Kreis legt Pflegebedarfsplanung 2025 vor
Pflegeversorgung im Kreis Siegen-Wittgenstein zukunftsfest aufstellen
„Die Pflegebedarfsplanung ist für uns ein zentrales Steuerungsinstrument. Sie zeigt sehr klar, wo der Bedarf wächst und wo wir heute die richtigen Weichen stellen müssen, damit auch morgen eine verlässliche und wohnortnahe Pflege sichergestellt ist“, betont Landrat Andreas Müller. „Unser Ziel ist es, die Pflegeversorgung im Kreis zukunftsfest aufzustellen und gleichzeitig die Lebensqualität älterer und pflegebedürftiger Menschen zu erhalten.“
Der demografische Wandel wird die Pflegeversorgung im Kreis Siegen-Wittgenstein in den kommenden Jahrzehnten vor erhebliche Herausforderungen stellen – das zeigt die neue Pflegebedarfsplanung der Kreisverwaltung deutlich.
„Die Pflegebedarfsplanung ist für uns ein zentrales Steuerungsinstrument. Sie zeigt sehr klar, wo der Bedarf wächst und wo wir heute die richtigen Weichen stellen müssen, damit auch morgen eine verlässliche und wohnortnahe Pflege sichergestellt ist“, betont Landrat Andreas Müller. „Unser Ziel ist es, die Pflegeversorgung im Kreis zukunftsfest aufzustellen und gleichzeitig die Lebensqualität älterer und pflegebedürftiger Menschen zu erhalten.“
Die Pflegebedarfsplanung wird alle zwei Jahre neu erstellt. Der aktuelle Entwurf wurde am 30. September 2025 mit den kreisangehörigen Städten und Gemeinden abgestimmt und in der Kreistagssitzung am 12. Dezember 2025 verabschiedet.
In den nächsten 25 Jahren wird die Zahl älterer und potenziell pflegebedürftiger Menschen deutlich ansteigen. Prognosen zufolge werden im Jahr 2050 rund 29.100 Menschen im Kreis älter als 80 Jahre sein – etwa 10.000 mehr als noch im Jahr 2023.
Dabei entwickeln sich die Städte und Gemeinden sehr unterschiedlich. Kommunen wie Neunkirchen, Erndtebrück, Hilchenbach, Bad Laasphe und Wilnsdorf müssen bis 2050 mit einem Bevölkerungsrückgang zwischen 15,4 und 18,8 Prozent rechnen. Parallel wächst die Zahl der über 80-Jährigen etwa in Netphen, Burbach und Freudenberg um 69 bis 74 Prozent. Gleichzeitig lebten bereits 2023 mehr als 61.200 Menschen mit Behinderung im Kreis, über die Hälfte davon war älter als 65 Jahre. Auch hier ist künftig mit einem steigenden Pflegebedarf zu rechnen.
Hinzu kommt, dass sich die Zahl der Demenzerkrankten bis 2050 nahezu verdoppeln dürfte. Schon heute melden Pflegeeinrichtungen einen zusätzlichen Bedarf an gerontopsychiatrischen Angeboten.
Im Jahr 2023 wurden im Kreis Siegen-Wittgenstein insgesamt 21.405 Menschen gepflegt – das entspricht 7,74 Prozent der Bevölkerung. Rund 90 Prozent von ihnen wurden zu Hause versorgt, etwa zwei Drittel ausschließlich durch Angehörige. Bis 2028 wird die Zahl der Pflegebedürftigen voraussichtlich auf 23.900 steigen, bis 2050 nach aktuellen Hochrechnungen auf rund 27.500.
Die Angebots- und Bedarfsanalyse der Pflegebedarfsplanung 2025 macht deutlich, dass strukturelle Engpässe drohen – insbesondere in der stationären Kurzzeit- und Langzeitpflege aber auch in der ambulanten Versorgung durch Pflegedienste. Rückmeldungen der Dienste ergaben zudem Hinweise auf Altersarmut. Hauswirtschaftliche Hilfen können perspektivisch die Nachfrage nicht flächendeckend bedienen, Entlastungsdienste berichten zunehmend von Vereinsamung ihrer Kundinnen und Kunden.
Während das Angebot an Tagespflegeplätzen sowie die Palliativversorgung derzeit insgesamt als bedarfsdeckend eingeschätzt werden, fehlen unter anderem im Raum Wittgenstein zunehmend wohnortnahe Angebote. Der anhaltende Personalmangel bleibt dabei ein entscheidender limitierender Faktor für die Sicherstellung der Pflegeversorgung. Die Kreisverwaltung leistet mit der erfolgreichen Etablierung der internationalen Pflegeschule einen Beitrag zur Bekämpfung des Personalmangels.
Eine zentrale Empfehlung der Pflegebedarfsplanung 2025 ist deshalb, neben dem weiteren Ausbau von Angeboten verstärkt präventive Ansätze auszuweiten. Ziel ist es, die Gesundheit der alternden Bevölkerung zu erhalten und so Pflegebedürftigkeit möglichst lange hinauszuzögern oder zu vermeiden. Dazu empfiehlt die Pflegebedarfsplanung Präventionsaktivitäten kreisweit strukturiert auszubauen sowie den Zugang zu Beratung und Information zu verbessern. Gleichzeitig wird empfohlen, alternative ambulante Versorgungsformen und Wohnkonzepte zu fördern und teil- sowie vollstationäre Kapazitäten weiterzuentwickeln.
Auf Basis der Beratungen zur Pflegebedarfsplanung hat die Kommunale Konferenz Gesundheit, Alter und Pflege ergänzend konkrete Handlungsempfehlungen beschlossen. Dazu zählen unter anderem der Auf- und Ausbau quartiersbezogener „Kümmerer-Strukturen“ und sorgender Gemeinschaften, die Stärkung betrieblicher Prävention zur besseren Vereinbarkeit von Pflege und Beruf sowie die Entwicklung altersfreundlicher und barrierefreier Quartiere. Darüber hinaus sollen Maßnahmen zur Stärkung der Gesundheitskompetenz ausgebaut, die Bekanntheit von Beratungsstellen erhöht und deren Angebote erweitert werden. Auch die stärkere Vernetzung von Vereinen als zentrale Akteure für generationenübergreifende Bewegungs-, Sport- und Gemeinschaftsangebote wird empfohlen.
Mit der Pflegebedarfsplanung 2025 legt der Kreis Siegen-Wittgenstein eine wichtige Handlungsgrundlage vor, um die Pflegeversorgung langfristig zu sichern und die Lebensqualität älterer und pflegebedürftiger Menschen im Kreis zu erhalten