Zukunftskonferenz
Siegen-Wittgenstein im Jahr 2020:
Region stellt sich mit vereinter Kraft in Zukunftsfragen auf
Rund 230 Gäste haben an der Auftaktveranstaltung der Zukunftskonferenz Siegen-Wittgenstein in einer Werkshalle des familiengeführten High-Tech-Maschinenbauunternehmens Achenbach-Buschhütten in Kreuztal teilgenommen und über die Zukunft der Region beraten. Mit dabei waren auch NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben und NRW-Innovationsminister Prof. Andreas Pinkwart. Bei der Diskussion ging es vor allem um die Frage, wie die Region Siegen-Wittgenstein auch im Jahr 2020 ein attraktiver und erfolgreicher Lebens- und Wirtschaftsstandort sein kann.
„Die Gestaltung der Zukunft ist nicht Aufgabe einiger weniger, sondern Aufgabe aller“, betonte Landrat Paul Breuer in seiner Begrüßung. Die Politik könne nicht alle Aufgaben alleine schultern, sondern brauche hierzu die Menschen. „Ziel muss sein, die „müssten“, „könnten“, sollten“, „hätten“, „würden“, also die versammelten Konjunktive, hinter uns zu lassen und zu konkreten Projekten zu kommen, die wir partnerschaftlich mit der Landespolitik entwickeln!“ Deshalb sei es wichtig, gesellschaftliche Prozesse wie die Zukunftskonferenz in Gang zu setzen, um die Region voranzubringen.
Zur Vorbereitung der Veranstaltung hatten fast 100 Vertreter von Unternehmen, Institutionen, Gewerkschaften, Vereinen und Verbänden, aus der Politik sowie Fachleute aus unterschiedlichen Bereichen in Werkstattgesprächen fachliche Vorarbeit geleistet: Mit Blick auf Themenfelder mit besonders dringendem Handlungsbedarf wurden Ziele und Empfehlungen für Aktivitäten erarbeitet, um zukunftsweisende Antworten auf die demografische Entwicklung in der Region, die Folgen des Klimawandels und der zunehmenden Globalisierung zu finden.Zu den untersuchten Themenfeldern gehörten die Bereiche „Wirtschaft/Universität“, „Gewerbeflächen, Verkehr und Kommunikationsinfrastruktur“, „Aus- und Weiterbildung“, „Naturraum und Tourismus“ sowie „Regionale kommunale Sozialpolitik“. Die Moderatoren der Werkstattgespräche, Harald Peter (Vorstand Sparkasse Siegen), Franz-Josef Mockenhaupt (Hauptgeschäftsführer IHK Siegen), der DGB-Regionsvorsitzende Willi Brase MdB sowie die Bürgermeister Christoph Ewers und Steffen Mues, stellten die Ergebnisse in der Auftaktveranstaltung der Öffentlichkeit vor.
In einer Podiumsdiskussion mit den beiden Ministern wurden insbesondere die Zusammenarbeit der Universität mit der heimischen Wirtschaft und das Thema Gewerbeflächen angesprochen.
Hier sprachen sich die regionalen Akteure vor allem für eine politische Entscheidung zur Ermöglichung des Gewerbegebietes Osthelden aus. Im Bereich der Universität soll die Hochschule im Jahr 2020 bei den Unternehmen als Anker in die Zukunft akzeptiert sein und die Zusammenarbeit durch Innovations- und Wissenstransfer verstärkt werden. Außerdem soll die Universität sich bis dahin einen herausragenden Namen als „Unternehmer-Universität“ gemacht und ihre Gründungsaktivitäten ausgebaut haben. Der Bedarf der Unternehmen nach Absolventen soll auf hohem Niveau vollständig gedeckt sein und die Zuwanderungsbilanz sich durch die Gewinnung junger Menschen für ein Studium in Siegen - etwa durch das Angebot berufsbegleitender Studien oder die Einführung neuer Stipendien - massiv verbessert haben.
