Februar
10. Februar 2009
„Leben heißt handeln!“
Fast 500 Teilnehmer verfolgen Veranstaltung zum Ehrenamt in Siegen
Beinahe 500 Teilnehmer waren zu Gast bei der Veranstaltung „Leben heißt handeln!“ im Rahmen der Zukunftskonferenz Siegen-Wittgenstein im Leonhard Gläser-Saal der Siegerlandhalle. Der Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, ließ es sich nicht nehmen, persönlich dabei zu sein, als die Bürgermeister die ersten Ehrenamtskarten in Siegen-Wittgenstein an 65 aktive Ehrenamtler aus dem Kreisgebiet übergaben.
Siegen-Wittgenstein ist landesweit der erste Kreis, der diese Form der Würdigung für das Ehrenamt gemeinsam mit den elf Städten und Gemeinden flächendeckend einführt. Mit der Karte gehen Vergünstigungen einher, die denjenigen, die sich in besonderer Weise für die Gesellschaft einsetzen, zu Gute kommen. Siegens Stadträtin Birgitta Radermacher nannte hierfür Beispiele im Stadtgebiet Siegen, darunter der um die Hälfte reduzierte Eintritt in städtische Hallen- und Freibäder oder der kostenlose Besuch des Siegerlandmuseums. Der Vorsitzende der Bürgermeisterkonferenz, Bürgermeister Christoph Ewers, betonte die breite Unterstützung der Ehrenamtskarte durch die Bürgermeister, ohne die deren Einführung kaum möglich gewesen wäre. Minister Laschet lobte die vorbildliche Arbeit zur Unterstützung des Ehrenamtes und hob dessen gesellschaftliche Bedeutung hervor.
Ehrenamt bedeutet Einsatz für Mitmenschen
„Ehrenamtliches und bürgerschaftliches Handeln ist kein Selbstzweck“, betonte Landrat Breuer mit Blick auf den Titel der Veranstaltung, „sondern zielgerichtet. Es kommt bei den Mitmenschen an und macht unsere Gesellschaft lebenswerter.“ Eindrucksvoll untermauert wurde diese Aussage durch den Auftritt der „Tour der Hoffnung“ zu Beginn der Veranstaltung. Mit dabei unter anderem: Peter Hussing, ehemaliger deutscher Amateur-Schwergesichtsboxer aus Brachbach. Die Spenden der Benefizläufe im Rahmen der Tour der Hoffnung helfen krebskranken Kindern. Besonders bewegt zeigten sich viele Zuschauer von dem Bericht der jungen Kristin Schade, die ihr Krebsleiden erfolgreich bewältigt hat und nun anderen jungen Krebspatienten durch eigene Lieder und Gedichte Mut macht.
Mehr als jeder Dritte in Siegen-Wittgenstein ist ehrenamtlich aktiv. Was diese Menschen auszeichne, sei ihre Bereitschaft „anzupacken“, „mitzumischen“ und das eigene Umfeld eigenverantwortlich mitzugestalten, so Landrat Breuer in seiner Einführung. Ehrenamt sei daher im weiteren Sinne als bürgerschaftliches Engagement zu verstehen: „Wir stehen in unseren Dörfern und Ortschaften, Städten und Gemeinden, vor großen Herausforderungen, die wir nur gemeinsam bewältigen können. Wir selber, wir Menschen, haben es in der Hand!“ Aus diesem Grund werbe der Kreis seit einigen Monaten mit der Kernaussage „Die Menschen sind unser Kapital.“
Im Zentrum des zweiten Teils der Veranstaltung stand die Diskussion über bestehende Probleme für das Ehrenamt und die Chancen und Perspektiven bürgerschaftlichen Engagements in Siegen-Wittgenstein. Für sportliche Impulse sorgte dabei der Kapitän der ersten Handballmannschaft des TUS Ferndorf, Nils Hambloch. Im Gespräch mit Moderatorin Beate Schmies erläuterte der Kreuztaler, wie die sportlichen Erfolgsfaktoren sich unterstützend für das bürgerschaftliche Engagement auswirken können. Die Bereitschaft Verantwortung zu übernehmen und „im Team“ zu spielen, seien dabei von großer Bedeutung.
Hans-Peter Langer vom Kreis Siegen-Wittgenstein präsentierte mit dem Ehrenamtservice des Kreises eine bereits bewährte Einrichtung zur konsequenten Unterstützung ehrenamtlicher Aktivitäten in der Region, die Landrat Breuer 2004 bewusst in seinem Büro angesiedelt habe. An zentraler Stelle wird hier nicht nur informiert und beraten, sondern auch ein umfangreiches, hochklassiges und für ehrenamtlich Aktive kostenfreies Schulungsprogramm angeboten. Außerdem verleiht der Landrat regelmäßig Ehrenamtspreise zu Würdigung vorbildlicher Nachwuchsarbeit. Einer der Gewinner des Ehrenamtspreises „Pro Chor!“, der Kinder- und Jugendchor Siegen-Süd, bildete übrigens den musikalischen Rahmen der Veranstaltung im Leonhard Gläser-Saal. Gemeinsam mit dem Ehrenamt und in Zusammenarbeit mit den Städten und Gemeinden werde man die Strukturen weiterentwickeln, um ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement in der Region auch künftig zu stärken, so Langer.
