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Weltfrauentag am 8. März 2016:
Gleichstellungsbeauftragte in Siegen-Wittgenstein ziehen Bilanz

02.03.2016

Mehr als 100 Jahre ist es her, seit eine bürgerliche Frauenbewegung in Großbritannien durch öffentliche Proteste und passiven Widerstand bis hin zum Hungerstreik auf sich aufmerksam gemacht hat. Die sogenannten „Suffragetten“ setzten sich gegen erheblichen Widerstand mit Mut und großem Engagement für die Gleichberechtigung von Frauen und Männern ein – insbesondere für das Wahlrecht von Frauen.

Die Arbeitsgemeinschaft der Gleichstellungsbeauftragten im Kreis Siegen-Wittgenstein nimmt den Weltfrauentag am 8. März 2016 zum Anlass, um eine Zwischenbilanz zu ziehen. Diese wurde verfasst von Martina Böttcher (Kreis Siegen-Wittgenstein), Martina Kratzel (Siegen), Annette Kreutz (Hilchenbach), Marika Kunold (Bad Laasphe), Monika Molkentin-Syring (Kreuztal), Kerstin Stahl (Burbach), Anke Schmidt (Bad Berleburg) und Silke Strunk (Neunkirchen).

„Vieles wurde in den mehr als 100 Jahren erreicht“, stellen die Frauenbeauftragten fest. Seit 1918 dürfen Frauen in Deutschland wählen, seit Ende der Fünfzigerjahre ohne die Erlaubnis ihres Ehemanns einen Arbeitsvertrag schließen und ein eigenes Konto eröffnen – bis 1977 allerdings immer noch mit der Einschränkung, dass der Ehemann den Arbeitsvertrag seiner Frau kündigen konnte, wenn er der Meinung war, dass sie „ihre familiären Verpflichtungen vernachlässigt“.

Die Bildungschancen für Frauen haben sich wesentlich verbessert, die Frauenerwerbstätigkeit ist gestiegen und auch für eine Verbesserung der Vereinbarkeit von Familie/Pflege und Beruf wurde einiges getan.

„Aber zufrieden zurücklehnen können wir uns nicht“, unterstreichen die Gleichstellungsbeauftragten: „Das Erreichte muss verteidigt, gehalten und ausgebaut werden. Auch oder gerade weil wir in einer Zeit leben, in der Kriege, Gewalt und Terror unser tägliches Bild bestimmen, müssen wir uns gemeinsam für ein gleichberechtigtes und friedliches Miteinander einsetzen.“

Die Gleichstellungsbeauftragten machen deutlich, dass sie sich nicht nur innerhalb ihrer jeweiligen Verwaltungen, sondern auch kreisweit für Chancengleichheit von Frauen und Männern in Beruf, Gesellschaft und Politik einsetzen. „Unsere Aufgabe ist es auch, den Finger in die Wunde zu legen und die Handlungsfelder aufzuzeigen, in denen wir schon seit Jahren dringenden Handlungsbedarf sehen“, heißt es in der Zwischenbilanz, in der die Gleichstellungsbeauftragten auch konkrete Herausforderungen benennen:

Thema Gewalt:

Jede dritte Frau in der Europäischen Union ist bereits Opfer körperlicher oder sexueller Gewalt geworden. In Deutschland sind 35 Prozent der Frauen betroffen. Auch Siegen-Wittgenstein bildet hier keine Ausnahme. Gewalt gegen Frauen findet alltäglich und mitten unter uns statt. Sie wird unabhängig von Nationalität, Kultur, Religion und sozialem Status verübt. Die genannten Zahlen betreffen erst einmal nur die Fälle der sogenannten häuslichen Gewalt. Dabei sind noch nicht die vielen betroffenen Kinder erfasst, die nicht nur selbst, sondern oft auch als Zeugen Opfer dieser Gewalt werden und darunter leiden.

Hinzu kommen die vielen Frauen, die Opfer von Zwangsprostitution, Menschenhandel, Gewalt im Namen der Ehre, Genitalverstümmelung und sexualisierter Gewalt bis hin zu Vergewaltigung werden.
Darüber hinaus gibt es Gewalt im öffentlichen Raum, die auch schon da beginnt, wo Frauen sich nicht mehr trauen, abends alleine das Haus zu verlassen. Sie beginnt bei eindeutig sexuell motivierten Handlungen oder Gesten, die Frauen herabwürdigen und ihre persönliche Grenze verletzen. Die jüngsten Ereignisse der Silvesternacht in Köln haben dies noch mal schmerzhaft sichtbar gemacht, so die Gleichstellungsbeauftragten: „Es muss uns betroffen machen, dass Gewalt für Frauen jeden Alters und überall auf der Welt die größte Gefahr für Gesundheit und Leben darstellt. Jeder Mensch hat ein Recht darauf, ein freies selbstbestimmtes, angstfreies Leben ohne Gewalt führen zu können, sowohl im häuslichen Umfeld als auch im öffentlichen Raum. Wir fordern daher alle Verantwortlichen auf, dieses Grundrecht sicher zu stellen!“

Thema Entgeltgleichheit / Lohnkluft / Führungspositionen:

Um auf die Entgeltunterschiede zwischen Frauen und Männern aufmerksam zu machen, findet in diesem Jahr am 19. März der alljährliche bundesweite Equal Pay Day statt. Das Datum markiert den Zeitraum, den Frauen über den Jahreswechsel hinaus arbeiten müssen, um den Jahresverdienst ihrer männlichen Kollegen zu erreichen. Mehr als 20 Prozent weniger Geld – 78 Tage länger arbeiten. Aus Sicht der Gleichstellungsbeauftragten ein Skandal, wenn man bedenke, wie lange die gravierenden Gehaltsunterschiede bekannt seien und wie oft schon mit großen Aktionen auf die undurchsichtigen Bewertungskriterien und Vergütungsstrukturen hingewiesen wurde.

