche Anmeldeverhalten der Eltern im u3-Bereich schwer vorherzusagen ist und in der Vergangenheit immer wieder von den Prognosen abwich.

Sehr unterschiedliche Entwicklung in den zehn Kommunen

In seiner Infrastrukturplanung geht das Kreisjugendamt von folgenden Entwicklungen in den zehn Städten und Gemeinden aus, für die der Kreis Jugendhilfeträger ist:

Für Bad Berleburg rechnet das Kreisjugendamt im kommenden Kitajahr mit relativ konstanten Betreuungszahlen, während im Jahr darauf ein starker Rückgang um 37 Kinder im ü3-Bereich erwartet wird. Im Zentrum von Bad Berleburg wird der Neubau einer 2-gruppigen DRK-Kita geplant.

In Bad Laasphe ist von leicht sinkenden Kinderzahlen auszugehen. Im Bereich Fischelbach/Hesselbach kann aber dennoch ein zusätzlicher Betreuungsbedarf entstehen.

In Burbach steigen die Kinderzahlen – auch perspektivisch – leicht. Im Hickengrund ist die Schaffung von zwei zusätzlichen Gruppen bereits beschlossen. In Burbach selbst könnte ein höherer Bedarf bestehen, der ggf. über Tagesmütter gedeckt werden kann. Auch in Würgendorf könnte ein zusätzlicher Bedarf vorhanden sein.

In Erndtebrück ist von einer leicht sinkenden Kinderzahl auszugehen. Ausbaubedarf besteht im Moment nicht. Mit einer angenommenen Anmeldequote von 88,7 Prozent ist das die höchste u3-Nachfragequote im gesamten Kreisgebiet.

Für Freudenberg wird die Zahl der Kinder im Alter von ein bzw. zwei Jahren um 12 Prozent steigen. Die ü3-Kinderzahlen bleiben relativ konstant. Die aktuell neu entstehende 3-Gruppen-Kita in Lindenberg wird nicht alle u3-Bedarfe abdecken können.

Auch in Hilchenbach geht das Kreisjugendamt rechnerisch für das kommenden Kitajahr von einer steigenden Nachfrage von elf zusätzlichen u3- und neun weiteren ü3-Plätzen aus. Ü3-Plätze fehlen rechnerisch vor allem in Müsen und Vormwald.

In Kreuztal errechnet das Kreisjugendamt einen zusätzlichen Bedarf an 50 u3- und 30 ü3-Plätzen. Im Zentrum und Buschhütten besteht rechnerisch ein Überangebot an u3-Plätzen. Allerdings hat die Kreisverwaltung die Erfahrung gemacht, dass gerade in Kreuztal die tatsächliche Inanspruchnahme von Betreuungsangeboten in der Praxis deutlich unter der ursprünglichen Nachfrage lag.

In Netphen sinken die Kinderzahlen leicht. Trotzdem ist ein zusätzlicher Bedarf an zehn u3- und 18 ü3-Plätzen zu erwarten. Unter anderem ist deshalb zu prüfen, ob die geplante DRK-Kita „Wunderland“ in Deuz nicht drei statt der bisher geplanten zwei Gruppen erhalten kann.

In Neunkirchen geht die Zahl der Kinder zurück. Rechnerisch besteht über die geplante Erweiterung der DRK-Kita Salchendorf hinaus kein weiterer Ausbaubedarf. Eine mögliche Reduzierung der Plätze in der DRK-Kita Altenseelbach sollte von der Entwicklung der tatsächlichen Nachfrage abhängig gemacht werden, so die Empfehlung des Kreisjugendamtes.

In Wilnsdorf besteht rechnerisch kein Ausbaubedarf. Die angenommene u3-Nachfragequote ist in den letzten Jahren mit rund 74 Prozent relativ konstant.

Mit der Vorlage bittet die Verwaltung den Jugendhilfeausschuss um den Auftrag, mit allen an der Bedarfsplanung Beteiligten Gespräche zu führen, um die Schaffung der zusätzlichen Betreuungsangebote auf den Weg zu bringen, wenn sich die errechneten zusätzlichen Plätze in der Bedarfsplanung bestätigen.