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„An(ge)kommen! – Was es braucht“
Ausstellung mit Kurzfilm bis Freitag im Foyer des Kreishauses

29.11.2016

In Deutschland ankommen ist mehr als unsere Sprache zu lernen und zur Schule zu gehen. Dazu gehört auch, im Alltag anzukommen, Wurzeln zu schlagen, seine Talente auszuleben, Sport zu treiben, zu musizieren oder zu malen. All das wird in der Ausstellung „An(ge)kommen! Was es braucht ...“ deutlich, in der sich 13 Jugendliche vorstellen, die nach Deutschland geflüchtet sind und jetzt in Siegen-Wittgenstein leben. Die Ausstellung ist noch bis Freitag (2. Dezember 2016) im Foyer des Kreishauses zu sehen.

Über 150 Teilnehmer waren der Einladung des Landrates gefolgt und haben an der Ausstellungseröffnung im Foyer des Kreishauses teilgenommen. Dabei wurde auch ein Kurzfilm des Siegener Filmemachers Manuel Rueda gezeigt, in dem einige der Jugendlichen von sich und ihrem Leben erzählen – und vor allem dafür werben, Deutsch zu lernen. Der Film ist ebenfalls im Rahmen der Ausstellung im Foyer des Kreishauses zu sehen.

Landrat Andreas Müller hob bei der Eröffnung hervor, dass es bei der Ausstellung nicht um Statistiken gehe, sondern um die Menschen. So erzählte er von einem Jugendlichen, der bei seiner Flucht schreckliche Dinge erlebt hat. Er wurde z.B. auf einem Schiff, das völlig überladen war, mit einem Stock verprügelt. Sein Bruder wurde umgebracht. Trotz allem schaffte er den Weg nach Deutschland und geht mittlerweile auf das Berufskolleg für Wirtschaft und Verwaltung in Siegen. Vier Tage nach seinem ersten Schultag nahm er bereits am Siegener Schülerlauf teil und wurde Vierter! Armin Kring, Trainer aus Wilnsdorf, hat das mitbekommen und dem jungen Mann angeboten, in Wilnsdorf mit zu trainieren. Das tut er inzwischen auch und hat bereits drei Urkunden bekommen. Sein Traum: Eine Ausbildung als Altenpfleger zu beginnen und eines Tages bei den olympischen Spielen teilzunehmen.

Organisiert wurde die Ausstellung vom Kommunalen Integrationszentrum (KI). Das hilft jugendlichen Geflüchteten, eine passende Schule zu finden. In den Beratungen offenbaren die Jugendlichen vieles aus ihren Lebensgeschichten – „das ist immer interessant, bewegend und geht oft zu Herzen“, erzählt Yvonne Partmann, Leiterin des KI. Aus diesen Gesprächen wurde die Idee geboren, die Jugendlichen in eindrucksvollen Portraits vorzustellen. Umgesetzt wurde dies von Axel Ollenschläger aus Freudenberg. Er fotografierte die Portraits, die immer mit einem Satz versehen sind, mit dem die Jugendlichen sich selbst vorstellen.

„Diese Jugendlichen bringen oft vielfache und ganz andere Fertigkeiten mit, als die, die wir gemeinhin so aus Schule kennen: Hohe Motivation und Hunger nach Bildung und Schule, ganz viel praktische Lebens- und Arbeitserfahrung und viele Sprachen. Plötzlich ist Deutschland multilingual geworden. Diese Chance sollten wir nutzen“, sagt Yvonne Partmann.

Damit Ankommen und Integration auch wirklich gelingen, sind „Willkommenskultur, Herzenskultur und Wertschätzungskultur“ besonders wichtig, betonte Andreas Müller: „Menschliche Wärme ist durch nichts zu ersetzen und der persönliche Kontakt sicher für beide Seiten der Schlüssel für eine Integration, die wirkliches Ankommen ermöglicht.“

Musikalisch begleitet wurde die Eröffnung von einem Jugendlichen aus Afghanistan. Er hat als Hobby „Johann Sebastian Bach“ angegeben und ist an der Martinikirche spazieren gegangen, hat Orgelklänge gehört, aber die Kirche war verschlossen. Dann hat er sich erkundigt, wann geöffnet ist, hat sich dann nochmals von Wilnsdorf aus auf den Weg in die Oberstadt gemacht und den Siegener Organisten Uli Stötzel kennengelernt. Der gibt ihm seither Orgelunterricht.

Außerdem trat eine Gruppe von Jugendlichen der Fritz-Busch-Musikschule auf. Alle sind erst vor wenigen Monaten nach Deutschland gekommen. Angelika Braumann zeigte mit ihnen sehr eindrucksvoll, dass man auch nach sechs Monaten schon außerordentlich gut Geige spielen kann.

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