Kreis Siegen-Wittgenstein


April

9. April 2009

Kreis: Unbewirtschaftete Landwirtschaftsflächen dürfen nicht geflämmt werden
Brachflächen und Feldraine sind wichtige Lebensräume für Tiere und Pflanzen

Brachflächen und unbewirtschaftete Feldraine sind, so die landläufige Meinung, ungepflegte wertlose Landwirtschaftsflächen, auf denen der Besitzer seinen Pflege- und Nachbarschaftsverpflichtungen nicht nachkommt. Dabei sind gerade diese naturbelassenen Flächen unter ökologischen Gesichtspunkten besonders wertvoll. Darauf weist die Untere Landschaftsbehörde des Kreises Siegen-Wittgenstein aus aktuellem Anlass jetzt noch einmal hin, denn in den letzten Tagen musste wiederholt festgestellt werden, dass solch unbewirtschaftete Grundstücke abgeflämmt wurden.

Feldrainen, Böschungen und nicht bewirtschaftete Flächen an Straßen- und Wegrändern sind Nist-, Brut, Wohn- und Zufluchtstätten für viele Tiere. Sie stehen unter dem Schutz des Landschaftsgesetzes. Das verbietet, Bodendecken abzubrennen, zu beschädigen, zu vernichten oder mit chemischen Mitteln niedrig zu halten.

Straßen- und Wegränder, Böschungen und Feldraine, Öd- und Brachflächen, aber auch die Krautsäume am Fuß von Gebüschen und Waldrändern sind wichtige Lebensstätten für viele Pflanzen und Tiere. „Wenn sich an den Straßenrändern und Feldrainen die so genannten Unkräuter wieder ausbreiten dürfen, ist das manchen aus ästhetischen Gründen vielleicht ein Dorn im Auge. Jeder sollte aber bedenken, dass neben dem schönen Anblick von blühenden Margeriten, Johanniskraut, Glockenblumen und anderen Kräutern die so genannten Saumbiotope und Brachflächen ökologisch äußert bedeutsam sind", sagt Dr. Heinz Meyer, Leiter der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises.

Besonders zur Hauptblütezeit im Juni und Juli kann eine sehr vielfältige Fauna mit ca. 3.000 verschiedenen Arten und vielen Blütenbesuchern aus angrenzenden Lebensräumen nachgewiesen werden. Neben unzähligen Insekten kommen dort auch Vögel, Amphibien und Säugetiere vor. Häufig sind diese Flächen, insbesondere wenn im Umfeld eine intensive landwirtschaftliche Nutzung stattfindet, Einstandsgebiete für Rehwild und wichtiger Rückzugsraum für die Rehkitze. Gleichzeitig übernehmen Brachflächen, Feldraine und Böschungen eine wichtige Aufgabe für den Biotopverbund von Lebensräumen.

Insbesondere sind die Brachflächen durch die ganzjährig geschlossene strukturreiche Krautschicht, durch abgestorbene Pflanzenstängel als Überwinterungsquartier für Insekten und durch einen besonderen Blütenreichtum gekennzeichnet. „500 bis 700 Tierarten, davon etwa 100 Vogelarten, leben an und von oberirdischen Pflanzenteilen der Brachflächen", so Dr. Meyer. Sehr wichtig seien derartige Flächen auch für das Mauswiesel und die Schmetterlingsfauna, z.B. für den Mädesüß-Perlmuttfalter.

Weniger oder keine Pflege ist also nicht gleichzusetzen mit Unordnung und Nachlässigkeit des Besitzers, sondern bedeutet auch Rücksichtnahme auf Tier- und Pflanzenwelt. „Denn nicht alles muss ‚strack’ oder akkurat gepflegt sein, um einen Wert zu haben", unterstreicht Dr. Meyer: „Wer einmal das hochsommerliche Zirpen der Grashüpfer und Heuschrecken auf unbewirtschafteten Brachflächen und Feldrainen erfahren hat, der verbindet mit Brachflächen auch akustisch und visuell eine Bereicherung des Landschaftsbildes und der Landschaftswahrnehmung."

Für weitergehende Fragen steht Michael Gertz von der Unteren Landschaftsbehörde des Kreises zur Verfügung, Telefon: 0271 333-1839, E-mail: ulb@siegen-wittgenstein.de.



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