Kreis Siegen-Wittgenstein


MRE-Netzwerk



MRE-Netzwerk Kreis Siegen-Wittgenstein 



Was sind multiresistente Erreger?

Multiresistente Erreger (MRE) sind Bakterien, die gegen eine Vielzahl von Antibiotika nicht mehr empfindlich sind. Dies bedeutet für betroffene Patienten, dass sie nur noch mit wenigen Antibiotika, im Extremfall aber überhaupt nicht mehr antibiotisch behandelt werden können. Letzteres ist derzeit in Deutschland nicht zu befürchten, bei mangelhafter Hygiene und fehlerhaftem Einsatz von Antibiotika aber künftig auch nicht gänzlich auszuschließen.

Umso wichtiger ist es, durch konsequente Einhaltung hygienischer Regeln, hier vor allem der Händehygiene im medizinischen Bereich, eine Weiterverbreitung der Problemkeime zu vermeiden. Ziel muss sein, Infektionen mit Problemkeimen möglichst zu verhindern, um die Notwendigkeit antibiotischer Behandlungen zu reduzieren.

Die am weitesten verbreiteten multiresistenten Erreger in Deutschland sind Multiresistente Staphylokokken (MRSA), welche den Nasen-Rachen-Raum sowie Hautwunden besiedeln und zu schweren Infektionen führen können

Die Keime werden hauptsächlich (bei hygienischem Fehlverhalten) mit den Händen übertragen. Patienten mit Risikofaktoren sind oft Träger dieses Erregers. Sie können, auch ohne dass sie an Infektionen leiden, den Erreger auf diesem Weg weiterverbreiten.

Eine Strategie in der Bekämpfung ist daher die Identifizierung derartiger symptomloser Träger.

Die Entwicklung des MRE-Netzwerkes im Kreis Siegen-Wittgenstein

Das Netzwerk Siegen-Wittgenstein gründete sich offiziell im Jahr 2003. Schon vorher kam es zu vermehrten Anfragen zum Problemkeim MRSA, da umsetzbare öffentliche Empfehlungen fehlten. 2000 nahm das hiesige Gesundheitsamt an einer Studie teil, in welcher stichprobenartig das Auftreten von MRSA in Alten- und Pflegeheimen untersucht wurde.

In den ab 2003 regelmäßig weiteren, mindestens jährlichen Treffen erarbeiteten alle Kliniken des Kreisgebietes mit dem Gesundheitsamt gemeinsame, zur einheitlichen Umsetzung geeignete Verfahren, um Infektionen durch multiresistente Erreger zu verhindern. Außerdem sollte eine Zirkulation dieser Erreger zwischen den Einrichtungen vermindert werden.

So wurden im Jahr 2004 kreisweit identisches Informationsmaterial für MRSA-Patienten und deren Angehörige entwickelt und über die Presse die Wichtigkeit des Themas bekannt gemacht.

Im gleichen Jahr wurden Standards für die Untersuchung stationär aufgenommener Patienten auf MRSA (Aufnahme-Screening) sowie für den Umgang mit Trägern entsprechender Keime erstellt. Alle beteiligten Institutionen erklärten verbindlich, betroffenen Patienten einen zur einheitlichen Verwendung entworfenen Überleitungsbogen bereits bei der Entlassung mitzugeben, um so behandelnde Ärzte und Pflegedienste frühzeitig über die Problematik zu informieren.

Weiterhin wurden mit den Rettungs- und Transportdiensten einheitliche Standards für den Transport betroffener Patienten formuliert. Gleiches gilt für die Alten- und Pflegeheime sowie die ambulanten Pflegedienste, für welche die Hygienestandards der Klinken entsprechend angepasst wurden.

Schließlich wurde das Netzwerk auf weitere Problemkeime (MRE) erweitert: So entstanden 2007 Handlungsempfehlungen zu ESBL (multiresistene Erreger, die meist im Darmbereich vorkommen) sowie 2008 zu CDAD (multiresistener Erreger und häufigster Verursacher von Durchfällen im Krankenhaus).

Im Jahr 2008 wurden in allen acht Akutkliniken und sechs der sieben Reha-Kliniken über je einen Monat hinweg alle aufgenommen Patienten auf MRSA getestet (Prävalenzscreening), um das tatsächliche Vorkommen der multiresistenten Staphylokokken im Kreisgebiet zu erfassen. Durch einen schmerzlosen Nasen-Rachen-Abstrich wurden knapp 7.000 Patienten (Erfassungsrate über 90 %) untersucht und erfreulicherweise in nur 1,4 % der Fälle der Erreger nachgewiesen. Erstmals kann somit eine flächendeckende Aussage zur Verbreitung des Erregers in der hiesigen Bevölkerung getroffen werden. Durch die zusätzliche Befragung der Patienten nach Risikofaktoren wurden weitere Erkenntnisse gewonnen.

Im April 2011 erhielten die drei Krankenhäuser der Diakonie im hiesigen Kreis als erste Kliniken in Nordrhein-Westfalen das MRSA-Qualitätssiegel des MRE-Netzwerkes Nordwest. Voraussetzung sind neben dem regelmäßig durchgeführten Aufnahmescreening bei allen Risikopatienten die Einhaltung hoher Hygienestandards beim Umgang mit besiedelten/ infizierten Patienten (siehe Presseveröfffentlichungen unten).


Welchen Nutzen hat das vorhandene MRE-Netzwerk für die Bevölkerung?

Die Partner im Netzwerk werden weiter daran arbeiten, die Gefährdung durch multiresistente Erreger für jeden Einwohner, sei es im Krankenhaus, im Alten- und Pflegeheim oder in der Arztpraxis, möglichst gering zu halten.

Das Netzwerk wird sukzessiv ausgebaut, um Informationen möglichst rasch austauschen zu können und bewährte Behandlungsstrategien zu etablieren.

Ansprechpartner (Helpdesk)

Alle medizinischen Institutionen, aber natürlich auch jeder betroffene Bürger, kann sich mit Fragen an das hiesige Netzwerk wenden.

Ansprechpartner ist der Netzwerkkoordinator Robert Buckard im Fachservice Gesundheit und Verbraucherschutz (Gesundheitsamt) des Kreises Siegen-Wittgenstein (0271 – 333 – 2848).

Durch das inzwischen etablierte Netzwerk ist es möglich, kurzfristig aktuelle Informationen auch zu komplizierten Fragestellungen zur Verfügung zu stellen.

Die Hautklinik der Universität Münster bietet für MRSA-Keimträger eine spezielle Sprechstunde nach vorheriger telefonischer Vereinbarung an. www.klinikum.uni-muenster.de

Sanierungssets

Es sollte in der Regel versucht werden, einer Besiedlung mit MRSA im Nasen-Rachenraum bzw. auf der Haut wieder zu beseitigen (Sanierung). Die hierzu notwendigen, äußerlich anzuwenden desinfizierenden Lösungen werden nicht von den Krankenkassen bezahlt (im Gegensatz zur oft notwendigen antibiotikahaltigen Nasensalbe).
Das Gesundheitsamt verfügt wieder über Sanierungssets. Diese können direkt von betroffenen Personen abgeholt werden. Voraussetzung ist nur eine formlose Bestätigung des behandelnden Arztes, dass eine Sanierung durchgeführt werden muss.
Krankenhäuer können die Sets in kleinen Mengen anfordern für Patienten, die nach der Entlassung die Sanierung fortführen oder beginnen sollen.



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