September
6. September 2007
„Brennpunkt Wald“ am Samstag, 8. September, in Bad Berleburg
Kreis und Forstamt Siegen-Wittgenstein veranstalten hochkarätiges Forum zum Thema „Wiederbewaldung und Tourismus nach Kyrill“
Der Orkan „Kyrill“ war die größte Naturkatastrophe, die Südwestfalen seit vielen Jahrzehnten heimgesucht hat. Über Nacht wurden Millionen Bäume entwurzelt oder abgeknickt. Innerhalb weniger Stunden wurden viele Waldbauern um die Arbeit von Generationen gebracht. Bundesweit entstand ein Schaden von über 5 Milliarden Euro. Allein im Kreis Siegen-Wittgenstein lagen rund 1,7 Millionen Festmeter Holz am Boden – das 5- bis 6-fache eines normalen Jahreseinschlags. Davon sind inzwischen rund 70 Prozent aufgearbeitet, sagt das Forstamt Siegen-Wittgenstein. Bis Ende des Jahres sollen diese Arbeiten weitestgehend abgeschlossen sein.
Jetzt stehen die Waldbauern vor der nächsten Aufgabe: die Wiederaufforstung. „Die große Herausforderung besteht darin, bei der Wiederbewaldung die ökologischen Überlegungen in Einklang mit den betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten der Waldbauern zu bringen“ beschreibt Landrat Paul Breuer die Aufgabe, die jetzt vor den Waldbesitzern liegt. „Kyrill hat uns vor Augen geführt, welche Folgen der Klimawandel hat. Das müssen wir bei den anstehenden Entscheidungen im Auge behalten. Gleichzeitig brauchen die Waldbesitzer aber auch Lösungen, die ihren Betrieben tragfähige, wirtschaftliche Perspektiven eröffnen“, so Breuer.
Um genau diesen Spannungsbogen zwischen ökologischen und ökonomischen Fragen geht es am Samstag, 8. September 2007, bei dem hochkarätig besetzten Forum „Brennpunkt Wald - Wiederbewaldung und Tourismus nach Kyrill“, das der Kreis Siegen-Wittgenstein und das Forstamt Siegen-Wittgenstein in Bad Berleburg veranstalten. Der Kreisausschuss hatte angeregt, solch ein Forum durchzuführen. Wie groß das Interesse an diesen Fragestellungen ist, zeigen rund 200 Anmeldungen für das Forum, die bereits heute vorliegen. Vier renommierte Experten werden im Rahmen des Forums Fachvorträge zu unterschiedlichen Aspekten der Wiederbewaldung sprechen. Der Klimawandel ist Thema von Prof. Dr. Wilhelm Kuttler vom Fachbereich angewandte Klimatologie und Landschaftsökologie der Universität Duisburg-Essen. Georg Wilhelm, leitender Forstdirektor von Landesforsten Rheinland-Pfalz referiert über „Das Gebot der Nachhaltigkeit – Wiederbewaldung nach Kyrill“. Konkrete Empfehlungen für die Wiederbewaldung der Orkanflächen in NRW gibt Forstdirektor Dr. Bertram Leder vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Er informiert zugleich über die Förderung der Waldbesitzer durch die Landesforstverwaltung. Im Vortrag von Dr. Rainer Brämer, dem 1. Vorsitzenden des Deutschen Wanderinstituts, geht es um die „Chancen und Probleme des Wandertourismus im Rothaarsteigland“. „Die Konkurrenz schläft nicht“ ist sein Referat überschrieben.
Forstdirektor Bertram Leder: „Es gibt preiswerte und ökologisch sinnvolle Alternativen zur flächendeckenden Bepflanzung“
„Pauschal kann man nicht sagen, welche Methode zur Wiederaufforstung die Beste ist. Aber zur kostenintensiven, flächendeckenden Bepflanzung gibt es viele preiswerte und ökologisch sinnvolle Alternativen“, sagt Dr. Bertram Leder von Wald und Holz NRW. Kostenintensive Neuanpflanzungen sind für den Forstdirektor nur die letzte Alternative. Grundgedanke bei der Wiederbewaldung müsse es sein, wegen der geänderten Klimamerkmale das Baumartenspektrum der Wälder zu erweitern. Großflächige Reinbestände mit einer Monokultur sollten vermieden werden, schlägt Leder vor. „Ein möglichst hoher Mischwaldanteil ist sicher ideal, denn der ist weitaus weniger anfällig für Schäden, wie sie Kyrill angerichtet hat“, so der Forstdirektor.