Zudem sollen im Jahr 2020, etwa durch die Gründung der Siegener Mittelstandsakademie, ausgezeichnete universitäre Weiterbildungsangebote für Führungskräfte etabliert sein. Und schließlich besteht ein Konsens in dem Wunsch, dass die Stadt Siegen künftig im Bewusstsein der Menschen als Universitätsstadt verankert ist, wozu voraussichtlich insbesondere der Umzug der Wirtschaftswissenschaften in die Siegener Innenstadt beitragen wird.
Für den Bereich „Gewerbeflächen, Verkehr und Kommunikationsinfrastruktur“ machte IHK-Hauptgeschäftsführer Franz-Josef Mockenhaupt unmissverständlich klar: Industrie braucht Fläche auf Vorrat - und: Menschen und Wirtschaft brauchen Mobilität! Künftig sollen nicht nur alle im Regionalplan 2007 festgelegten interkommunalen Gewerbegebiete zur Verfügung stehen und das Gewerbegebiet Osthelden die Perspektiven für das nördliche Siegerland deutlich verbessern, sondern auch kein heimischer Betrieb mehr zum Zwecke der Erweiterung auf Flächen außerhalb des Kreisgebietes zurückgreifen müssen.
Weitere Ziele sind ein ausreichendes Angebot wohnortnaher Arbeitsplätze und der Erhalt bzw. Ausbau des überdurchschnittlich hohen Niveaus an Ausbildungsplätzen. Durch die Verwirklichung einer leistungsstarken Bundesfernstraße ins hessische Hattenbach soll die Verkehrsanbindung insbesondere des nördlichen Kreisgebietes deutlich verbessert werden. Weitere Aktivitäten betreffen die Erreichbarkeit der Region auf der Schiene. Für den Siegerlandflughafen wird u.a. ein gezieltes Marketing empfohlen, um sich erfolgreich im Fracht- und Geschäftsreiseverkehr zu positionieren. Außerdem wird dringend angeraten, dass sich die regionalen Akteure gemeinsam für eine Breitbandversorgung der Menschen in der Region einsetzen und in einem ersten Schritt ein „kommunales Breitbandprofil“ erarbeitet wird.

In Sachen Aus- und Weiterbildung gab der heimische Bundestagsabgeordnete Willi Brase das klare Ziel vor: Im Jahr 2020 hat sich Siegen-Wittgenstein als eine führende Ausbildungsregion in NRW chancengerecht weiterentwickelt und stabilisiert und ist landesweit innovativste Region beim Thema „Übergang Schule und Beruf“, etwa durch die Fortführung innovativer Modelle wie dem „Haus der Berufsvorbereitung“ oder „Ein-Topf“. Einen besonderen Schwerpunkt in der Vorhaltung zukunftsgerechter Strukturen bildet die Sicherung der Ausbildung von Berufschullehrern an der Universität. Auch die Potenziale der Universität im Bereich Weiterbildung sollen stärker genutzt werden.
Burbachs Bürgermeister Christoph Ewers gab im Themenfeld „Naturraum und Tourismus“ für das Jahr 2020 u.a. das Ziel aus, dass sich Siegen-Wittgenstein durch eine intakte Naturlandschaft und einen bewussten, nachhaltigen Umgang mit ihr auszeichnet. Der Flächenverbrauch soll, etwa durch Konzentration auf interkommunale Gewerbegebiete, eingedämmt und Schutzräume und der Artenschutz unter dem Gesichtspunkt des Klimawandels erhalten und ausgebaut werden. Zudem empfehlen die Experten des Werkstattgespräches einen Ausbau der regionalen Umweltbildung. Aus Sicht der Land- und Forstwirte soll mit Blick auf den Klimawandel der Nadelholzanteil reduziert und der Ackerflächenanteil erhöht werden. Zudem wird ein Zukunftstrend im Aufbau attraktiver Energiewälder zur Erschließung neuer Märkte gesehen. 
