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75 Jahre Sprengtechnische Lehrgänge in Siegen
Langjähriger Leiter Dieter Reinschmidt verabschiedet

13.12.2016

Vor 75 Jahren, im März 1941, fanden die ersten sprengtechnischen Lehrgänge an der damaligen Bergschule in Siegen statt. Jetzt wurde der Geburtstag dieser weit über die Grenzen Siegen-Wittgensteins hinaus bekannten Einrichtung gefeiert. Zugleich hat Landrat Andreas Müller den langjährigen Leiter der Lehrgänge, Dieter Reinschmidt, in den Ruhestand verabschiedet. Nachfolger wird Jürgen Schroer aus Netphen.

Vor gut 45 Jahren, im Schuljahr 1970/71, übernahm der Kreis Siegen-Wittgenstein die Trägerschaft der Sprengtechnischen Lehrgänge. Bis zur Wiedervereinigung im Jahre 1991 waren sie die einzigen dieser Art in der damaligen Bundesrepublik. Standen in den Anfangsjahren vor allem Sprengungen wie etwa im Bergbau auf dem Lehrplan, ist die Zahl der unterschiedlichen Speziallehrgänge im Laufe der Jahre enorm gewachsen: 17 verschiedene Grund-, Sonder- und Wiederholungslehrgänge werden aktuell angeboten. Die Spannbreite reicht von Lehrgängen für Böller- und Sportschützen über Großbohrlochsprengungen, das Sprengen von Bauwerken und Bauwerksteilen und die Beförderung gefährlicher Güter bis hin zum Abbrennen von Feuerwerken, Pyrotechnik in Theatern und Freilichtbühnen und der Raketen- oder Airbagtechnik.

"Siegen und Sprengungen gehören zusammen"

„Siegen und Sprengung gehören zusammen“. Diese Feststellung von Dieter Reinschmidt nahm Landrat Andreas Müller auf. „25.000 Lehrgangsteilnehmer haben in den 75 Jahren der Sprengtechnischen Lehrgänge auch für einen höheren Bekanntheitsgrad von Siegen und Siegen-Wittgenstein gesorgt. Da alle zwei Jahre die Qualifikation als Sprengmeister aufgefrischt werden muss, sei die Region unter diesen Fachleuten bekannt. Das passe auch in das neue touristische Konzept des Kreises: „Siegen-Wittgenstein – echt vielfältig.“

Die Lehrgangsteilnehmer kamen und kommen aus der Steine- und Erdenindustrie, aus dem Bau- und Abbruchgewerbe, aus Spreng- und Bohrunternehmen, aus der chemischen Industrie, aus dem Bereich der Pyrotechnik, der Luft- und Raumfahrttechnik, der Kfz-Branche und von Speditionsunternehmen. Aber auch Soldaten der Bundeswehr, Polizisten und Angehörige des Kampfmittelräumdienstes nehmen an den Lehrgängen teil, genauso wie Mitarbeiter der Gewerbeaufsicht oder der Berufsgenossenschaften.

Reinschmidt: Vermeidung von Unfällen steht im Mittelpunkt

Dieter Reinschmidt blickte in seinen Ausführungen bis zu den Ursprüngen der Sprengtechnischen Lehrgänge vor 75 Jahren zurück und zitierte aus alten Notizen der Gewerbeaufsicht zum Stichwort „Sprengstoffe“: „Anlässlich der vorgekommenen Unfälle, die zu einem großen Teil auf nicht genügender Beachtung der Unfallverhütungsvorschriften über Sprengarbeiten zurückzuführen sind, wird empfohlen, als Voraussetzung für die Prüfung von Bewerbern eine Mindestausbildungszeit von einem Jahr bei einem anerkannten erfahrenen Sprengmeister sowie die Teilnahme an Sprenglehrgängen zu fordern, wie sie beispielsweise von der Bergschule in Siegen durchgeführt werden.”

Und so war es auch ein Anliegen der Industrie, insbesondere der Kalk- und der Natursteinindustrie, für ihre Betriebe Spreng- und Bruchmeister zur Verfügung zu haben, die nach einem auf ihre Bedürfnisse zugeschnittenen Lehrplan ausgebildet wurden.

Bis heute werden die Lerninhalten in Theorie und Praxis immer weiterentwickelt – in enger Zusammenarbeit mit Universitäten, den zuständigen Behörden, der IHK, den Berufsgenossenschaften, den maßgebenden Firmen, dem Deutschen Sprengverband und den Praktikern – „also den Fachleuten, die aktuelle Entwicklungen und praktische Erfahrungen in den Unterricht einbringen“, unterstrich Dieter Reinschmidt: „Die Vermeidung von Unfällen steht dabei immer im Vordergrund!“

Auch der Vorsitzende des Deutschen Sprengverbandes, Jörg Rennert, lobte die Vielfalt der Siegener Ausbildungsangebote: Er erinnerte daran, dass in Siegen am 10.Januar 1978 der Deutsche Sprengverband gegründet wurde. „Damals hatten wir schon eine zündende Idee", sagte er mit einem Schmunzeln. Die jährliche Informationstagung des Verbandes findet deshalb bis heute traditionell in Siegen statt. 2018 werde man Siegen den 40. Geburtstag des Verbandes feiern, kündigte Jörg Rennert an.

Verabschiedung Dieter Reinschmidt

Im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung verabschiedete Landrat Andreas Müller auch den langjährigen Leiter der Sprengtechnischen Lehrgänge in den Ruhestand. Schon 1976, also vor 40 Jahren, hatte Dieter Reinschmidt als Dozent einen ersten Lehrgang für die Vermessung von Großbohrlochanlagen durchgeführt. 1981 veröffentlichte er ein Werk zum „Vereinfachten Verfahren zur Vermessung von Großbohrlochanlagen“.

1989 übernahmen Reinschmidt die Leitung die Sprengtechnischen Lehrgänge. Diese waren damals am Berufskolleg Technik angesiedelt. 2006, im Jahre von Reinschmidts offizieller Pensionierung, folgte der Umzug ins Technologiezentrum. „Eigentlich sind Sie ja bereits vor zehn Jahren in den Ruhestand gegangen. Trotzdem haben Sie als Leiter der Sprengtechnischen Lehrgänge weitergemacht. Das zeigt auch, dass Ihnen diese Arbeit ganz offensichtlich Spaß gemacht hat und eine Herzensangelegenheit war“, würdigte der Landrat Reinschmidts Engagement: „Seit Ihrem Amtsantritt haben Sie neue Lehrgänge und Seminare etabliert und zahlreiche fachkundige Dozenten aus der Praxis gewinnen können. Alleine während Ihrer 27 Jahre als Leiter wurden über 10.000 Fachleute aus dem In- und Ausland hier ausgebildet – alle unfallfrei!“, betonte Müller.

Nachfolger von Reinschmidt ist Jürgen Schroer aus Netphen. Als Dozent ist er bereits viele Jahre für die Sprengtechnischen Lehrgänge tätig. Hauptberuflich hat er bei der Bezirksregierung in Arnsberg im Bereich Sprengtechnik gearbeitet. Auch er hat jetzt die Altersgrenze erreicht und scheidet bei der Bezirksregierung aus. Gleichzeitig übernimmt er aber die Leitung der Sprengtechnischen Lehrgänge des Kreises Siegen-Wittgenstein.

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