Forstdirektor Georg Wilhelm: „Der Natur helfen – aber nicht mehr als nötig“ - „Man muss der Natur Hilfestellungen geben - allerdings nicht mehr, als sie unbedingt braucht.“
Diese Überzeugung vertritt auch Georg Wilhelm. Der leitende Forstdirektor in Rheinland-Pfalz ist selbst Privatwaldbesitzer in Lothringen (Frankreich) und war 1999 vom Orkan Lothar betroffen. Diese persönlichen Erfahrungen und sein forstliches Fachwissen haben ihn zu der Erkenntnis gebracht: „Wir müssen bei der Wiederbewaldung die gängigen Denkmuster verlassen und weg vom reinen Fichtenwald hin zur naturnahen, unaufwändigen aber trotzdem effektiven Waldwirtschaft.“ In Rheinland-Pfalz setzte man diese Erkenntnisse inzwischen um: „Bei uns pflanzt man nicht mehr flächendeckend, sondern in so genannten Klumpen“, erläutert Wilhelm. Dabei wird nur noch ein kleiner Teil der Gesamtfläche bepflanzt. Die Bäume werden so einer Konkurrenz ausgesetzt, in der sie sich behaupten müssen. „Nach etwa 15 Jahren hat man auch mit diesem Prinzip einen Wald, der so dicht und voll ist, dass für einen Laien der Unterschied zu einer flächendeckenden Bepflanzung nicht mehr erkennbar ist.“
Rainer Brämer: „So schlimm Kyrill auch war, so große Chancen eröffnet er jetzt“
„Nach Kyrill muss man jetzt bereit sein in Landschaft und Wanderwege zu investieren. Die Kosten dafür dürfen aber nicht allein auf die Waldbesitzer abgewälzt werden.“ Das fordert Rainer Brämer, anerkannter „Wanderpapst“ und Vorsitzender des Deutschen Wanderinstituts. „Nach dem Orkan besteht jetzt die Möglichkeit, Landschaften zu öffnen“, sagt Rainer Brämer. Beispiele dafür seien die schönen Aussichten auf den Kammwegen, die es früher mal gab und jetzt durch Kyrill teilweise wieder freigelegt wurden. „Diese Aussichten könnte man erhalten, indem man z.B. die Flächen verpachtet. Sie machen die Wanderwege wesentlich attraktiver“, ist Brämer überzeugt. Investitionen in Wanderwege bringen aber auch Jägern und Waldbesitzern Vorteile, führt Brämer aus: „Wanderer bevorzugen gute Wege. Wenn es diese gibt, haben sie eine kanalisierende Wirkung. Sind die Wege aber schlecht, gehen die Spaziergänger kreuz und quer, was weder im Interesse der Waldbesitzer noch der Jäger ist“, so Brämer. „So schlimm Kyrill auch war, so große Chancen eröffnet er jetzt“ unterstreicht Brämer. In anderen Regionen schreite die Modernisierung der Wanderangebote relativ schnell voran. Deshalb müsse Südwestfalen jetzt am Ball bleiben.
Das Forum „Brennpunkt Wald – Wiederbewaldung und Tourismus nach Kyrill“ findet am Samstag, 8. September 2007, ab 10:00 Uhr in der Aula des Johannes-Althusius-Gymnasiums in Bad Berleburg statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen (Anmeldung: Kreis Siegen-Wittgenstein, Dezernat II-Planung, 57069 Siegen, Email: brennpunkt-wald@siegen-wittgenstein.de , Telefon: 0271 333-1916).