Touristisch ist geplant, dass sich die Region durch die bestehenden Kernkompetenzen, insbesondere „Wandern und Natur erleben“, weiter profiliert. Naturerlebnisangebote eignen sich aus Sicht der Experten besonders gut, um Alleinstellungsmerkmale zu entwickeln, die im touristischen Wettbewerb unentbehrlich sind. Das Naturprojekt „Auswilderung der Wisente“ sei hierfür ein gutes Beispiel, so Ewers. Zudem soll die Region bis 2020 als Top-Adresse für „Tagen im Grünen“ bekannt sein und das touristische Segment „medical wellness“ etabliert haben. Touristisch soll Siegerland-Wittenstein mit herausragender Qualität in Angebot (Klassifizierung) und Service (Qualifizierung) punkten.
Kinder- und Familienfreundlichkeit ist eines der Schwerpunktthemen, mit denen sich die kommunale Sozialpolitik in den nächsten Jahren befassen wird. Bürgermeister Steffen Mues erläuterte hier die besondere Bedeutung einer bedarfsgerechten Gestaltung der Tagesbetreuungsangebote für Kinder sowie des Angebotes der Jugendarbeit. Im Jahr 2020 soll Siegen-Wittgenstein sich durch eine zeitgemäße Familienpolitik auszeichnen, die auch die Belange der Senioren berücksichtigt. Wichtig sei hier die stärkere Einbindung des Ehrenamtes, etwa beim Aufbau örtlicher Hilfsnetzwerke, und die Stärkung der Familie. Möglichst lange im eigenen Zuhause leben zu können, ist eine Aufgabe, mit der sich die Sozialpolitik ebenso auseinandersetzen muss, wie mit der Sicherung von Mobilität in der Fläche, etwa durch Bürgerbus- und Nachtbusangebote.
Auch die Stärkung dörflicher Infrastruktur spielt eine wichtige Rolle. Ein weiteres Anliegen der kommunalen Sozialpolitik ist die Teilhabe besonderer Zielgruppen am gesellschaftlichen Leben. Die Organisation der Integration und die Betreuung von Langzeitarbeitslosen sollen mit möglichst großem kommunalem Einfluss vor Ort stattfinden. Ein weiteres Beispiel stellen verpflichtende Sprachangebote für Kinder mit Migrationshintergrund dar, die zur verbesserten gesellschaftlichen Integration beitragen sollen.
Die Ergebnisse der Werkstattgespräche und der Auftaktveranstaltung werden dokumentiert und sollen allen Haushalten in Siegen-Wittgensein in Form einer Broschüre zugesandt werden. Ziel sei eine möglichst breite Beteiligung der Menschen in Siegen-Wittgenstein, an diesem Prozess zur Weichenstellung für die Zukunft, betonte Landrat Paul Breuer in einem Ausblick am Ende der Veranstaltung. Die Werkstattgespräche zu diesen und ggf. neuen Themenfeldern sollen fortgesetzt und die Ziele und Aktivitäten in regelmäßigen Abständen einer Überprüfung unterzogen werden. Für das kommende Jahr kündigte Landrat Breuer die Beratung von Zwischenergebnissen in einer größeren Veranstaltung an.
In einem nächsten Schritt werden die Projekte in die Arbeit der politischen Gremien eingehen, damit in den Städten und Gemeinden sowie auf Kreisebene die erforderlichen Beschlüsse gefasst werden können. Außerdem werden die Ergebnisse ein wichtiger Baustein für die Erarbeitung eines Leitbildes für Siegen-Wittgenstein sein. Dieses Selbstverständnis der Region dient dann unter anderem der zielgerichteten Vermarktung der regionalen Vorzüge, um im Wettbewerb der Regionen dauerhaft erfolgreich aufzutreten.
Leben heißt handeln!
Veranstaltung zu Chancen des Ehrenamtes am 9. Februar mit Minister Laschet
„Leben heißt handeln! – Ehrenamt in Siegen-Wittgenstein“ lautet der Titel einer Veranstaltung, die im Rahmen der Zukunftskonferenz Siegen-Wittgenstein am 9. Februar ab 16:00 Uhr in der Siegerlandhalle (Leonhard-Gläser-Saal) stattfindet. Mit dabei: Der Minister für Generationen, Familie, Frauen und Integration des Landes Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet. Gemeinsam führt der Kreis mit allen elf Städten und Gemeinden die Ehrenamtskarte NRW ein. Siegen-Wittgenstein ist landesweit Vorreiter in Sachen Ehrenamt.
