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»Die Zerreißprobe" - Lesung mit Autorin Lamya Kaddor begeistert

17.03.2017

„Oft werde ich gefragt, wo ich herkomme“, erzählt Lamya Kaddor. „Was ist das für eine Frage? Ich bin in Aalen geboren“, fügt sie mit einem Schmunzeln hinzu. Aber was heißt es, Deutsch zu sein? Hier geht es nicht um Bier, Sauerkraut oder Volksmusik. „Meine Heimat ist da, wo ich mich geborgen fühle.“ Auf Einladung des Kommunalen Integrationszentrums des Kreises Siegen-Wittgenstein und des Vereins für soziale Arbeit und Kultur Südwestfalen e.V. las die Autorin Lamya Kaddor jetzt einige Passagen aus ihrem aktuellen Buch „Die Zerreißprobe. Wie die Angst vor dem Fremden unsere Demokratie bedroht.“ Fast 70 Zuhörer waren der Einladung ins Kulturhaus Lÿz an diesem Abend gefolgt.

Es geht nicht nur darum, dass sich die Flüchtlinge integrieren, sondern sollte sich nicht auch die Mehrheitsgesellschaft anpassen, fragt Kaddor. „Aus Bier, Sauerkraut und Volksmusik ist längst auch Merlot, Risotto und Jazz geworden. Wir müssen den Einwanderern nicht das Verbot des Schlachtens in der Wohnung, die Jagd auf unsere Singvögel und die Mülltrennung eintrichtern.“ Die größte Konstante in unserer Gesellschaft sei das Grundgesetz. „Menschen die zu uns kommen, haben sich daran zu halten.“

Ein Auszug aus ihrem Buch bleibt den Zuhörern besonders im Gedächtnis. Es geht um einen Apotheker, der eine Mitarbeiterin mit Kopftuch beschäftigt. Eine Kundin schreibt ihm, dass sie deshalb zukünftig in eine andere Apotheke gehen wird. Die Reaktion des Apothekers ist wohl anderes, wie die Kundin es erwartet. Er schreibt ihr, dass er ganz verschiedene Mitarbeiter beschäftige: Männer, Frauen, Autofahrer, Motorradfahrer, Fußballfans von verschiedenen Vereinen, Mitarbeiter mit Haaren, ohne Haare und auch eine Frau mit Kopftuch. Und er bittet die Kundin darum, ihre Medikamente demnächst in einer anderen Apotheke zu besorgen, denn er wolle seiner Mitarbeiterin einen solchen Umgang gerne ersparen.

Kaddor erzählt in einer anschließenden Diskussionsrunde, dass es ihr selbst auch so ergangen sei: in einem Wartezimmer beim Arzt beschwert sich eine ältere Dame bei der Arzthelferin, dass „die Muslime uns allen die Arbeit wegnehmen“. Ist es dann nicht unsere Pflicht, diese Pauschalisierungen zu korrigieren? Lamya Kaddor schweigt nicht, auch wenn sie deshalb eine Hetzkampagne erlebt und sogar Morddrohungen erhält.
Den Schlusspunkt setzte die Leiterin des Kommunalen Integrationszentrums, Yvonne Partmann, mit einem Zitat eines jungen zugewanderten Mannes: „ Integration ist, wenn es keine Rolle mehr spielt, woher und warum du gekommen bist, sondern nur zählt, wer du bist und was du kannst.“ Wir sollten uns ein Beispiel an den Kindern nehmen: „Sind bei Dir im Kindergarten viele Ausländer? Nein, nur Kinder.“

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