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„Brennpunkt Wald“ am Samstag, 8. September, in Bad Berleburg
Kreis und Forstamt Siegen-Wittgenstein veranstalten hochkarätiges Forum zum Thema „Wiederbewaldung und Tourismus nach Kyrill“
Der Orkan „Kyrill“ war die größte Naturkatastrophe, die Südwestfalen seit vielen Jahrzehnten heimgesucht hat. Über Nacht wurden Millionen Bäume entwurzelt oder abgeknickt. Innerhalb weniger Stunden wurden viele Waldbauern um die Arbeit von Generationen gebracht. Bundesweit entstand ein Schaden von über 5 Milliarden Euro. Allein im Kreis Siegen-Wittgenstein lagen rund 1,7 Millionen Festmeter Holz am Boden – das 5- bis 6-fache eines normalen Jahreseinschlags. Davon sind inzwischen rund 70 Prozent aufgearbeitet, sagt das Forstamt Siegen-Wittgenstein. Bis Ende des Jahres sollen diese Arbeiten weitestgehend abgeschlossen sein.
Jetzt stehen die Waldbauern vor der nächsten Aufgabe: die Wiederaufforstung. „Die große Herausforderung besteht darin, bei der Wiederbewaldung die ökologischen Überlegungen in Einklang mit den betriebswirtschaftlichen Notwendigkeiten der Waldbauern zu bringen“ beschreibt Landrat Paul Breuer die Aufgabe, die jetzt vor den Waldbesitzern liegt. „Kyrill hat uns vor Augen geführt, welche Folgen der Klimawandel hat. Das müssen wir bei den anstehenden Entscheidungen im Auge behalten. Gleichzeitig brauchen die Waldbesitzer aber auch Lösungen, die ihren Betrieben tragfähige, wirtschaftliche Perspektiven eröffnen“, so Breuer.
Um genau diesen Spannungsbogen zwischen ökologischen und ökonomischen Fragen geht es am Samstag, 8. September 2007, bei dem hochkarätig besetzten Forum „Brennpunkt Wald - Wiederbewaldung und Tourismus nach Kyrill“, das der Kreis Siegen-Wittgenstein und das Forstamt Siegen-Wittgenstein in Bad Berleburg veranstalten. Der Kreisausschuss hatte angeregt, solch ein Forum durchzuführen. Wie groß das Interesse an diesen Fragestellungen ist, zeigen rund 200 Anmeldungen für das Forum, die bereits heute vorliegen. Vier renommierte Experten werden im Rahmen des Forums Fachvorträge zu unterschiedlichen Aspekten der Wiederbewaldung sprechen. Der Klimawandel ist Thema von Prof. Dr. Wilhelm Kuttler vom Fachbereich angewandte Klimatologie und Landschaftsökologie der Universität Duisburg-Essen. Georg Wilhelm, leitender Forstdirektor von Landesforsten Rheinland-Pfalz referiert über „Das Gebot der Nachhaltigkeit – Wiederbewaldung nach Kyrill“. Konkrete Empfehlungen für die Wiederbewaldung der Orkanflächen in NRW gibt Forstdirektor Dr. Bertram Leder vom Landesbetrieb Wald und Holz NRW. Er informiert zugleich über die Förderung der Waldbesitzer durch die Landesforstverwaltung. Im Vortrag von Dr. Rainer Brämer, dem 1. Vorsitzenden des Deutschen Wanderinstituts, geht es um die „Chancen und Probleme des Wandertourismus im Rothaarsteigland“. „Die Konkurrenz schläft nicht“ ist sein Referat überschrieben.
Forstdirektor Bertram Leder: „Es gibt preiswerte und ökologisch sinnvolle Alternativen zur flächendeckenden Bepflanzung“
„Pauschal kann man nicht sagen, welche Methode zur Wiederaufforstung die Beste ist. Aber zur kostenintensiven, flächendeckenden Bepflanzung gibt es viele preiswerte und ökologisch sinnvolle Alternativen“, sagt Dr. Bertram Leder von Wald und Holz NRW. Kostenintensive Neuanpflanzungen sind für den Forstdirektor nur die letzte Alternative. Grundgedanke bei der Wiederbewaldung müsse es sein, wegen der geänderten Klimamerkmale das Baumartenspektrum der Wälder zu erweitern. Großflächige Reinbestände mit einer Monokultur sollten vermieden werden, schlägt Leder vor. „Ein möglichst hoher Mischwaldanteil ist sicher ideal, denn der ist weitaus weniger anfällig für Schäden, wie sie Kyrill angerichtet hat“, so der Forstdirektor.
