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Keine Wohnungsnot, aber angespannter Wohnungsmarkt in Siegen-Wittgenstein
In den nächsten 15 Jahren müssen 6.200 neue Wohnungen gebaut werden

26.09.2019

„In Siegen-Wittgenstein herrscht keine Wohnungsnot. Aber freie Wohnungen stehen nicht in den gewünschten Größen, der gewünschten Ausstattung oder an den richtigen Orten zur Verfügung“, mit diesen Worten fasste Landrat Andreas Müller jetzt die Ergebnisse der Regionalen Wohnungsmarktanalyse zusammen, die jetzt im Siegener Kulturhaus Lÿz vorgestellt wurde. Die Kreisverwaltung hatte das Gutachten bei der Empirica Bonn/AG in Auftrag gegeben. Diplom-Geograph Thomas Abraham präsentierte den Veranstaltungsgästen aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung jetzt die Ergebnisse und gab konkrete Empfehlungen.

In den nächsten 15 Jahren müssen im Kreisgebiet 6.200 neue Wohnungen gebaut werden – überwiegend Wohnungen in Ein- bis Zweifamilienhäusern. Aber auch Wohnungen im Geschoß- oder Mehrfamilienhaussektor werden entstehen müssen. Ein Engpass besteht vor allem bei barrierefreien Wohnungen und Häusern, wohingegen die Fluktuation und leerstehende Gebäude eher nicht dramatisch seien, da ältere Menschen möglichst lange in den eigenen vier Wänden wohnen möchten.

Von den Wohnungsengpässen seien vor allem die Stadt Siegen und die Kommunen Kreuztal, Netphen, Wilnsdorf und Freudenberg betroffen, unterstrich Thomas Abraham. Allerdings müsse man die lokale Situation immer auch in Relation sehen – Im Rheinland sei der Wohnungsmarkt beispielsweise deutlich angespannter als in Siegen-Wittgenstein.

Einfamilienhaus als bevorzugte Wohnform

Weiter kam die Wohnungsmarktanalyse zu den folgenden Ergebnissen: Für Familien ist das Einfamilienhaus die bevorzugte Wohnform. Geflüchtete konkurrieren mit anderen Haushalten mit niedrigem Einkommen um bezahlbaren Wohnraum, wobei einige die Region vermutlich wieder verlassen werden. Eine größere Bleibeperspektive haben Geflüchtete mit Familie und Arbeit.

Wie soll es in Zukunft weitergehen? Altersgerechte Quartiere seien ein kreisweites Thema, wie Thomas Arbraham unterstrich. Außerdem sollten Neubaugebiete stärker durchmischt werden und bestehende Stadt- und Ortsteile stabilisiert werden. Zudem empfiehlt der Gutachter den Städten und Gemeinden, leerstehende Gebäude systematisch zu erfassen, um einen besseren Überblick zu erhalten. Einige Kommunen führen bereits solche „Leerstandskataster“, jedoch nicht alle.


Rechtliche Einschränkungen

Die Ausweisung neuer Baugebiete wird in Siegen-Wittgenstein – der waldreichsten Region Deutschlands – durch verschiedene rechtliche Einschränkungen erschwert, wie Arno Wied, Kreis- Dezernent für Bauen, Umwelt und Wirtschaft, erläuterte: Nach wie vor gilt die Vorgabe des Landesentwicklungsplanes zum sparsamen Umgang mit Flächen. So müssen zum Beispiel Waldflächen erhalten bleiben und dürfen nur in Anspruch genommen werden, wenn der Bedarf nachgewiesen und nicht außerhalb des Waldes realisierbar ist. Dazu kommen in Siegen-Wittgenstein 11.819 Hektar Naturschutzgebiete, 4.657 Hektar Vogelschutzgebiete und 97.883 Hektar Landschaftsschutzgebiete, die nicht bebaut werden dürfen.


Landrat: Kreis wird Städte und Gemeinden unterstützen

Für die Ausweisung von Baugebieten sind die Städte und Gemeinden zuständig. Landrat Andreas Müller machte aber konkrete Vorschläge, wie der Kreis die Kommunen bei der Entwicklung und dem Ausbau des Wohnungsmarktes aktiv unterstützen könne.

Denkbar wäre zum Beispiel ein revolvierender Wohnbauflächenfonds, den der Kreis ins Leben rufen könnte. Auf den können die Kommunen ähnlich wie bei dem seit Jahrzehnten bewährten Gewerbeflächenfonds des Kreises schnell und unkompliziert zugreifen. Damit können dann Grundstücke für Neubaugebiete, Baulücken oder auch notwendige Ausgleichsflächen erworben werden. „Ich werde dem Kreistag vorschlagen, einen solchen Wohnbauflächenfonds schon für das Jahr 2020 mit einem Volumen von zunächst 5 Mill. Euro einzurichten“, so Landrat Andreas Müller.

Eine weitere Möglichkeit wäre ein eigenes Förderprogramm, bei dem Wohnungsbauträger für einen überschaubaren Zeitraum einen Mietkostenzuschuss erhalten, der hilft, Finanzierungslücken im sozialen Wohnungsbau zu schließen. Zudem möchte der Landrat über die Erhöhung des Stammkapitals der KSG nachdenken, um damit die wirtschaftliche Basis zu stärken. Zudem könnten die Aktivitäten der KSG ausgeweitet werden, um die Kommunen bei der Entwicklung des Wohnungsmarktes zu unterstützen oder den Wohnbauflächenfonds zu managen.

Außerdem sagte Landrat Andreas Müller zu, dass die Kreisverwaltung die Aktivitäten zur Information über die Möglichkeiten der Wohnungsbauförderung und die Kommunikation mit den Akteuren auf dem Wohnungsmarkt weiter verstärken werde.

Nicole Reschke, Bürgermeisterin der Stadt Freudenberg, beleuchtete stellvertretend für die Bürgermeister der kreisangehörigen Städte und Gemeinden die Wohnungsmarktanalyse aus kommunaler Sicht. Sie berichtete, dass die Stadt Freudenberg in den letzten zwölf Monaten auch selbst Analysen durchgeführt habe, deren Ergebnisse die Wohnungsmarktstudie des Kreises untermauen.

So gebe es auch in Freudenberg nur wenige Wohnungen, die leer stehen und es müssen dringend Wohnbauland für Familien sowie auch altersgerechte Wohnquartiere geschaffen werden. Die Stadt nehme ihre Planungshoheit in Sachen Wohnungsbau sehr ernst, betonte Nicole Reschke. Man habe durch die Analyse u.a. für jeden der 17 Stadtteile Entwicklungspotentiale aufgezeigt und anschließend eine Priorisierung in kurz-, mittel-, langfristig zu entwickelnde Stadtteile vorgenommen.

Die Bürgermeisterin begrüßte die Vorschläge von Landrat Andreas Müller, einen revolvierenden Wohnbauflächenfonds einzurichten und die KSG zu stärken, da diese ein wichtiger Akteur im Mietwohnungsneubau sei. Außerdem wünsche man sich bei der Baulandentwicklung eine intensive und zielgerichtete Zusammenarbeit der verschiedenen Behörden, die nicht problem-, sondern lösungsorientiert sei.

Die gesamte Wohnungsmarktanalyse finden Sie hier.

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