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Datum: 13.01.2023

Jugendliche führen durch Anne Frank-Ausstellung
Stellvertretende Landrätin: „Ihr seid wichtige Botschafter!“

25 Schülerinnen und Schüler aus Siegen-Wittgenstein werden aktuell zu Peer Guides ausgebildet, um bei „Deine Anne“ in Siegen-Wittgenstein zum Einsatz zu kommen. Eine Anmeldung als Peer Guide ist immer noch möglich.

Die Peer Guides sind zwischen 15 und 18 Jahre alt. Also ungefähr in dem Alter, in dem auch Anne Frank war, als sie im KZ Bergen-Belsen starb. Und das ist kein Zufall, sondern Teil des Konzeptes der Wanderausstellung „Deine Anne. Ein Mädchen schreibt Geschichte“.

Die Ausstellung behandelt die Lebensgeschichte von Anne Frank und darüber hinaus Themen wie Antisemitismus, Rassismus, Gleichberechtigung und Demokratie. Eine Besonderheit: Jugendliche werden im Vorfeld zu sogenannten „Peer Guides“ ausgebildet und führen durch die Ausstellungsräume. Das Wort „peer“ kommt aus dem Englischen und bedeutet etwa „der oder die Gleichaltrige“. Die Idee hinter der Peer Education ist, dass Jugendliche mit anderen jugendlichen Besucherinnen und Besuchern der Ausstellung auf Augenhöhe und in ihrer eigenen Sprache kommunizieren.

Start am 3. März 2023

25 Schülerinnen und Schüler aus Siegen-Wittgenstein werden aktuell zu Peer Guides ausgebildet, um bei „Deine Anne“ in Siegen-Wittgenstein zum Einsatz zu kommen. Jetzt sind sie zum Kick Off-Termin im Vorfeld der Ausstellung, die am 3. März im Kundenzentrum Morleystraße der Sparkasse Siegen startet, zusammengekommen.

„Ihr seid wichtige Botschafter“, sagt die stellvertretende Landrätin Ursula Belz, bei dem Treffen mit den Peer Guides und Schirmherren. „Spaß macht es nicht, sich mit der Shoah auseinanderzusetzen, es kostet Kraft und erfordert Mut. Und gleichzeitig ist es so wichtig! Es waren Mitbürger, die die Lunte anzündeten und die Gotteshäuser anderer haben in Flammen aufgehen lassen. Und es waren da die Menschen, die wegschauten, als all dies vor ihren Augen und Ohren getan wurde.“

Die Peer Guides besuchen neun Schulen in Siegen-Wittgenstein und haben sich bereits bei einem Ausbildungswochenende kennengelernt. Ab dem 3. März werden sie dann immer zu zweit Besuchergruppen durch die Ausstellung begleiten.

Ausstellung mit Gegenwartsbezug 

Die Motivation, Teil der Ausstellung zu sein, ist bei allen Peer Guides ähnlich. „Im Unterricht haben wir das Tagebuch der Anne Frank nicht besprochen“, sagt etwa der 18-jährige Robin Münker, der das Siegener Gymnasium Am Löhrtor besucht. „Natürlich wurde die NS-Zeit im Unterricht behandelt, aber nicht sehr detailliert – die Opfer sind zu Zahlen und Statistiken geworden. Während der Schulung zum Peer Guide habe ich noch viel mehr ein Gefühl für das individuelle Leid bekommen.“

Auch Lara Brandt (17), Schülerin an der Bertha-von-Suttner-Gesamtschule Siegen, gefällt das Konzept der Peer Education: „Wenn ich mit Freunden über Geschichte spreche, bleibt bei mir oft mehr hängen, als wenn ich es im Unterricht höre.“

Die 15-jährige Hannah Fuchs vom Evangelischen Gymnasium in Siegen-Weidenau bringt den Gegenwartsbezug der Anne Frank-Ausstellung auf den Punkt: „Es ist ja nicht so, als liefe heute alles perfekt! Es gibt immer noch Diskriminierung.“

Die stellvertretende Bürgermeisterin der Stadt Siegen, Angela Jung, lobt den Einsatz der Peer Guides. „Ihr rückt die Lebensgeschichte von Anne Frank in den richtigen Kontext und zeigt den Bezug und Parallelen zu heute“, sagt sie. „Mein Vater musste mit 17 Jahren noch in den Krieg ziehen. Das prägt eine Familie und deswegen ist es für mich auch ein sehr persönliches Thema. Man fragt sich immer wieder: Wie konnte so etwas passieren? Es besteht immer und zu jeder Zeit die Notwendigkeit, Stellung zu beziehen.“

Auch Andreas Dreker, Vertriebsdirektor Privatkunden bei der Sparkasse Siegen, stellt die Wichtigkeit der Aufgaben der Peer Guides in einen aktuellen Bezug: „Was aktuell im Iran oder China passiert oder in der Ukraine, direkt vor unserer Haustür quasi, das zeigt uns wie dringend es ist, sich mit diesen Themen auseinanderzusetzen“, sagt er. „Ich finde es vorbildlich und beeindruckend, dass ihr Peer Guides euch mit diesem schweren Thema auseinandersetzt.“