Forstdirektor Georg Wilhelm: „Der Natur helfen – aber nicht mehr als nötig“ - „Man muss der Natur Hilfestellungen geben - allerdings nicht mehr, als sie unbedingt braucht.“
Diese Überzeugung vertritt auch Georg Wilhelm. Der leitende Forstdirektor in Rheinland-Pfalz ist selbst Privatwaldbesitzer in Lothringen (Frankreich) und war 1999 vom Orkan Lothar betroffen. Diese persönlichen Erfahrungen und sein forstliches Fachwissen haben ihn zu der Erkenntnis gebracht: „Wir müssen bei der Wiederbewaldung die gängigen Denkmuster verlassen und weg vom reinen Fichtenwald hin zur naturnahen, unaufwändigen aber trotzdem effektiven Waldwirtschaft.“ In Rheinland-Pfalz setzte man diese Erkenntnisse inzwischen um: „Bei uns pflanzt man nicht mehr flächendeckend, sondern in so genannten Klumpen“, erläutert Wilhelm. Dabei wird nur noch ein kleiner Teil der Gesamtfläche bepflanzt. Die Bäume werden so einer Konkurrenz ausgesetzt, in der sie sich behaupten müssen. „Nach etwa 15 Jahren hat man auch mit diesem Prinzip einen Wald, der so dicht und voll ist, dass für einen Laien der Unterschied zu einer flächendeckenden Bepflanzung nicht mehr erkennbar ist.“
Rainer Brämer: „So schlimm Kyrill auch war, so große Chancen eröffnet er jetzt“
„Nach Kyrill muss man jetzt bereit sein in Landschaft und Wanderwege zu investieren. Die Kosten dafür dürfen aber nicht allein auf die Waldbesitzer abgewälzt werden.“ Das fordert Rainer Brämer, anerkannter „Wanderpapst“ und Vorsitzender des Deutschen Wanderinstituts. „Nach dem Orkan besteht jetzt die Möglichkeit, Landschaften zu öffnen“, sagt Rainer Brämer. Beispiele dafür seien die schönen Aussichten auf den Kammwegen, die es früher mal gab und jetzt durch Kyrill teilweise wieder freigelegt wurden. „Diese Aussichten könnte man erhalten, indem man z.B. die Flächen verpachtet. Sie machen die Wanderwege wesentlich attraktiver“, ist Brämer überzeugt. Investitionen in Wanderwege bringen aber auch Jägern und Waldbesitzern Vorteile, führt Brämer aus: „Wanderer bevorzugen gute Wege. Wenn es diese gibt, haben sie eine kanalisierende Wirkung. Sind die Wege aber schlecht, gehen die Spaziergänger kreuz und quer, was weder im Interesse der Waldbesitzer noch der Jäger ist“, so Brämer. „So schlimm Kyrill auch war, so große Chancen eröffnet er jetzt“ unterstreicht Brämer. In anderen Regionen schreite die Modernisierung der Wanderangebote relativ schnell voran. Deshalb müsse Südwestfalen jetzt am Ball bleiben.
Das Forum „Brennpunkt Wald – Wiederbewaldung und Tourismus nach Kyrill“ findet am Samstag, 8. September 2007, ab 10:00 Uhr in der Aula des Johannes-Althusius-Gymnasiums in Bad Berleburg statt. Alle Interessierten sind herzlich eingeladen (Anmeldung: Kreis Siegen-Wittgenstein, Dezernat II-Planung, 57069 Siegen, Email: brennpunkt-wald@siegen-wittgenstein.de , Telefon: 0271 333-1916).
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