Januar
10. Januar 2012
Enormes Interesse am 1. WindForum Südwestfalen im Kulturhaus Lÿz
Minister Johannes Remmel: „Wir haben ein bis eineinhalb Generationen Zeit, die Klimakatastrophe zu verhindern.“
„Die Windenergie ist ein zentraler Pfeiler der Energiewende, auch in Südwestfalen. Allerdings muss der Ausbau planvoll geschehen, um Wildwuchs zu verhindern.“ – In diesen beiden zentralen Punkten herrschte große Übereinstimmung bei allen Teilnehmern des 1. WindForums Südwestfalen, zu dem der Kreis Siegen-Wittgenstein jetzt eingeladen hatte. Rund 300 Teilnehmer aus Politik und Verwaltungen, v
on Umweltverbänden, Forstverwaltung und Waldbesitzern sowie interessierte Bürger nahmen an der Veranstaltung im Kulturhaus Lÿz teil.
Landrat Paul Breuer machte zunächst deutlich, dass Siegen-Wittgenstein im Bereich der erneuerbaren Energien frühzeitig aktiv geworden sei. Gemeinsam mit RWE habe man das Biomasseheizkraftwerk mit der Pelletfabrik im Industriepark Wittgenstein entwickelt. Das Biomasseheizkraftwerk produziert rund 38.000 MWh Elektrizität im Jahr. Damit können die drei Wittgensteiner Kommunen komplett versorgt werden. Durch die produzierten Pellets werden rund 50 Millionen Liter Öl ersetzt. Beide Anlagen zusammen ergeben eine CO2-Einsparung von rund 150.000 Tonnen jährlich.
Generell gelte, so der Landrat, dass jede nicht verbrauchte Kilowattstunde Strom auch nicht erzeugt werden müsse. Deshalb plädiert er für Energieeinsparungen und eine höhere energetische Effizienz. Dabei müsse jeder in seinem Bereich aktiv werden.
Die Zuständigkeit für die Genehmigung von Standorten für Windkraftanlagen liege bei den Städten und Gemeinden, unterstrich der Landrat. Gleichzeitig plädierte er für eine enge Kooperation der Kommunen mit ihren Nachbarn innerhalb des Kreisgebietes aber auch jenseits der Kreis- und Landesgrenzen. Den Kreis sieht der Landrat in diesem Prozess als Moderator und Koordinator.
NRW-Umweltminister Johannes Remmel machte in seinem Vortrag zur neuen Klimaschutzpolitik des Landes deutlich, dass ein schnelles Umsteuern nötig sei, wenn die Menschheit verhindern wolle, dass sich das Klima um mehr als 2 Grad erwärme. „In den nächsten ein bis eineinhalb Generationen muss der CO2-Ausstoss radikal eingedämmt werden, damit aus dem Klimawandel keine Klimakatastrophe wird“, so Remmel. Deshalb will die Landesregierung den CO2-Ausstoss in NRW bis 2050 um 80 Prozent senken. Auf dem Weg dorthin soll der Anteil der Windenergie von heute drei Prozent bis 2020 auf 15 Prozent steigen.
"In drei Foren mit jeweils zwei Fachvorträgen beschäftigten sich die Teilnehmer mit dem neuen Windenergieerlass der Landesregierung, Bürgerenergieanlagen, den Potentialen der Windenergie in Südwestfalen, dem Repowering von vorhandenen Anlagen, der Windkraft im Wald und den Auswirkungen von Windkraftanlagen auf den Tourismus.
Der Tourismus war auch Thema in der abschließenden Podiumsdiskussion, an der Dr. Phillip Fest vom Umweltministerium des Landes, Bürgermeister Christoph Ewers (Burbach), die Vorsitzende des NABU Siegen-Wittgenstein Helga Düben, Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack (project m, Trier), Diethard Altrogge (Leiter Regionalforstamt Siegen-Wittgenstein) und Landrat Paul Breuer teilnahmen.
Prof. Quack stellte Studien vor, die belegen, dass die Akzeptanz von Windkraftanlagen in der Natur zunehme, je jünger befragte Urlauber sind. Insbesondere Urlauber über 60 Jahre könnten sich von Windrädern gestört fühlen, allerdings auch nur in weit geringerem Maße als zum Beispiel durch Kohlekraftwerke. Gleichzeitig werden viele einzelne Windräder als störender empfunden als mehrere Windkraftanlagen, die an einem Standort konzentriert werden.
Diethard Altrogge machte deutlich, dass es Windkraftanlagen im Wald bereits heute gebe und auch künftig geben werde, allerdings nur an wenigen dafür geeigneten Stellen, vor allem im Nutzwald. „Nur das wenigste, was heute diskutiert wird, wird am Ende auch realisiert werden“, so Altrogge. Ihm ist es auch wichtig, bei allen wirtschaftlichen Überlegungen, die Wirkung von unberührten Wäldern auf die Seele des Menschen nicht zu vergessen.
Helga Düben plädierte nachdrücklich für eine Regionalplanung, die den Städten und Gemeinden klare Vorgaben mache, wo Windräder gebaut werden dürfen und wo nicht. Solch eine Planung ist derzeit bei der Bezirksregierung in Arbeit, wurde in der Diskussion deutlich. Allerdings werde sie den Städten und Gemeinden dennoch eigene Spielräume belassen.
Und so bekräftigte Bürgermeister Christoph Ewers noch einmal die Planungshoheit der Städte und Gemeinden, mit der auch verantwortungsbewusst umgegangen werde. Auch wenn es derzeit eine Art Goldgräberstimmung gebe, sind die Kommunen schon heute an einen bestehenden Rechtsrahmen gebunden, machte Landrat Paul Breuer noch einmal deutlich: „Wild West“ könne und werde es nicht geben. Darüber hinaus brauche eine Kommune auch einen Grundkonsens in der Bevölkerung, wenn Windkraftanlagen errichtet werden sollen. Eine schnelle Energiewende erhalte man nicht durch Hektik, sondern nur durch ein planvolles Vorgehen.
Bildergalerie: WindForum Südwestfalen
Präsentationen aus den Foren zum Download:
Dr. Philip Fest, Ministerium für Klimaschutz, Umwelt, Landwirtschaft, Natur- und V erbraucherschutz NRW: "Der neue Windenergie-Erlass und der Ausbau der Windenergienutzung in Nordrhein-Westfalen
Dr. Katrin Gehles, EnergieAgentur NRW: Bürgerenergieanlagen für den Klimaschutz - Modelle der finanziellen Beteiligung von Bürgern an Anlagen zur Nutzung erneuerbarer Energien
Jan Dobertin, Geschäftsführer der Landesarbeitsgemeinschaft Erneuerbarer Energien NRW: Die Potentiale der Windenergie in Südwestfalen
Wiebke Abeling, Kommunale Umwelt-Aktion, Hannover: Repowering - Steigerung der Energieeffizienz
Diethard Altrogge, Leiter Forstamt Siegen-Wittgenstein: Windkraftanlagen in Wald - um jeden Preis?!
Prof. Dr. Heinz-Dieter Quack, project m, Trier: Windkraft oder Tourismus? Über tatsächliche und vermeintliche Probleme der Windkraft in Erholungsräumen
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