Daher fordern die Gleichstellungsbeauftragten die Einführung einer gesetzlich vorgeschriebenen Lohntransparenz als wesentliche Voraussetzung für eine Einkommensgerechtigkeit. Weitere konkrete Forderungen sind:

Die grundsätzliche Neubewertung der sogenannten Frauenberufe, einschließlich der Zulagen. „Was ist uns die Betreuung unserer Kinder, die Pflege unserer Kranken und alten Menschen wert? Wieso gibt es beispielsweise für den Umgang mit Fäkalien beim Trockenlegen und Windeln keine Zulage wie für unangenehme schmutzige Aufgaben in typischen Männerberufen auch?“, fragen die Gleichstellungsbeauftragten.

Sie fordern zudem sozialversicherungspflichtige Arbeitsverhältnisse, die eine eigene Existenzsicherung und eine selbstbestimmte Teilhabe am gesellschaftlichen Leben ermöglichen, eine Steuerpolitik, die Familien entlastet und keine falschen Anreize setzt und eine gerechte Teilhabe von Frauen am Arbeitsmarkt mit den gleichen Karrierechancen und dem gleichen Zugang zu Führungspositionen in Wirtschaft, öffentlicher Verwaltung, Wissenschaft und Forschung.

Thema Altersarmut / Minijob

Die Ungerechtigkeit in der Entlohnung summiert sich über die Jahre und wirkt sich nicht nur deutlich auf den Lebensstandard von arbeitenden Frauen aus, sondern auch auf ihre Rentenanwartschaften. Unterschiede gibt es nicht nur bei der Bezahlung, sondern auch bei Sonderzahlungen wie Gewinnbeteiligungen, Weihnachts- und Urlaubsgeld, stellen die Gleichstellungsbeauftragten fest: Auch die vielen prekären Beschäftigungsverhältnisse tragen hierzu bei. Über einen Minijob wiedereinzusteigen, erleichtere für viele Frauen die Möglichkeit zur Berufsrückkehr. Das sei jedoch nicht ohne Risiken: „Minijobs schaffen Minirenten und damit auch ein erhöhtes Risiko für Altersarmut. Wir brauchen daher sozialversicherungspflichtige Beschäftigung für Frauen und Männer und eine sichere Rente, die zum Leben reicht“, so die Forderung.

Thema Familienarbeit/Vereinbarkeit Familie/Pflege und Beruf

Gute Rahmenbedingungen sind Voraussetzung dafür, Familienarbeit zu leisten und berufstätig zu sein: „Wir brauchen daher Bildungs-, Betreuungs-, und Pflegeeinrichtungen, die sich am Bedarf orientieren, und wir brauchen Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber, die Frauen und Männern eine Vereinbarkeit von Familie, Pflege und Beruf ermöglichen und sie unterstützen. Familienarbeit und die bei der Erziehung von Kindern und der Pflege von Angehörigen erworbenen Kompetenzen müssen auch in der Arbeitswelt geschätzt werden und nicht, wie heute vielfach noch üblich, ein Karrierehemmnis darstellen.“

Gleichberechtigte Teilhabe in Politik und Gesellschaft

In vielen Bereichen des Lebens sind Frauen inzwischen gut vertreten. Doch nicht nur in der Wirtschaft, auch in der Politik sind Frauen in Entscheidungs- und Führungspositionen nach wie vor unterrepräsentiert. Nur ein Viertel der Mandate in den Stadträten und Kreistagen ist von Frauen besetzt und bei den Führungspositionen auf kommunaler Ebene sieht es noch schlechter aus. Der Anteil der Oberbürgermeisterinnen beträgt 15 Prozent, der Anteil der Landrätinnen sechs Prozent und der Anteil der hauptamtlichen Bürgermeisterinnen gar nur vier Prozent.

„Wir als Gleichstellungsbeauftragte wünschen uns eine gleichberechtigte Teilhabe von Frauen in Politik und Gesellschaft. Von einer Vielfalt mit unterschiedlichen Sichtweisen und Erfahrungen von Frauen und Männern können Bund, Länder, Kreise, Städte und Gemeinden nur profitieren“, heißt es in der gemeinsamen Stellungnahme.

Fazit:

„Auch nach mehr als 100 Jahren ist eine aktive Gleichstellungspolitik eine absolute Notwendigkeit. Die damals von Frauenrechtlerinnen unter Einsatz ihres Lebens erreichten Rechte müssen verteidigt und erhalten werden und die geschilderten Defizite abgebaut werden“, so das Fazit der Gleichstellungsbeauftragten.

Kontakt

Gleichstellungsbeauftragte


Telefon: 0271 333-2212
Fax: 0271 333-2280
m.boettcher@siegen-wittgenstein.de
Raum: 1123

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