In der Veranstaltung sollen Angebote für das Ehrenamt, aber auch bestehende Probleme sowie Chancen und Perspektiven eines Engagements für das Gemeinwesen diskutiert werden. Zu Wort kommen dabei engagierte Menschen aus der Region, die ihre Erfahrungen aus der Praxis in die Diskussion einfließen lassen. Gemeinsam soll geklärt werden, wo Schwerpunkte gesetzt werden müssen, um möglichst viele Menschen für ehrenamtliches Engagement zu begeistern. „Nur mit Bürgersinn und persönlichem Engagement werden wir die Herausforderungen bewältigen können, die die Zukunft an uns stellt“, betonen Landrat Paul Breuer und der Vorsitzende der Bürgermeisterkonferenz Siegen-Wittgenstein, Bürgermeister Christoph Ewers. Gerade auch beim Ehrenamt werde im persönlichen Engagement das Eintreten und Sorgen für die Menschen und das Gemeinwesen besonders deutlich. „Diese engagierten Menschen sind das Kapital unserer Region!“ bekräftigt Breuer. Zur Veranstaltung ist jeder Interessierte eingeladen. Anmeldungen nimmt Melanie Krämer, Tel. 0271 333-2302, E-Mail: me_kraemer@siegen-wittgenstein.de entgegen. Sie ist auch Ansprechpartnerin für weitere Informationen rund um die Veranstaltung.
Den ersten Ehrenamtlern, die bereits die Ehrenamtskarte beantragt haben, wird der Minister in der Veranstaltung die Karte überreichen. Generell können Anträge in derjenigen Stadt oder Gemeinde gestellt werden, in der das ehrenamtliche Engagement erbracht wird. Wer im Besitz der Ehrenamtskarte ist, kann attraktive Vergünstigungen in Anspruch nehmen – und zwar landesweit überall dort, wo die Karte ebenfalls schon eingeführt ist. Dazu gehören Ermäßigungen bei Veranstaltungen aus Sport und Kultur ebenso wie beim Besuch von Bildungseinrichtungen wie den Volkshochschulen, Schwimmbädern und anderen Freizeiteinrichtungen.
Die Einführung der Ehrenamtskarte in Siegen-Wittgenstein findet im Rahmen eines landesweiten Pilotprojektes statt. Bei den zunächst angebotenen Vergünstigungen handelt es sich um ein Sockelangebot, das kontinuierlich ausgebaut wird. Die Karte können Menschen beantragen, die sich nachweislich mindestens fünf Stunden pro Woche (250 Stunden im Jahr) ehrenamtlich engagieren und das seit wenigstens drei Jahren. Mit dem Einsatz darf keine pauschale Aufwandsentschädigung verbunden sein, die über die Erstattung von Kosten hinausgeht.
Weitere Informationen und Bewerbungsformulare können auf den Internetseiten der Städte und Gemeinden abgerufen werden.
Ansprechpartner in den Rathäusern:
Stadt Bad Berleburg: Franziska Thoß, Tel. 02751 923-271
Stadt Bad Laasphe: Rabea Böhl, Tel. 02752 909-112
Gemeinde Burbach: Rolf Winkel, Tel. 02736 45-10
Gemeinde Erndtebrück: Gustav-Adolf Stöcker, Tel. 02753 605-136
Stadt Freudenberg: Olaf Smolny, Tel. 02734 43-191
Stadt Hilchenbach: Inge Grebe, Tel. 02733 288-229
Stadt Kreuztal: Frank Bäcker, Tel. 02732 51-291
Stadt Netphen: Heike Büdenbender, Tel. 02738 603-170
Gemeinde Neunkirchen: Hartwig Möller, Tel. 02735 767-205
Stadt Siegen: Dirk Helmes, Tel. 0271 404-1239
Gemeinde Wilnsdorf: Andreas Birkner, Tel. 02739 802-205
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