Juli
1. Juli 2008 Stechende Schönheit mit gesenktem Haupt:
„Nickende Distel“ Blume des Jahres 2008
Mit der Nickenden Distel (Carduus nutans) wurde von der Stiftung Natur und der Stiftung Loki Schmidt eine Wildpflanze zur Blume des Jahres 2008 gewählt, die erst beim näheren Betrachten wirkliche Freunde findet. Denn Disteln sind nicht Jedermanns Sache. Zu den wenigen Ausnahmen gehören Silber- und Standdistel oder die jetzt gekrönte Nickende Distel, eine stechende Schönheit mit gesenktem Haupt.
Die Nickende Distel gehört zur großen Familie der Korbblütler und ist zweijährig: im ersten Lebensjahr entwickelt sie lediglich eine Blattrosette und erst im zweiten Jahr wächst dann ein 50 bis 100 Zentimeter langer Spross empor und die Pflanze blüht. Der erst im Hochsommer erscheinende, leicht überhängende Blütenstand – daher auch der Name dieser Distel - hat einen Durchmesser von bis zu sechs Zentimetern und besteht aus rund hundert purpurnen Einzelblüten. Ihnen entströmt ein süßlicher, leicht moschusartiger Geruch. Früher wurde die Pflanze daher auch Bisam-Distel genannt. Carduus nutans ist mit Schwerpunkt in Süd- und Westdeutschland sowie auf sehr warmen und basen- oder kalkhaltigen Böden anzutreffen. Im Siegerland und Wittgensteiner Bergland wächst sie außer in Wildblumengärten einiger Naturfreunde nur ganz vereinzelt an Talhängen der Unterläufe von Lahn, Eder und Sieg, und zwar an Wegrändern, Böschungen, Heckensäumen und Trockenmauern oder auf mageren Viehweiden.
Disteln sind nicht nur Nahrungshabitat der Raupen des Distelfalters, sondern auch Nektartheken für zahlreiche Falter, darunter Feuriger und Großer Perlmuttfalterfalter, Schwalbenschwanz und weitere Fleckenfalter. Natürlich werden Disteln gerne auch von Vögeln wie etwa dem Stieglitz aufgesucht und bilden ein Futterreservoir für weitere körnerfressende Vögel auf ihrem herbstlichen Zug in den Süden.
Disteln und insbesondere die Nickende Distel sind eine besondere Bienen- und Hummelweide. Kürzlich konnte Peter Fasel von der Biologischen Station Rothaargebirge an der Nickenden Distel im nördlichen Dill-Westerwald sogar die Wildbiene „Halictus scabiosae“ nachweisen. Bis vor 10 Jahren war diese schön gezeichnete und sehr wärmeliebende Wildbiene nur in Süddeutschland sowie im Gebiet der Nahe und des Mains bekannt. „In den letzten Jahren ist diese Wildbiene bei uns in extremer Ausbreitung begriffen“, sagt Markus Fuhrmann, Spezialist für heimische Wildbienen aus Kreuztal. Wie die Wildbiene sei auch die hübsche Nickende Distel eigentlich nur in wärmeren Gegenden anzutreffen. Natur- und Pflanzenfreunde können vor allem bei ihren Wanderungen auf dem südlichen Teil des Rothaarsteigs - zwischen Dillenburg und Breitscheid – die Nickende Distel bestaunen.
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