Ehrenamtliche berichteten aus ihrem Alltag
Vor der anschließenden offenen Diskussion zu den Chancen und Perspektiven des Ehrenamtes berichteten junge und erwachsene Ehrenamtler aus verschiedensten Tätigkeitsfeldern über ihren Alltag und ihre Erfahrungen. Wolfgang Grund, erster Vorsitzender von Rumilingene - 1200 Raumland e.V., gab einen Einblick in die vielfältigen Aktivitäten zur Umfeldgestaltung des Vereins in Raumland und Umgebung. Rüdiger Honig aus Deuz berichtete über den Erhalt des Naturfreibades Deuz durch das Ehrenamt und auch Achim Walder beleuchtete als erster Vorsitzender des Vereins Kreuztaler Bürgerbus über ein Angebot, das ohne Ehrenamt nicht möglich wäre.
Dass bürgerschaftliches Engagement auch ein Thema für junge Menschen ist, zeigte das Beispiel der Burbacher Realschülerinnen Annabell David und Laura Koschate, die sich beide mit Herz und Seele als Streitschlichterinnen engagieren. Auch für die Siegenerinnen Ann-Kathrin Grothe und Sofia Sboui ist der freiwillige Einsatz für die Gesellschaft „Ehrensache“: Gemeinsam arbeiten sie beim kriminalpädagogischen Präventionsprojekt mit, in dem Schüler in Absprache mit der Staatsanwaltschaft Sanktionen für straffällig gewordene Mitschüler verhängen können.
Und auch für die Wissenschaft ist das Thema ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement ein hochinteressantes Betätigungsfeld: „Berg trifft Berg“ lautet der Arbeitstitel eines Projektes des Fachbereiches Politikwissenschaften der Universität Siegen, das Prof. Dr. Jürgen Bellers vorstellte. Schon in den nächsten Wochen sollen Menschen aus unterschiedlichen Siegener Stadtvierteln (Fischbacherberg, Wellersberg) zusammengebracht werden, um mit ehrenamtlicher Kraft den eigenen Lebensraum zu verbessern. Es ist vorgesehen, das Projekt in den nächsten Monaten in anderen Kommunen in ähnlicher Konstellation fortzuführen.
Genügend Impulse also für eine spannende Podiumsdiskussion, an der sich neben Landrat Paul Breuer, Bürgermeister Christoph Ewers, Stadträtin Birgitta Radermacher und Kreissozialdezernent Helmut Kneppe auch Ejot-Geschäftsführer Winfried Schwarz, der Koordinator des Mehrgenerationenhauses Siegen, Yasir Datli, der Kreisvorsitzende des Fußball- und Leichtathletikverbandes, Jürgen Böcking, Helmut Peter vom Seniorenbeirat der Stadt Siegen sowie der stellvertretende Kreisbrandmeister Uwe Saßmannshausen beteiligten. Kernpunkte waren hier bestehende Probleme, etwa im Konfliktfeld Arbeitgeber/Ehrenamt, aber auch Möglichkeiten, Menschen stärker für ein bürgerschaftliches Engagement zu begeistern.
Die Ergebnisse der Diskussion werden nun gebündelt und für die weitere inhaltliche Arbeit der Zukunftskonferenz aufbereitet. Wer an der Fortentwicklung von Strukturen und der Erarbeitung neuer Ansätze zur Unterstützung des Ehrenamtes mitwirken möchte, kann sich an den Ehrenamtservice des Kreises Siegen-Wittgenstein wenden:
Yvonne Partmann, Tel. 0271 333-2310, E-Mail: zukunftskonferenz@siegen-wittgenstein.de . Außerdem wurde im Internet ein Online-Forum zu diesem Thema eingerichtet, in dem Anregungen und Ideen hinterlassen und diskutiert werden können.
Die Veranstaltung ist Teil einer Ehrenamtsoffensive, mit der der Kreis für ehrenamtliches und bürgerschaftliches Engagement wirbt und noch weitere Menschen ermutigen will, sich mit einem freiwilligen Beitrag für das Gemeinwesen einzusetzen. „Ein solches Engagement ist weniger eine Beeinträchtigung als vielmehr eine starke Bereicherung des eigenen Lebensstils“, betont in diesem Zusammenhang Landrat Breuer. Erst vor wenigen Wochen hatte der Kreis in einem Magazin, das an alle Haushalte in Siegen-Wittgenstein versandt wurde, für das Ehrenamt und das neue Angebot der Ehrenamtskarte geworben.
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